Versichersfrage

joedoe

Fahrer
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31 Dezember 2007
Versteht jemand den wirtschaftlichen Vorteil, den sich ein KFZ-Versicher davon verspricht nach dem ersten Kaskoschaden dem Versicherten zu kündigen? Scheint ja was man so bei Google findet gerade bei Direktversicherungen nicht unüblich zu sein :j
Gehen die davon aus, dass man bei einem Schadensfall, der innerhalb einer bestimmten Zeit nach Vertragsabschluss eintritt automatisch ein nicht lukrativer Kunde wird? Durch die Kündigung müssen sie ja nihct nur den Schaden dennoch zahlen, sondern auch noch anteilig Prämie zurückzahlen und nehmen sich die Möglichkeit weiterer Einnahmen von dem Kunden &:
Bezüglich Rabattschutz ist das Ganze natürlich bestenfalls eine Farce - wenn du mehr Beitrag zahlst, wirst du bei einem Schaden im Jahr nihct zurückgestuft aber ätschi beim ersten Schaden kündigen wir dir einfach und melden dem neuen Versicherer den Schaden und du wirst doch zurückgestuft" - das kann doch wohl nicht wahr sein ;x
 
AW: Versichersfrage

Kündigungen durch den Versicherer im Schadenfall sind nicht wirklich eine Erscheinung der Direktversicherer sondern basieren immer auf einer gewissen Politik des Versicherers. Je nach Kundenverbindung (Anzahl der Verträge), Schadenquote oder allgemeiner Firmenphilosophie wird festgelegt, wann man einen Kunden "saniert".

Der sogenannte Rabattretter ist der größte Marketing-Coup der Versicherer. Dies hat folgenden Grund:

Kundenwerbung - Kundenbindung
Viele Kunden wissen gar nicht, dass nicht etwa ein oder mehrere Schäden durch einen vermeindlichen Rabattretter prinzipiell "frei" sind. Wechselt man den Versicherer, wird wie in deinem Fall natürlich der Schadenfreiheitsrabatt bestätigt, der unter Berücksichtigung der eingetretenen Schäden tatsächlich resultiert. Nur wenn der Kunde beim Versicherer bleibt, ändert sich der Beitragssatz (also der Prozentsatz) nicht (aber nur solange man dort versichert ist).

Somit hat der Versicherer (wenn dieser den Kunden nicht vorher selbst saniert hat) die beste Argumentation gegenüber dem Kunden, falls dieser kündigen will. Er kann ihn darauf hinweisen, dass bei einem Wechsel der wirkliche Schadenfreiheitsrabatt bestätigt wird und dadurch der Versichererwechsel für den Kunden teurer wird.

Falls der Versicherer allerdings irgendwann kündigt, hat der Versicherte eine ganze Menge an Nachteilen:

1) Er wurde gekündigt, das könnte heissen, dass der Nachversicherer keine Kaskoversicherung anbietet (weil er keine gekündigten Kunden gewinnen möchte)

2) Der Kunde wird in die Schadenfreiheitsklasse eingestuft, die tatsächlich unter Berücksichtigung der Schäden gelten würde

3) Der Kunde hat evtl. für seine Prämie mehr bezahlt, hat aber nun nichts davon.

Deshalb ist aus meiner Sicht die Masse der angebotenen "Rabattretter" nur reine Augenwischerei. Es gibt auf dem großen Kfz-Versicherer Markt gerade einmal zwei Versicherer, die einen echten Rabattschutz anbieten und dadurch die eigentliche SF-Klasse im Schadenfall nicht gestuft wird. Hierbei sind aber auch die Kfz-Prämien auf einem ganz anderen Niveau.

Also nicht ärgern - neu versichern und auf einen Rabattretter verzichten. Der bringt nur dann was, wenn man seinem Versicherer auch die nächsten Jahre treu bleiben will und darauf hofft, im Schadenfall nicht gekündigt zu werden. :b
 
AW: Versichersfrage

Die Idee mit der Kundenbindung ist ja keine schlechte und ich hab als Kunde damit erstmal auch kein Problem - wenn man aber u.a. damit Kunden lockt und z.B. direkt im nächsten Jahr eventuell auch noch selektiv für Bestandskunden die Beiträge erhöht oder aber eben nach dem ersten (!) Schaden kündigt (im konkreten Fall übrigens bevor überhaupt ein Schadensformular o.ä. einging - will sagen die Kündigung war die erste Reaktion nach der Schadensmeldung!), dann fühle ich mich da erstens schlichtweg verar... und zweitens verstehe ich auch die Strategie nicht, da sie im meinem Fall mit bislang kurzer Laufzeit von der erhöhten Prämie ja nicht profitiert haben. Oder haben die Gauner 'nen gemeinsamen Topf eingerichtet und die abgebende Versicherung kassiert 'ne Prämie weil sie einem Mitbewerber 'nen guten Kunden zu schlechten Konditionen für den verschafft? q:
 
