Die Abschaffung der Arbeit

Ich denke dass du mit diesem Klischeedenken dem Ansatz des Autors nicht gerecht wirst...

Mit einem "Klischee" hat meine Auffassung nicht das Geringste zu tun, und auf den "Autor" - ich würde den Verfasser solchen Unsinns auch nicht so nennen - beziehe ich mich auch gar nicht, sondern auf die hiesige Diskussion. ;)
 
... Sicher soll und muss sich Leistung lohnen. - aber auch weniger anspruchsvolle Tätigkeiten sollten ein menschenwürdiges Überleben ermöglichen.

Etwas anderes wurde auch nicht behauptet - nur lässt sich leider nicht jedes Wunschdenken in der Realität ausreichend abbilden. Auch hierzu lohnt aber ein Blick auf andere Staaten, wo es teilweise deutlich schlechter funktioniert.

Man darf auch nicht übersehen, dass es in der Leistung nun einmal dramatische Qualitätsunterschiede gibt. Wenn die nicht auch dramatisch unterschiedlich vergütet werden, wird das denjenigen nicht gerecht, die eben sehr viel leisten.

Damit will ich nur sagen, dass das alles nicht so einfach ist, wie es sich hier manch einer wünscht. ;)
 
Arbeitsentgelte in der Wirtschaft unterliegen doch einfach dem Marktprinzip. Da Menschen nicht gleich sind, sondern das Leben eine "mehrfache Lotterie" ist, sind sie wirtschaftlich tatsächlich auch unterschiedlich viel wert. Allen ethischen Gleichmachereien zum Trotz. Muss man nicht mögen, ist aber so.

Jemanden, der in der Genlotterie den 6er mit Zusatzzahl und Stern gewonnen hat, also neben überdurchschnittlicher Intelligenz auch noch entsprechende Kreativität, Gedächtnis, Sozialkompetenz, Kommunikationsstärke, Fleiß, Zielstrebigkeit und Ausdauer mitbringt, dazu diese Anlagen in gutem sozialem Kontext (flankierender Soziallotteriegewinn: bürgerliches Elternhaus mit allen Fördermöglichkeiten für den begabten Nachwuchs) voll ausbilden konnte und mit gut gewählter - anspruchsvoller - beruflicher Ausbildung und entsprechender Erfahrung perfektionieren konnte - dann entsprechende schwierige Leistungen erbringen kann, z.B. ein Unternehmen führen - so jemanden findet man selten und zahlt daher gerne das Geforderte. Das kann dann auch schon mal siebenstellig werden.

Leute, die kaum mehr als die Fähigkeiten mitbringen die man für das Wachestehen vor dem Hintereingang braucht, gibt es dagegen sehr viele, die muss man nicht suchen, die bewerben sich in rauen Mengen auch um den Billigjob, warum also diesen mehr zahlen als nötig? Angebot und Nachfrage.

Mitunter kann der Markt dafür sorgen, dass wichtige Leistungen billig sind (Krankenpfleger, Müllabfuhr). Das mag Sozialromantikern ungerecht erscheinen, ist es aber nicht.

Denn wo man endet, wenn man Gerechtigkeit als vollständige Gleichheit missversteht und als obersten Wert setzt, zeigen die allesamt böse gescheiterten sozialistischen und kommunistischen Versuche im Großen sowie die analogen Experimente samt Scheitern der diversen Kommunen im Kleinen.

Und jedem steht es frei, selbst Unternehmer zu werden, und damit nicht mehr von der eigenen Arbeit in ihrer Quantität sondern rein der Qualität zu leben (das Quantitative lässt man dann machen) - und das besser als auf jede andere Weise. Dazu reicht oft nur eine einzige gute Idee zur rechten Zeit und der Mut, das Beste daraus zu machen. Hierfür braucht man freilich mindestens einen Vierer in Gen- und Soziallotterie, vor allem aber das Unternehmergen ;)

Das hatten im Übrigen diejenigen der Römer aus dem Eingangspost, die sich über die Arbeitenden mokierten. Und nur diese hatten die Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, und das Geld, von ihren Sklaven das Ganze vervielfältigen zu lassen, so dass manche dieser Meinungen noch heute bekannt sind. Nach heutigem Maßstab haben diese Römer allerdings auch gearbeitet - als Politiker, Unternehmer, Anwälte und Offizier - und das alles zusammen. Wer da nachließ, hatte bald nichts mehr zu vererben.

