- Registriert
- 2 August 2004
- Wagen
- BMW Z8
Das Sixpack am Bauch ist perfekt. Gut, die Schutzschicht darüber war mit 3 cm mittlerweile vielleicht etwas zu großzügig geraten. Aber eigentlich war es der Rücken mit seinen nicht bestellten Verspannungen, der dann den Ausschlag gab. Zwei Wochen lang wollte ich mich nur von Fasten und Sport ernähren. Ich weiß, in meiner Generation macht man sowas eigentlich noch nicht. Dafür sind die Vegan-Vegetarier-Jünger mit ein paar Jahrzehnten weniger zuständig. Aber andererseits, es mußte mal was passieren. In Köln sagt man in einer solchen Situation: "Jetz is et ävver baal joot, ne!". Schärfer kann der Rheinländer sein Unwohlbefinden kaum ausdrücken.
So fand ich mich dann mitten in der ödesten Ecke des Bayrischen Waldes in einer Spezialbehörde wieder, in der das Essen nur auf Antrag in geringen Mengen ausgeteilt wurde. Das Hotel war so weit weg vom Schuß, ich glaube, die kannten noch nicht einmal Seehofer und dachten, Strauß wäre immer noch Ministerpräsident. Aber mit Fasten kennt man sich da aus, ganz im Gegenteil zu mir. Natürlich fiel das prompt auf.
"Ich nehme nur Omega 3", beteuerte eine engagierte Dame, während sie die Klärschlammmischung aus Heilerde und Wasser in ihrem Glas in wohldosierten Schlucken zu sich nahm. Mir war nicht bewusst, dass Opel drei Omega-Modelle gebaut hat, deshalb hielt ich mich diskret zurück. Reihum trug nun jede(r) seine bzw. ihre persönlichen Erfahrungen, Kalorienwerte und Kenntnisse über völlig indiskutable Ernährungsweisen zum Gespräch bei. Alles wirklich nette Menschen, die sich zu einem lobenswerten Zweck zusammengefunden hatten.
Nach einer guten Stunde ernährungswissenschaftlicher Bemerkungen versuchte ich, mich auch einmal ins Gespräch einzubringen. Immerhin saßen einige Personen beliebigen Geschlechts am Tisch, denen der Grund, warum sie an einem Fastenkurs teilnahmen, ohne Lupe anzusehen war. Nichtsdestotrotz schienen alle mehr oder weniger Fastenprofis zu sein. Doch als ich das zur Sprache brachte (das mit den Profis) und nachfragte, warum sie denn bei all diesen Kenntnissen überhaupt da seien, breitete sich umfassendes und betretenes Schweigen aus. Offensichtlich ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis doch größer als erhofft.
Dann war da noch der andere Bereich, in dem ich mit einer unendlichen Fülle von nichtexistierenden persönlichen Erfahrungen glänzen konnte: der Sport. Ich bitte Euch, montags um halb acht Uhr morgens im Schwimmbad antreten zur Wassergymnastik. Natürlich war ich der einzige Mann unter 8 Damen, die meisten im mittleren Rentenalter. Ich hätte es wissen müssen. Andererseits ist das Herumspringen im Wasser mit so einer hinterhältigen Plastikwurst auch anstrengend. Vor allem, als sich Einer am Anderen anhing, und die Kette flott durchs Becken marschieren sollte. Wenig überraschend wählte die Hauptfeldwebelin am Beckenrand mich als Lokomotive aus. Vielleicht wäre es besser gegangen, wenn die drei jauchzenden Damen in der Kette groß genug gewesen wären, um auch mal die Füße auf den Boden zu bekommen. Aber na ja.
Kaum abgetrocknet, stand Intervalltraining an. 10 Stationen, 3 Wiederholungen, und ich allein mit einer gnadenlosen Trainerin. Hatte ich das falsch in Erinnerung, dass Männer den Frauen körperlich überlegen sind? In der Schule war das nie ein Problem, aber bei diesem Training hatte ich keine Chance. Und da ich allein war mit ihr, konnte ich noch nicht mal trödeln oder mich verstecken. Nach 30 Übungen war das Leben zu 87% aus meinem Körper entwichen. Unzufrieden mit dem unvollständigen Ergebnis setzte diese Sklaventreiberin dann Bodenübungen an, bis ich locker die 100% erreicht hatte. Danach kehrte sie meine Überreste zusammen und schickte mich zum Frühstück.