AW: Versichersfrage

Versteht jemand den wirtschaftlichen Vorteil, den sich ein KFZ-Versicher davon verspricht nach dem ersten Kaskoschaden dem Versicherten zu kündigen?
Versicherungen haen ganze Statistikabteilungen, die nix anderes machen als Statistiken zu basteln.

Von daher wird wohl eine besagen, dass ein Neukunde, der schonmal direkt einen Schaden meldet auch bald einen weiteren Schaden vermelden wird.

Ist dies vielelicht sogar ein Schaden, der angeblich repariert werden soll, aber ein Außendienstler stellt fest, dass der Schaden nicht repariert wurde, sondern lediglich das Geld eingestrichen wurde, dann kann das natülich hochwirtschaftlich sein solche Kunden zu kicken.
 
AW: Versichersfrage

Ich glieder meinen Post mal in drei Teile auf.

1.
Der Rabattretter ist tatsächlich nur Augenwischerei und dient der Kundenbindung. Des weiteren ist dieser Baustein meist völlig überteuert und rechnet sich daher nur in wirklich hohen Schadenfällen. Wenn man dieses Geld ein paar Jahre zur Seite legt kriegt man das noch verzinst und kann damit die Hochstufung der Versicherung getrost bezahlen.

2.
Kundenbindung erreichen die Unternehmen nicht nur durch die (ohnehin nur sehr selten abgeschlossenen) Rabattretter, sondern auch durch diverse Sondereinstufungen was die SF-Klassen (Schadenfreiheitsklassen) angeht. Nehmen wir als Beispiel eine inzwischen sehr bekannte Direktversicherung, die damit Werbung macht den ZWeitwagen ebenso einzustufen wie den Erstwagen. Schöne Sache könnte man da denken.

AAAAAber: sollte man nun versuchen die Versicherung zu wechseln, so werden NUR DIE SF-Jahre weitergegeben, welche man auch tatsächlich erfahren hat (und gerüchteweise in Einzelfällen sogar noch nicht einmal diese). Auf diese Art wird jede Konkurrenzversicherung teurer als das erste Unternehmen und ein wechsel nicht lukrativ, auch wenn die Prämien für die einzelnen Tarifstufen teils exorbitant hoch sind.

Das findet sich inzwischen bei allen Versicherungen, da jede einen gewissen "Rabatt" bei der SF-Einstufung anbietet. Es gibt kaum noch Menschen die bei vollen 190% anfangen (und diese stellen sich dann so dumm an oder sind so dreist dass man ihnen nicht helfen kann). Selbst als Fahranfänger startet man heutzutage mit 140%.

Nur: wenn ich das Unternehmen wechsele, fallen alle Prozente weg die ich als Sondereinstufung erhalten habe um den Kunden zu binden. Daran sollte man bei jedem Versichererwechsel denken. Denn die tatsächlichen SF-Klassen erfahren die Versicherungsnehmer oft erst Wochen nach einem Wechsel und wundern sich dann.

3.
Rausschmiss nach einem Schaden bei erst kurzer Vertragsdauer und bei bestimmten Gesellschaften kann ich gut nachvollziehen und heisse das teilweise auch gut.

Denn leider sind Versicherungen und grade die Kfz-Versicherungen für viele Menschen inzwischen Kühe die man grenzenlos melken kann. Versicherungsbetrug und -ausnutzung ist an der Tagesordnung (will ich hier aber keinem vorwerfen!!!!).

Daher müssen Gesellschaften genauer kalkulieren und negative Risiken früher vor die Tür setzen. Das hat auch den Hintergrund dass die Geiz ist Geil Mentalität die Kfz-Versicherung schon vor Jahren getroffen hat und kaum noch ein Unternehmen mit dieser Sparte wirklich schwarze Zahlen schreibt. Wenn ich nun also wenig Prämie einnehme und dann noch die schwarzen Schafe mit vielen Schäden behalte kann sich jeder ausrechnen dass das nicht funktionieren kann.