Sonderfälle vom Pflegefall bis zum Lehrer regelt dann je nach Gesellschaft mehr oder weniger die Gemeinschaft als Staat, auch da nicht immer gerecht (was ist das schon?). Und dass man vom akkumulierten Leistungsüberschuss anderer (der Erbe von dem der Vorfahren, der Lottogewinner von dem der übrigen Spieler) leben kann, indem man dieses Kapital wiederum durch die Arbeit anderer (der Mieter oder anderer Schuldner) vermehrt ist nun nicht verwunderlich. Ebensowenig, dass man durch mehr oder weniger große und intelligente Regelverletzungen zum Schaden anderer sich deren aktuelle oder akkumulierte Arbeit aneignen kann.

Im übrigen hat die Effizienz moderner Technologien die Arbeit doch schon überflüssig gemacht, für die die nicht wollen. Ein Hartzer lebt besser als manch hart arbeitender Mensch früherer Epochen und heutiger anderer Weltgegenden. Und jede heutige "Etwasbesserverdienerfamilie" (Doppelverdienerakademiker) lebt besser als die meisten niedrigen Adligen des Mittelalters. Wer also wie ein König leben will, z.B. eine neue Luxus-Kutsche mit mehr als 300 Pferden in der Remise haben, der muss schon noch a bisserl schaffen heutzutag und hierzuland.

Da uns ganz offenbar also nicht der absolute Wohlstand, sondern der relative glücklich macht - wo stehe ich in der Hackordnung dessen, was heute möglich ist - und diese Konkurrenzdenke wohl schon in unseren äffischen Vorfahren steckte, schuften wir wohl ewig fröhlich weiter ... von Gesinnungshartzern, ein paar glücklichen Erben und ideenreichen Unternehmern mal abgesehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Oh je ... und ich bin mal wieder sooowas von anderer Meinung :#
(ich zitiere mal nur namenlos und versuche sie nicht allzu sehr aus dem Zusammenhang zu reißen)

"Und solange man Geld für sich arbeiten lassen kann werden die Reichen immer reicher und der Mittelstand kann sich krum und bucklig arbeiten.
Das beste Mittel sein Geld vor Inflation zu schützen ist für mich, das Geld einfach ausgeben :D"


Es mag Ausnahmen geben, jedoch benötigt der Großteil des Mittelstands Kredite um Maschinen anzuschaffen. Diese werden von Kapitalgebern verliehen, die natürlich dafür auch einen Anteil des Unternehmensergebnisses haben möchten - Kreditgeber sind keine Wohltätigkeitsvereine.
Und wer nun weint, dass Kreditgeber zu hohe Zinsen verlangen - Mittelständler könnten ja auch kleinere Kredite nehmen und weniger mit diesen neuen Maschinen verdienen, also weniger effizient arbeiten - es ist ihre eigene Entscheidung die Kredite zu nehmen oder nicht.

Die ganzen Wucherzins-Privatkredithaie ... es ist jedem selbst freigestellt die Angebote anzunehmen oder nicht.

"Auf eine entsprechende spätere Rente brauche ich nicht hoffen, da frage ich mich wofür ich jahrelang in die Rentenkasse einzahle - Nicht für meine eigene Rente."

Wenn mir bewusst wird, dass ich zu viel arbeite und zu wenig dafür rausbekomme, dann ändere ich etwas in meinem Leben. Ich bin für mich selbst verantwortlich. Wenn ich zudem über diesen Weitblick bis zur Rente verfüge, dann nutze ich dieses Wissen für meine berufliche Planung.

"Der Preis betrug 4,49 € für ein paar lausige Nüsse die man noch selber knacken muss!"

Es gibt teure Lebensmittel, es gibt aber auch günstige. Ich persönlich orientiere mich an den günstigen und lasse die teuren weg.

"Zu den steigenden Sprit- und Energiekosten muss ich ja nichts schreiben"

Auch wieder ein Teil der Selbstverantwortung. Ich hab vor einigen Tagen LED-Lampen bei eBay bestellt um meinen Stromverbrauch zu senken. Mein Z4 ist auf Gas umgerüstet. Seit 2006 hab ich eine Solarthermieanlage auf dem Dach, da ich von steigenden Gaspreisen ausging ... nun zeigte sich, dass das Ding sich erst in 30 Jahren anstatt in 10 Jahren rechnet ... am 09.07. wird bei mir eine Solarzellen-Anlage auf's Dach gebaut, ich erhoffe mir eine Halbierung der Stromkosten.
Ich verstehe nicht wieso so viele hier im Thred rumjammern und alles kacke finden ?!?

