Personalmangel und Vorgaben von oben. Wenn die für Autodiebstahl hier schon Einbrüche bearbeiten müssen, weil die keine Leute haben und nicht ein und aus wissen, wird es beim Straßenverkehr nicht besser sein. Rotfahrten sind hier mittlerweile normal.
Anfang der Woche habe ich bei der Polizei angerufen, weil eine große Ampelkreuzung ausgefallen ist- da herrschte das pure Chaos. Das ist nicht so einfach, dafür Leute abzustellen, hier ist immer etwas los. Keine Gelder, keine Ausrüstung, keine Zeit für Ausbildung, wenig Bewerber. Die Polizisten tun zumindest hier, was sie können und dafür bin ich denen sehr dankbar.
Bei allem Verständnis für Personalmangel und Vorgaben von oben:
Warum kann man als Polizist, der im Auto an einer roten Ampel steht, nicht einfach mal das Nachbarauto, in dem jemand telefoniert, anhalten.
Vielleicht ist es der Frust über Personalmangel und Vorgaben von oben, der dazu führt, dass Polizisten oftmals nur noch darauf warten, dass ihre Schicht endlich vorbei ist und sie nach Hause können und sich selbst nicht an die einfachsten Regeln halten.
Ich könnte seitenweise Beispiele aus meinem persönlichen Erleben dazu erzählen. Stellvertretend dafür mal drei innerhalb kürzester Zeit erlebte Ereignisse:
1. Ein Verkehrsunfall im Dunkeln. Ein Polizeiauto kommt, stellt sich mitten auf die Fahrspur, macht das Licht aus und weder Warnblinkanlage noch Blaulicht an. Mehrere Autos fahren um ein Haar auf das unbeleuchtete Polizeiauto auf. Meiner Meinung nach ein Fall für "einfach mal morgens nach dem Aufstehen das Hirn einschalten".
2. Ein 40-Tonner-Sattelzug parkt neben meinem Haus in voller Breite auf dem kombinierten Geh- und Radweg. Es ist 22:00 Uhr und der vollkommen unbeleuchtete und ungesicherte LKW ist im fahlen Licht einer entfernt stehenden Straßenlaterne nur schwer zu erkennen. Die Straßenlaternen werden ab 24:00 Uhr ausgeschaltet, dann ist es stockfinster. Der Fahrer zieht die Gardinen zu und beginnt zu übernachten. Ich rufe die Polizei, erstens, weil man nicht mit dem LKW auf dem Radweg übernachten darf und zweitens, weil der Radweg relativ stark von Radfahrern frequentiert wird, auch im Dunkeln, und das gefährlich ist. Ein Bekannter von mir sitzt genau wegen so etwas mit Querschnittlähmung im Rollstuhl
Es kommt auch ein Streifenwagen. Die Polizisten wecken den Fahrer, sprechen 30 Sekunden mit ihm und fahren dann wieder weg. Vermutlich haben sie ihm nur ein Gute-Nacht-Lied gesungen.
Am nächsten Morgen um 6:00 Uhr höre ich, wie ein Radfahrer gegen den LKW knallt. er ist kurz bewusstlos, rappelt sich dann auf und fährt mit seinem verbogenen Fahrrad weiter. Den LKW-Fahrer interessiert das nicht. Die Polizei auch nicht.
3. Eine junge Frau kommt direkt vor mir auf grader Straße mit ca. 95 Km/h mit ihrem PKW von der Fahrbahn ab, durchfährt einen Graben, knallt vor eine Querstraße, fliegt 2 m hoch und landet erst nach 150 Metern einem Maisfeld. Hat sie vielleicht während der Fahrt eine Textnachricht geschrieben? Als ich mich um die Fahrerin kümmere riechen sowohl ich wie auch meine Frau sofort deutlich an ihrem Atem, dass sie offenbar Alkohol genossen hat.
Auch die von mir gerufene Polizei unterhält sich mit der Frau und muss das gerochen haben. Die Frau muss nicht mal pusten sondern darf ohne Alkoholkontrolle mit ihrem Vater, der inzwischen eingetroffen ist, nach Hause fahren. Auch das Handy wird nicht auf möglicherweise zum Unfallzeitpunkt geführte Telefonate oder geschriebene /gelesene Textnachrichten kontrolliert.
Solange Polizisten selbst die einfachsten und naheliegendsten Dinge nicht tun (wollen), werden Autofahrer keinen Grund sehen, sich an Regeln zu halten.
Gruß
mabel