So verging die Woche in stetem Wechsel zwischen Sport, kargen Mahlzeiten und Wiederbelebungsversuchen. Alle zwei Tage eine Waldwanderung (warum muß man senkrechte, vereiste Hügel hochklettern, wenn daneben eine asphaltierte Straße auch zum Ziel führt?) bei minus 10 und minus 15°. Dazwischen dann noch Schwimmen, Massagen und Sauna. Vor lauter Aktivitäten kam ich gar nicht dazu, Hunger zu haben.
Und dann waren da diese ganzen unbekannten Dinge. Yoga. Qui Gong usw. Als an einem Tag ein Faszientraining angeordnet war, fragte ich vorsichtshalber erst einmal nach, ob Männer das auch haben. Man möchte sich ja nicht blamieren. Ich hab das dann mitgemacht und war hinterher ziemlich von der Rolle. Unsere Trainerin hatte eine Traumfigur und schien über ihrer Faszienrolle geradezu zu schweben. Rolle unter dem Oberschenkel, einen Arm locker aufgestützt, die Beine kerzengerade horizontal in der Luft ausgestreckt. Da muß man sich schon anstrengen, alleine schon, um den heruntergefallenen Unterkiefer wieder einzusammeln. Als ich dann auf der Rolle lag, fühlte ich mich wie unsere Katzen, die sich auf beliebig strukturiertem Untergrund "ausgießen" können, als ob sie keine Knochen hätten. Mein Oberschenkel wickelte sich elegant um die Rolle, damit das wertvolle Zentrum meines Körpers gesichert am Boden bleiben konnte. Flugs entschied ich, dass meine Lebensziele in anderen Bereichen liegen.
Am Ende der ersten Woche verabschiedeten sich fast alle Mitfaster, es kam eine neue Gruppe. Höchst interessante Persönlichkeiten, alle sehr nett, allerdings doch einige mit einem intensiven Mitteilungsbedürfnis. So gab es eine Dame, die an allem herumschwäbelte und nichts ohne Kommentar durchgehen lassen konnte. Sie arrangierte Essenszeiten, Zutaten und anders für sich und ihren Ehemann (der ab und an auch mal zu Wort kommen durfte) abseits des für alle geltenden Planes. Eine weitere Dame in undefinierbarem Alter mit Kurzhaarschnitt, dick umrandeter schwarzer Brille und schwarzem Lippenstift brachte so viel Intelligenz mit an den Tisch, dass sie ständig etwas davon abgeben musste. Mein Pech war, dass sie direkt neben mir saß und immer wieder auf ihre Weise Konversation betreiben wollte. Nur, dass ich von ihren Themen offensichtlich keine Ahnung hatte.
"Was sagen Sie zu Quinoa?", war beispielsweise eine Frage. Herrgott, was soll man als durchschnittlicher Mann rheinischer Prägung darauf schon antworten? "Tut mir leid, ich war bisher nur auf den Philippinen und Papua-Neuguinea, aber Quinoa kenn ich noch nicht." Das war offenbar nicht die Antwort, die sie erwartete, sie wendete sich leicht pikiert anderen Personen am Tisch zu, die vielleicht eher ihrem Wissensstand entsprachen. Absolut pflegeleicht war da im Vergleich ein Mutter-Tochter-Gespann aus Norddeutschland, die sich in durchaus verständlichen Sätzen ausdrücken konnten.
Ein besonderes Highlight beim kargen Essen waren aber die Darmentleerungen. Ging es am ersten Abend noch darum, wer denn nun Glaubersalz schlucken würde und warum, so wurden dann am nächsten Tag mit einer für fast alle am Tisch verständlichen Vertraulichkeit die Ergebnisse diskutiert. Überdies gab es eine spezielle Therapie mit irgendeiner Flüssigkeit, die - ohne ins Detail gehen zu wollen - irgendwo eingebracht wurde, um dort eine Zeit zu wirken, und dann den natürlichen Weg allen Seins zu gehen. Ich hab dafür nur einen Hirsebrei gebraucht. Das waren die Gelegenheiten, wo ich eher durch vornehmes Schweigen auf mich aufmerksam machte. Was soll man auch einer durchaus charmanten Dame sagen, die einem vertraulich mitteilt, dass sie unmöglich Schwimmen gehen konnte, weil das Glaubersalz ...
Zum Glück war ich entschuldigt. Wann immer ich mit komplizierten Fragen bedrängt wurde, hatte ich die perfekte Ausrede: "Meine Frau hat mich hergeschickt." Sofort verständnisvolles und äußerst positives Kopfnicken der Damen, keine weiteren Fragen, höchste Anerkennung. Damit konnte ich leben.