"Und selbst wenn man nicht immer weniger Geld am Monatsende übrig hat, kommt der berufliche Druck und Stress dazu der am eigenen Körper nagt.
Dann arbeitet man noch erschwerend unter einem massiven Zeitdruck, während einem die Arbeit über den Kopf wächst..."


Immer weniger Geld und immer mehr Arbeit? Tu was dagegen! Wechsel den Arbeitgeber, geh in die Verhandlung mit dem Chef.

"Hatten wir nicht schon einen Todesfall im Forum der die Folge von beruflichen Stress war?"

Nein, hatten wir nicht. Und wer das behauptet, der tut dies aus reiner Vermutung. Denn sorry, wer wirklich "beruflichen Stress" hat, postet hier im Forum nicht zu allen Tages- und Nachtzeiten.
Keiner hier in diesem Thread hat beruflichen Stress oder wird unterbezahlt.

"Und es kann einfach nicht angehen das jemand 8 Std am tag zur Arbeit geht und mit 800.- Netto nach Hause geht, während ein anderer den ganzen Tag mit seinem faulen Arsch auf dem Sofa sitzt und 400.- vom Staat kassiert."

Scheiß-Rumgeheule - ich behaupte: JEDER, der hier Schreibenden hat in seinem Leben eine Phase gehabt in der er von weniger als 800 Euro Netto im Monat leben musste. Und JEDER, der hier Schreibenden hat sich über diese Phase hinaus weiterentwickelt.
Und so steht es JEDEM frei sich weiterzuentwickeln, wenn er es möchte und will.
... wer natürlich sein Leben lang nur buckelt und sich nicht weiterentwickelt, der hat schlcihtweg nicht den Willen dazu oder sieht gar nicht die Notwendigkeit - der soll dann bitte auch nicht rumjammern.

"Problematisch wird es aber bei den Niedriglohnjobs. Da sind die Leute gezwungen über ihre Grenzen zu gehen."

Niemand wird gezwungen. Manche Menschen fühlen sich nur dazu gezwungen.

Da gab es in meinem Leben dieses Mädchen ... ich empfahl ihr zur Handelsschule zu gehen, nochmal zu überlegen ob die Friseurlehre wirklich das richtige für sie ist. Sie ging zur Handelsschule und brach ab. Sie wurde Friseurin mit dem mickrigen Einkommen und all den Konsequenzen. Sie ist zufrieden und mag ihren Job. Es war ihre eigene freie Entscheidung.

"Das beste Mittel sein Geld vor Inflation zu schützen ist für mich, das Geld einfach ausgeben :D
Allerdings geht damit auch mein Plan mit der Frührente den Bach hinunter :12toiletz is ne schöne Zwickmühle &:&:&:"


Richtig - das Geld zu horten und "für sich selbst arbeiten zu lassen" ist nicht so einfach. Daher habe ich mich auch für das "Ausgeben" entschieden. Ich haue momentan alles Geld raus, was ich verdiene. ich beklage mich nicht, ich verdiene gut aber gehöre lange nicht zu den Top-Verdienern.

Die Zwickmühle habe ich für mich durch Kredite gelöst. Haus, Auto, Solaranlage .. alles finanziert :M Kapitalbildung betreibe ich nicht, ich lege mein geld in Sachwerte an und hoffe, dass diese im Wert steigen.
 
In Deutschland wird seit vielen Jahrzehnten Arbeit und "Fleiß" nicht wirklich belohnt, sondern eher bestraft. Es findet keine gerechte Entlohnung statt.

Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 30.432 €
Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 31.089 €
Für mich klingen rund 30.000 € nicht nach Strafe.
Welchen Lohn findest Du denn gerecht bei einer 35h Freizeitwoche eines durchschnittlichen Arbeitnehmers ?
 
Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 30.432 €
Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 31.089 €
Für mich klingen rund 30.000 € nicht nach Strafe.
Welchen Lohn findest Du denn gerecht bei einer 35h Freizeitwoche eines durchschnittlichen Arbeitnehmers ?

Die Gretchenfrage fehlt in deiner Darstellung des Durchschnittsgehalts. Wie hoch ist die prozentuale Kluft zwischen Top Gehältern (gibt es auch bei Angestellten) und derer nahe der offiziellen Armuutsgrenze. Die zweite Frage ist, wie hat sich diese Statisik aus der Gretchenfrage entwickelt ;-)

Dann kommst du auch auf die nachvollziehbare Aussage deines Forumkollegens.
 