Darum dort die strenge Selektion (die natürlich auch den falschen treffen kann).
 
AW: Versichersfrage

Versteht jemand den wirtschaftlichen Vorteil, den sich ein KFZ-Versicher davon verspricht nach dem ersten Kaskoschaden dem Versicherten zu kündigen?

kann auch sein, dass der Versicherer über die zentrale Auskunftdatei feststellt, dass er einen Crashkandidat im eigenen Lager hat und den dann sofort rausschmeisst (lieber sofort als zu spät)... &:

Sorry, für Doppelpost kann ich nix :w
 
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Da hier es am Beispiel eines Direktversicherers dingfest gemacht wurde, dann mal eine kleine ergänzende Erläuterung zu dem bisher geschriebenen.

Warum wählen viele Kunden einen Direktversicherer? :s

Der Preis ist selbstverständlich der ausschlaggebende Grund. Direktversicherer sind in der Regel günstiger als die "Premium"-Versicherer, weil die noch einen Vertrieb zu finananzieren haben. Deshalb haben Direktversicherer keine Außendienst.

Sie können aber nur auf Dauer die Prämien günstig halten, wenn auch der "Versichertenbestand" gesund ist.... also die Schadenquote sehr niedrig ist. Je größer die Differenz zwischen Schadenquote und Prämieneinnahmen, desto günstiger können die Prämien kalkuliert werden.
Und wie hält man einen Bestand gesund? In dem man sich ganz schnell von "schlechten Risiken" trennt.

Wobei hervorzuheben ist, dass die gesetzlich vorgeschriebene Pflichtversicherung nicht im Kündigungsumfang enthalten sein dürfte ;)

Trennungsgründe:
- zu viele Vorschäden
- zu viele Schäden in kurzer Zeit
- "schwarze Liste" (Crashkandidat, Betrugsverdacht)
- Prämienzahlungen unregelmäßig
- Statistik-Voraussetzungen erfüllt
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-
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AW: Versichersfrage

Alles klar - aber außer dem ominösen Punkt "Statistik-Voraussetzungen erfüllt" und eben den leeren Feldern sehe ich bei mir nichts b:
 
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:t

Nicht dass das jetzt finanziell oder sonstwie allzu bewegend wäre, so ein Umgang eines Unternehmens mit seinen Kunden ärgert mich aber einafch gewaltig :g

Oh sorry. Hatte es nicht so verstanden gehabt, dass es konkret auf Dich zutraf. Ich war von einer allgemeinen Feststellung ausgegangen.

Haben sie etwa Dir auch den Anteil der die gesetzliche "Pflichtversicherung" betrifft gekündigt? Das dürfen sie nämlich kraft Gesetzes nicht!

Die Erläuterung auf den "Bestand sauber halten" trifft dann schon auf Dich zu. So leid es mir für Dich tut. Daher sind Direktversicherer nicht immer die beste Wahl. Günstiger Beitrag hin oder her. Weil wenn Du nur einen einzigen Vertrag und das auch nur im Kfz-Bereich hast, dann bist Du kein "interessanter" Kunde. Die Kfz-Versicherung ist eigentlich nur das Entree zu Dir und Deinen "notwendigen" Deckungslücken des Bedarfs (Unfall, Leben, Kranken usw). Die Kfz-Sparte wird oft nur als Crossing-Seller angesehen ;)
 
AW: Versichersfrage

Die Hoffnung, dass ich aufgrund guter Konditionen und gutem Service andere Versicherungen abschließe, haben sie aber schnell aufgegeben ;)
Heute 2x manuell aus der Telefonleitung geworfen worden, eine Woche nach Schadensmeldung außer der Kündigung ("Kaskoversicherung", also eben wohl nicht die Haftpflicht - da hatten sie bislang ja auch nix zu regulieren) keine Rückmeldung, an die Vertragsabteilung darf die Zentrale "einfach so" nicht verbinden. Die Dame konnte mir aber immerhin das Kündigungsschreiben vorlesen und 2x das Datum der Schadensmeldung nennen. Auf die Nachfrage, ob ich das jetzt richtig verstanden hätte, dass sie mir nur 1:1 das sagen kann, was ich aus dem Dreizeiler selbst entnehmen kann und mich nicht an die Vertragsabteilung verbinden darf hat sie mich in eine Warteschleife gesteckt und als es wieder zurückgeschaltet wurde angenommen und aufgelegt. Das schlimme daran ist, dass die mit so einem Verhalten offenbar ganz gut leben können :(
 
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