Am Ende der zwei Wochen war ich zufrieden. Nette Gesellschaft, gutes, wenn auch minimales, Essen, erstaunliche Ergebnisse aus den sportlichen Aktivitäten. Da macht es mir auch nichts aus, dass ich nur teilweise heimkehren konnte, und dass fast acht Kilo dort geblieben sind. Leider kamen die aus den Beinen und sonstwoher, aber nicht vom Bauch. Ich muß bei der Buchung irgendwas falsch gemacht haben.
So fand ich mich dann mitten in der ödesten Ecke des Bayrischen Waldes in einer Spezialbehörde wieder, in der das Essen nur auf Antrag in geringen Mengen ausgeteilt wurde. Das Hotel war so weit weg vom Schuß, ich glaube, die kannten noch nicht einmal Seehofer und dachten, Strauß wäre immer noch Ministerpräsident. Aber mit Fasten kennt man sich da aus, ganz im Gegenteil zu mir. Natürlich fiel das prompt auf.
"Ich nehme nur Omega 3", beteuerte eine engagierte Dame, während sie die Klärschlammmischung aus Heilerde und Wasser in ihrem Glas in wohldosierten Schlucken zu sich nahm. Mir war nicht bewusst, dass Opel drei Omega-Modelle gebaut hat, deshalb hielt ich mich diskret zurück. Reihum trug nun jede(r) seine bzw. ihre persönlichen Erfahrungen, Kalorienwerte und Kenntnisse über völlig indiskutable Ernährungsweisen zum Gespräch bei. Alles wirklich nette Menschen, die sich zu einem lobenswerten Zweck zusammengefunden hatten.
Nach einer guten Stunde ernährungswissenschaftlicher Bemerkungen versuchte ich, mich auch einmal ins Gespräch einzubringen. Immerhin saßen einige Personen beliebigen Geschlechts am Tisch, denen der Grund, warum sie an einem Fastenkurs teilnahmen, ohne Lupe anzusehen war. Nichtsdestotrotz schienen alle mehr oder weniger Fastenprofis zu sein. Doch als ich das zur Sprache brachte (das mit den Profis) und nachfragte, warum sie denn bei all diesen Kenntnissen überhaupt da seien, breitete sich umfassendes und betretenes Schweigen aus. Offensichtlich ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis doch größer als erhofft.
Dann war da noch der andere Bereich, in dem ich mit einer unendlichen Fülle von nichtexistierenden persönlichen Erfahrungen glänzen konnte: der Sport. Ich bitte Euch, montags um halb acht Uhr morgens im Schwimmbad antreten zur Wassergymnastik. Natürlich war ich der einzige Mann unter 8 Damen, die meisten im mittleren Rentenalter. Ich hätte es wissen müssen. Andererseits ist das Herumspringen im Wasser mit so einer hinterhältigen Plastikwurst auch anstrengend. Vor allem, als sich Einer am Anderen anhing, und die Kette flott durchs Becken marschieren sollte. Wenig überraschend wählte die Hauptfeldwebelin am Beckenrand mich als Lokomotive aus. Vielleicht wäre es besser gegangen, wenn die drei jauchzenden Damen in der Kette groß genug gewesen wären, um auch mal die Füße auf den Boden zu bekommen. Aber na ja.
Kaum abgetrocknet, stand Intervalltraining an. 10 Stationen, 3 Wiederholungen, und ich allein mit einer gnadenlosen Trainerin. Hatte ich das falsch in Erinnerung, dass Männer den Frauen körperlich überlegen sind? In der Schule war das nie ein Problem, aber bei diesem Training hatte ich keine Chance. Und da ich allein war mit ihr, konnte ich noch nicht mal trödeln oder mich verstecken. Nach 30 Übungen war das Leben zu 87% aus meinem Körper entwichen. Unzufrieden mit dem unvollständigen Ergebnis setzte diese Sklaventreiberin dann Bodenübungen an, bis ich locker die 100% erreicht hatte. Danach kehrte sie meine Überreste zusammen und schickte mich zum Frühstück.
So verging die Woche in stetem Wechsel zwischen Sport, kargen Mahlzeiten und Wiederbelebungsversuchen. Alle zwei Tage eine Waldwanderung (warum muß man senkrechte, vereiste Hügel hochklettern, wenn daneben eine asphaltierte Straße auch zum Ziel führt?) bei minus 10 und minus 15°. Dazwischen dann noch Schwimmen, Massagen und Sauna. Vor lauter Aktivitäten kam ich gar nicht dazu, Hunger zu haben.