Die Gretchenfrage fehlt in deiner Darstellung des Durchschnittsgehalts. Wie hoch ist die prozentuale Kluft zwischen Top Gehältern... und derer nahe der offiziellen Armuutsgrenze. ...

Warum sollte das die "Gretchenfrage" sein? Viel relevanter finde ich jedenfalls die - hier bereits gestellte - Frage, ob man von der eigenen Arbeit hierzulande leben kann. Zurecht wurde angeführt, dass sich Arbeit zumindest in dieser Hinsicht "lohnen" muss. Wie hoch demgegenüber die "Top-Gehälter" sind, kann für den Geringverdiener erst einmal keine Rolle spielen. Oder soll er etwa für seine Arbeit schlichtweg deshalb mehr Geld erhalten, damit die "Kluft" geringer wird? Das kann, wie gesagt, nicht funktionieren und hat auch mit der hier geforderten "Gerechtigkeit" nichts zu tun.

Unter diesen Prämissen ist es auch mehr als nachvollziehbar, wenn Chris die Frage stellt, welches Gehalt "man" bei einer lockeren Arbeitswoche eigentlich erwarten darf. ;)
 
Die Gretchenfrage war einzig auf die Darlegung der Durchschnittsgehälter bezogen. Diese sind rein überhaupt nicht Aussagekräftig ohne die Detailbetrachtung, wie diese a.) Zustande kommen b.) der prozentuale Share der Gehälter liegt.
Nicht mehr und nicht weniger. Bitte hier nichts durcheinander bringen.

Deine Frage ist ebenfalls natürlich berechtigt und ergänzt natürlich die Diskussion in Summe

Danke und Grüße aus dem Süden
 
Unter diesen Prämissen ist es auch mehr als nachvollziehbar, wenn Chris die Frage stellt, welches Gehalt "man" bei einer lockeren Arbeitswoche eigentlich erwarten darf. ;)

Ich sehe das ähnlich wie Jokin. Sobald man sich die Frage unter der Prämisse stellt, ist man bereits "verkauft".
 
Natürlich kann man hier von Arbeit leben, sogar ohne muss man weder hungern noch frieren noch an mangelnder medizinischer Versorgung leiden oder ohne Zugang zu Kultur und Bildung sein.

Da die "Armuts"definitionen aber immer relativ sind: man befindet sich so oder so weit unter dem Durchschnitt, gäbe es auch noch "Armut", wenn auch die Ärmsten goldene Wasserhähne und mindestens einen neuen Ferrari in der Garage hätten.

Reich wird man freilich nicht mit Arbeit (von Ausnahmen abgesehen) - aber auch da die Frage: was ist reich? Ebenso relativ. Zu den an materiellen Werten reichsten Menschen der Weltgeschichte gehören u.a. römische Kaiser, die hatten aber weder ein Auto, noch einen Flat-Screen-TV, sahen nie Amerika oder Australien und mussten ihre Zahn-OPs ohne Betäubung ertragen, sie schwebten in ständiger Gefahr, durch Konkurrenten ermordet zu werden. Will man als deutscher Besserverdiener oder Unternehmer mit denen tauschen?

Interessant ist dennoch zu ermitteln, wie sich das Ganze historisch verhält - konnte man mal mit Arbeit wohlhabender werden (man konnte). Und wieviele waren davon wirklich betroffen? Und wie hoch war deren Lebensstandard wirklich im Vergleich zu heute? Ich fürchte, wir stehen da heute immer noch sehr gut da ;)
 
Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 30.432 €
Durchschnittlicher Brutto-Jahresarbeitslohn je Arbeitnehmer in Deutschland 2012: 31.089 €
Für mich klingen rund 30.000 € nicht nach Strafe.
Welchen Lohn findest Du denn gerecht bei einer 35h Freizeitwoche eines durchschnittlichen Arbeitnehmers ?
Dir ist aber schon klar, dass der Durchschnitt deswegen so ausfällt, weil es unglaublich viele Menschen gibt, die weniger, teilweise viel weniger verdienen!?

Vor meiner zeit als versicherungskauffrau war ich Arzthelferin. Ein sehr stressiger Job. Ich habe 40 Stunden gearbeitet in der Woche für Netto 950€ (bis 2008). Jetzt lese ich hier mehrfach schon von Arbeit, die qualitativ weniger hochwertig ist und deswegen zu recht schlechter bezahlt wird. Ist denn meine alte Arbeit nicht hochwertig? Ich musste Röntgenbilder anfertigen, was wirklich bei manchen Aufnahmen die reine Kunst ist, wenn man die exakt richtigen Punkte treffen soll. Ich habe im Op gestanden. Teilweise bei 30 grad. Habe wunden zugenäht, Gefäße zugehalten, ich hatte sogar eine Kollegin, die war irgendwann so gut, die hat schnitte gesetzt, damit der Arzt bei der op entlastet wird. Ich habe täglich wunden kontrolliert, beurteilt, verbunden, den Patienten tipps zur wundpflege und ähnliches gegeben. Ich habe Patienten, die weit über hundert Kilo wiegen, auf die röntgenliege gelegt (ich selber wiege keine 60Kilo). Ich habe op- Besteck desinfiziert und sterilisiert, wunden gesäubert, Gipse angelegt (ebenfalls eine Kunst, die immer mehr perfektioniert werden will) und was weiß ich nicht, was ich noch alles gemacht habe. Auch viele Dinge, von denen man immer glaubt, das macht der Arzt selber. Das alles habe ich gemacht. Und glaubt mal nicht, dass du da dein Gehirn ausschaltest! Das kannst du dir gar nicht erlauben! Für 950€ netto im Monat. Und das soll jetzt gerechtfertigt sein, weil es keine qualitativ hochwertige Arbeit ist? Öhm.... Mit 22 kam der Tag, an dem ich mich entschied, mich von meinem Job zu trennen und die Ausbildung zur versicherungskauffrau anzufangen. Und siehe da, es kam nach der Ausbildung die zeit, da habe ich echt richtig Kohle verdient! Mehr als so mancher Mann. Da war ich tierisch Stolz drauf. Ich habe mich immer mehr reingehängt, wurde immer erfolgreicher. Und jetzt sechs Jahre später? Hab ich mich im alter von 28 Jahren selbst in den Born Out getrieben. Zu welchem Preis? Ich habe gutes Geld verdient. Und im Nachhinein festgestellt, wie gerne ich mal wieder einen Gips anfertigen oder ein Röntgenbild machen würde. Oft bin ich noch in meiner alten Praxis. Dort sehe ich viele traurige Gesichter bei den alten Kollegen und kann immer gar nicht verstehen, dass sie nicht toll finden, was sie da machen. Aber um das zu verstehen, muss man wohl erst da hin, wo ich gerade bin. Und den finanziellen Aspekt außer acht lassen.

Ich habe das Glück, einen tollen Freund und hoffentlich irgendwann Mann zu haben, auf den ich mich verlassen kann und der mir nicht aufbürdet, weiterhin ordentlich Kohle zu scheffeln, damit unser Haus später auch 100.000€ mehr kosten kann. Ich habe gelernt, dass Geld nicht alles ist, wenn auch auf eine nicht so schöne Art. Ich werde mir nun eine Arbeit im Innendienst suchen, von der ich weiß, dass ich dort weder Berge versetze, noch übermäßig viel Geld verdiene. Immer noch viel mehr, als die Arzthelferin. Aber viel weniger als jetzt. Aber das ist mir egal. Denn ich habe festgestellt, das Geld zwar wichtig ist und auch zum Leben dazu gehört. Aber eben nicht alles ist. Ich freue mich für jeden, der mit relativ wenig Einsatz viel Geld verdient. Aber leider schränkt das die Sicht auf die Realität sehr ein. DAS ist nicht der Standard! Der Standard endet da, wo ich auch bin. Oder als Arzthelferin finanziell war. Und das wird uns noch richtig in die scheisse bringen. Allesamt! Also einfach mal darüber nachdenken, was hier geschrieben wird von wegen, es ist immer fair, was da draußen abgeht. Ich habe beide Seiten erlebt. Es ist nie fair. Bis auf ein paar Ausnahmen, die es schaffen, ihr Geld arbeiten zu lassen. Aber das kann nicht das Ziel unserer Gesellschaft sein! Versuche reich zu werden oder Knüppel dich zu Tode, denn wenn du nicht reich geworden bist, bist du eh nichts Wert!

Mal abgesehen davon, dass hier damit das Thema völlig verfehlt wurde, denn es geht hier nicht um "wer darf viel verdienen und wer nicht?" sondern um das Thema Arbeit als solches. Und das wir uns größtenteils tatsächlich versklaven heutzutage, ist gar nicht so falsch. Das wir alle nicht um die Arbeit herum kommen, sollte doch klar seinAber geht es hier wirklich um die Abschaffung der Arbeit? Oder ist der Sinn nicht vielleicht ein ganz anderer?
 