Und dann waren da diese ganzen unbekannten Dinge. Yoga. Qui Gong usw. Als an einem Tag ein Faszientraining angeordnet war, fragte ich vorsichtshalber erst einmal nach, ob Männer das auch haben. Man möchte sich ja nicht blamieren. Ich hab das dann mitgemacht und war hinterher ziemlich von der Rolle. Unsere Trainerin hatte eine Traumfigur und schien über ihrer Faszienrolle geradezu zu schweben. Rolle unter dem Oberschenkel, einen Arm locker aufgestützt, die Beine kerzengerade horizontal in der Luft ausgestreckt. Da muß man sich schon anstrengen, alleine schon, um den heruntergefallenen Unterkiefer wieder einzusammeln. Als ich dann auf der Rolle lag, fühlte ich mich wie unsere Katzen, die sich auf beliebig strukturiertem Untergrund "ausgießen" können, als ob sie keine Knochen hätten. Mein Oberschenkel wickelte sich elegant um die Rolle, damit das wertvolle Zentrum meines Körpers gesichert am Boden bleiben konnte. Flugs entschied ich, dass meine Lebensziele in anderen Bereichen liegen.
Am Ende der ersten Woche verabschiedeten sich fast alle Mitfaster, es kam eine neue Gruppe. Höchst interessante Persönlichkeiten, alle sehr nett, allerdings doch einige mit einem intensiven Mitteilungsbedürfnis. So gab es eine Dame, die an allem herumschwäbelte und nichts ohne Kommentar durchgehen lassen konnte. Sie arrangierte Essenszeiten, Zutaten und anders für sich und ihren Ehemann (der ab und an auch mal zu Wort kommen durfte) abseits des für alle geltenden Planes. Eine weitere Dame in undefinierbarem Alter mit Kurzhaarschnitt, dick umrandeter schwarzer Brille und schwarzem Lippenstift brachte so viel Intelligenz mit an den Tisch, dass sie ständig etwas davon abgeben musste. Mein Pech war, dass sie direkt neben mir saß und immer wieder auf ihre Weise Konversation betreiben wollte. Nur, dass ich von ihren Themen offensichtlich keine Ahnung hatte.
"Was sagen Sie zu Quinoa?", war beispielsweise eine Frage. Herrgott, was soll man als durchschnittlicher Mann rheinischer Prägung darauf schon antworten? "Tut mir leid, ich war bisher nur auf den Philippinen und Papua-Neuguinea, aber Quinoa kenn ich noch nicht." Das war offenbar nicht die Antwort, die sie erwartete, sie wendete sich leicht pikiert anderen Personen am Tisch zu, die vielleicht eher ihrem Wissensstand entsprachen. Absolut pflegeleicht war da im Vergleich ein Mutter-Tochter-Gespann aus Norddeutschland, die sich in durchaus verständlichen Sätzen ausdrücken konnten.
Ein besonderes Highlight beim kargen Essen waren aber die Darmentleerungen. Ging es am ersten Abend noch darum, wer denn nun Glaubersalz schlucken würde und warum, so wurden dann am nächsten Tag mit einer für fast alle am Tisch verständlichen Vertraulichkeit die Ergebnisse diskutiert. Überdies gab es eine spezielle Therapie mit irgendeiner Flüssigkeit, die - ohne ins Detail gehen zu wollen - irgendwo eingebracht wurde, um dort eine Zeit zu wirken, und dann den natürlichen Weg allen Seins zu gehen. Ich hab dafür nur einen Hirsebrei gebraucht. Das waren die Gelegenheiten, wo ich eher durch vornehmes Schweigen auf mich aufmerksam machte. Was soll man auch einer durchaus charmanten Dame sagen, die einem vertraulich mitteilt, dass sie unmöglich Schwimmen gehen konnte, weil das Glaubersalz ...
Zum Glück war ich entschuldigt. Wann immer ich mit komplizierten Fragen bedrängt wurde, hatte ich die perfekte Ausrede: "Meine Frau hat mich hergeschickt." Sofort verständnisvolles und äußerst positives Kopfnicken der Damen, keine weiteren Fragen, höchste Anerkennung. Damit konnte ich leben.
Am Ende der zwei Wochen war ich zufrieden. Nette Gesellschaft, gutes, wenn auch minimales, Essen, erstaunliche Ergebnisse aus den sportlichen Aktivitäten. Da macht es mir auch nichts aus, dass ich nur teilweise heimkehren konnte, und dass fast acht Kilo dort geblieben sind. Leider kamen die aus den Beinen und sonstwoher, aber nicht vom Bauch. Ich muß bei der Buchung irgendwas falsch gemacht haben.




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