Jeder definiert arm und Reich von seiner Sichtweise.
Arm ist ja nur eine "versuchte" berechenbare Definition.
Jemand der am Ende des Monats trotz massiven Rechnens und einteilen seines Gehaltes kaum mehr ein essen auf den Tisch bekommt wird sich als arm bezeichnen.
Obwohl er ja trotzdem zu essen hat und im Winter nicht frieren muss.
Da er aber zu essen und trinken hat und eine Unterkunft wird er schlecht als Arm bezeichnet.


Wir hier, die meistens mehr als nur einen Auto haben und jammern das der Sprit gerade einen Cent teurer ist oder die Werkstatt Rechnung von ein paar hundert Euro bezahlen können und danach noch einkaufen können, ohne uns Gedanken machen zu müssen was es morgen auf den Tisch kommt können schlecht über die Definition "Arm" urteilen.

Sind wir doch froh das es und gut geht und vergesst nie das sich alles auch schlagartig ändern kann.






Gruß Robert
 
Meiner Ansicht nach focussiert sich die Disskussion viel zu sehr auf die pekuniäre Problematik und damit einhergehende gesellschaftliche Diskrepanzen. Viel wichtiger erscheint mir die Frage ob ich mit meiner Arbeit zufrieden bin und gerne arbeite.
Es kann durchaus sein,dass der ungelernte Hilfsarbeiter sehr gerne arbeiten geht(da er durchaus einen Sinn in seiner Tätigkeit erblickt und Erfolgserlebnisse hat)und der Top Bankmanager,der Milliarden verwaltet und Millonen verdient,sich bei seiner Arbeit wie im Hamsterrad fühlt und Herzbeschwerden entwickelt.
Wer den Wert seiner Arbeit lediglich in der monatlichen Überweisung oder dem jährlichen Gewinn sieht hat von vornherein in dieser Beziehung verloren.
 
... Und das soll jetzt gerechtfertigt sein, weil es keine qualitativ hochwertige Arbeit ist? ...

Solange sich genug Leute finden, die das für das Geld machen, ist es wohl so. Denn sonst würden diese sich ja eine andere Tätigkeit suchen, die gleich schwierig und interessant ist, aber mehr abwirft. Wie du es offenbar getan hast. Ob man sich dann über die Grenze der persönlichen Leistungsfähigkeit in den Burnout begibt, wobei die Leistungsfähigkeit auch hier von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfällt, steht ebenso in der jeweils eigenen Verantwortung.

Freilich soll Arbeit auch Spaß machen, jedoch wenn man seinen Spaß in etwas findet, was wenig lukrativ ist, muss man sich darüber doch nicht beklagen. Da kann doch niemand was dafür außer man selbst.
 
@Cleomy

Meine Frau verdient seit über 20 Jahren mehr als ich....ich kann damit gut Leben.
Aber keiner arbeitet sich zu Tode ...wir könnten mit bisschen mehr Einsatz mehr als das doppelte verdienen doch brauchen wir es nicht da es uns auch so gut geht.

Dein Bericht gefällt mir.






Gruß Robert
 
@Cleomy

Meine Frau verdient seit über 20 Jahren mehr als ich....ich kann damit gut Leben.
Aber keiner arbeitet sich zu Tode ...wir könnten mit bisschen mehr Einsatz mehr als das doppelte verdienen doch brauchen wir es nicht da es uns auch so gut geht.

Dein Bericht gefällt mir.






Gruß Robert
Genau so sollte es sein!
 
Ich glaube hier ist manch einem gar nicht klar, wie sehr er vom Glück
geküsst wurde. Das fängt beim "exklusiv zahlenden" Arbeitgeber an und hört bei
sich durch die Politik veränderten Lebensumständen nicht auf.
Nicht jeder hat, auch wenn das hier behauptet wird, die Möglichkeit
sein Leben so zu seinem Vorteil zu ändern, dass es ihm in Zukunft
zu finanziell "goldenen Zeiten" reicht, als Bsp. seien hier nur Familie
und Gesundheit als mögliche Ursachen genannt.
 
Ob man sich dann über die Grenze der persönlichen Leistungsfähigkeit in den Burnout begibt, wobei die Leistungsfähigkeit auch hier von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich ausfällt, steht ebenso in der jeweils eigenen Verantwortung.

Eben! Meine momentane Situation habe ich mir ganz alleine zuzuschreiben. Ich gebe daran niemandem die Schuld. Aber getan habe ich es eben, weil ich dem Geld einfach viel zu viel Bedeutung geschenkt habe. Und das ist leider bei vielen so.

Das deshalb nicht jeder einen Born Out, eine Depression oder ähnliches bekommt, ist auch völlig klar. Jeder Mensch ist unterschiedlich leistungsfähig, bzw. versteht nicht die selben Dinge als belastend, wie der andere Mensch. Wobei man auch nicht außer Acht lassen darf, dass der eine Mensch in seinem privaten Umfeld vielleicht noch mehr psychische Belastung aushalten muss, als der andere. Und der andere kann dann eine belastende Arbeit viel besser wegstecken, als der, der auf der Arbeit im """" und zu Hause in die Traufe kommt (in der Regel, ohne dass es ihm bewusst ist) Das Problem ist einfach, dass man in der Regel einfach gar nicht merkt, wie sehr man schon belastet ist, weil man das Ziel Geld oder auch andere Ziele so groß vor Augen hat, dass man die Anzeichen gar nicht merkt! Hätte mir mein Rücken nicht Alarm geschlagen, würde ich immer noch ordentlich ranklotzen, bis nichts mehr geht und mit Pech vielleicht in eine schwere Depression fallen. Ich bin noch in einem ganz frühen Stadium! Gott sei Dank!

Und die Aussage, dass man einen schlecht bezahlten Job ja einfach nicht machen muss, lasse ich so nicht gelten. Wo willst du denn hingehen, wenn du dir ein Bein brichst? Wenn alle Arzthelferinnen (und auch andere berufe) morgen ihre Arbeit niederlegen , weil sie über nacht beschlossen haben, an der Börse zu spekulieren und reich zu werden. Eigentlich müsste genau das einmal passieren. Damit die Menschen mal wieder verstehen, wie unverzichtbar viele dieser Berufe sind!

Das ist genau wie mit der Quälerei der masttiere. Wir sehen das im fernsehen, """" uns auf über die Bauern auf und gehen dann erstmal schön bei Aldi die putenbrust kaufen. Frei nach dem Motto, es ist ja nicht meine Schuld, dass die Puten gequält werden. Wenn es morgen keine Puten mehr gibt? Dann schreien sie alle nach dem billigen Fleisch und am Ende sind den Menschen die Tiere Scheissegal! Es ist einfach nur noch ekelhaft, dass alles auf den schwachen ausgelassen wird. Und das ist und bleibt meine Meinung, und das war es schon, als ich noch erfolgreich viel Geld verdient habe. Weil ich die andere Seite kennen gelernt habe!!!
 
Eben! Meine momentane Situation habe ich mir ganz alleine zuzuschreiben. Ich gebe daran niemandem die Schuld.
Öhm ... also ich würde es ein bisschen anders sehen - Du hast Deine eigene Situation aktiv geändert ... das ist doch genau das, was cih für "normal" halte und was jeder Mensch tun sollte.

Und die Aussage, dass man einen schlecht bezahlten Job ja einfach nicht machen muss, lasse ich so nicht gelten. Wo willst du denn hingehen, wenn du dir ein Bein brichst? Wenn alle Arzthelferinnen (und auch andere berufe) morgen ihre Arbeit niederlegen , weil sie über nacht beschlossen haben, an der Börse zu spekulieren und reich zu werden. Eigentlich müsste genau das einmal passieren. Damit die Menschen mal wieder verstehen, wie unverzichtbar viele dieser Berufe sind!
Zweifelsfrei gibt es sehr viele unverzichtbare Berufe, diese sollten natürlich nicht "unter Wert" entlohnt werden. Sie werden es jedoch solange die Arbeitenden nicht für ihr Einkommen kämpfen.

Entweder Zeichen setzen und in den Streik gehen (das machen erstaunlich viele männliche Arbeitnehmer) oder den Job wechseln wie Du.
Streikende Arzthelferinnen hab ich noch nicht erlebt. Auch keine streikenden Frisörinnen oder Verkäuferinnen oder Physiotherapeutinnen.

Ich sehe hier kein Problem der "gerechten Entlohnung" sondern eher so ein Mann-Frau-Ding der "Unterdrückung/Unterwerfung" (das lässt sich aus verschiedenen Perspektiven sehen, beide enden in Unzufriedenheit "der Frau".


Das ist genau wie mit der Quälerei der masttiere. Wir sehen das im fernsehen, """" uns auf über die Bauern auf und gehen dann erstmal schön bei Aldi die putenbrust kaufen. Frei nach dem Motto, es ist ja nicht meine Schuld, dass die Puten gequält werden. Wenn es morgen keine Puten mehr gibt? Dann schreien sie alle nach dem billigen Fleisch und am Ende sind den Menschen die Tiere Scheissegal! Es ist einfach nur noch ekelhaft, dass alles auf den schwachen ausgelassen wird. Und das ist und bleibt meine Meinung, und das war es schon, als ich noch erfolgreich viel Geld verdient habe. Weil ich die andere Seite kennen gelernt habe!!!
Ich gehe mal ein Schrit weiter ...
... wenn die Gesundheitsämter aufhören würden die Mastbetriebe frei von Giften (antibiotika, etc.) zu halten und eher nur öffentlich drüber reden würden was daso alles drin ist, dann reguliert sich das Ganze von ganz allein, weil die Kunden lieber gesundes Fleisch kaufen.

Den Kunden ist im Edeffekt egal wie glücklich ein Tier ist, solange es für ihn nicht gesundheitsgefährdend ist.

Übrigens drücke ich Dir die Daumen, dass Du Deine persönlichen Ziele erreichst :t :t ... auf geht's!
 
Öhm ... also ich würde es ein bisschen anders sehen - Du hast Deine eigene Situation aktiv geändert ... das ist doch genau das, was cih für "normal" halte und was jeder Mensch tun sollte.


Zweifelsfrei gibt es sehr viele unverzichtbare Berufe, diese sollten natürlich nicht "unter Wert" entlohnt werden. Sie werden es jedoch solange die Arbeitenden nicht für ihr Einkommen kämpfen.

Entweder Zeichen setzen und in den Streik gehen (das machen erstaunlich viele männliche Arbeitnehmer) oder den Job wechseln wie Du.
Streikende Arzthelferinnen hab ich noch nicht erlebt. Auch keine streikenden Frisörinnen oder Verkäuferinnen oder Physiotherapeutinnen.

Ich sehe hier kein Problem der "gerechten Entlohnung" sondern eher so ein Mann-Frau-Ding der "Unterdrückung/Unterwerfung" (das lässt sich aus verschiedenen Perspektiven sehen, beide enden in Unzufriedenheit "der Frau".



Ich gehe mal ein Schrit weiter ...
... wenn die Gesundheitsämter aufhören würden die Mastbetriebe frei von Giften (antibiotika, etc.) zu halten und eher nur öffentlich drüber reden würden was daso alles drin ist, dann reguliert sich das Ganze von ganz allein, weil die Kunden lieber gesundes Fleisch kaufen.

Den Kunden ist im Edeffekt egal wie glücklich ein Tier ist, solange es für ihn nicht gesundheitsgefährdend ist.

Übrigens drücke ich Dir die Daumen, dass Du Deine persönlichen Ziele erreichst :t :t ... auf geht's!
Mein kurzfristiges Ziel ist, dass ich morgen ein Top gegrilltes Steak von Dir bekomme :D
 
Ich kenne ein paar OP Schwestern (wie nennt man die eigentlich?) und auch Arzthelferinnen. Da ist jedoch keine dabei, die auch nur im Ansatz nur den oben genannten Betrag "verdient".
Mir ist natürlich völlig klar, das es in unserem Land auch Festangestellte mit 1500 € brutto gibt.
Gerade im Moment habe ich den Fall innerfamiliär, dass ein normaler Arbeiter mit Schulabschluss Realschule nach seiner Lehre mit nun 19 Jahren vom Arbeitgeber übernommen wird.
Einstiegsgehalt ist 2.400 €, 13tes Monatsgehalt wird in einen Pensionsfond gezahlt und ab dem 5ten Gesellenjahr bekommt er die gleiche Gewinnbeteiligung wie jeder in der Firma.
Wenn ich mir zudem die ganzen Freds durchlese, was wer wieder ach so tolles für sein (dann wohl schmerzlich erwirtschaftetes) Auto gekauft hat, muss ich oft nicht nur innerlich schmunzeln.
Hier wird scheinbar auf dem Gerüst stehend gejammert. Dann kann ich auch gut nachvollziehen, wie "hart" dann für jeden € gearbeitet wurde.
 
Zurück
Oben Unten