Wenn ich einen Beitrag von Michael vor einiger Zeit richtig in Erinnerung habe, dann ist er sehr engagiert in der medizinischen Erforschung schwerwiegender Erkrankungen tätig. Ein bisschen Input dazu könnte - wie Jan oben schreibt - in der Tat nicht schaden, auch wenn das sicherlich zu einer sehr kontroversen Diskussion führen wird.
Gruß
Kai
... kontrovers soll sie ja auch sein - ich hoffe es tummeln sich nur wenig Soziopathen unter uns, so dass es dann auch entsprechend "niveauvoll" diskutiert wird.
Es ist richtig, wie Kai sagt, dass ich - und das durchaus mit Leidenschaft - in der medizinischen Forschung schwerer Erkrankungen arbeite.
Das Problem ist, und hier hätte ich gleich etwas mehr einführen müssen, dass Tübingen, die "Tierversuchsstadt Tübingen" (ein Aufkleber, den ich jeden Tag irgendwo in der Stadt sehe), ein Pulverfass geworden ist. Mit nun doch schon sehr großem und explosivem Umfang. Hier werden keine Diskussionen geführt, sondern hier wird massiv gedroht. OB Palmer wird heftigst angegangen. Es wird mit beinahe ALLEN Mitteln versucht, Tierversuche als solches und im Speziellen an höheren Säugetieren zu unterbinden. Und ich persönlich muss in Tübingen stark aufpassen wem ich was sage. Was schade ist, denn viele Forscherkollegen und ich versuchen bereits vieles, um Tierversuche a) zu minimieren und b) Schmerzen oder Unwohlsein soweit es geht zu vermeiden. Weit über die - ohnehin schon strengen Auflagen! - hinaus.
Der Artikel zeigt, wie eine ganze Stadt abgestempelt wird, weil dort Primatenversuche durchgeführt werden. (die zehntausende Mäuseversuche interessieren da weniger, es ist deutlich medienwirksamer, wenn Menschen-nahe Spezies bei Versuchen (Filme, die wer weiß wo gedreht wurden; Bilder, die wer weiß wo geschossen wurden) gezeigt werden - eine starke Verzerrung der Wirklichkeit)
Die immer wiedergekauten Argumente lullen einen Teil der Bevölkerung ein. Halbwahrheiten werden verdreht zurückgeschossen: natürlich führt nicht jeder Tierversuch zu einem Wundermedikament. Daraus wird: "Tierversuche funktionieren nicht, sind sinnlos" - anstatt "ein Teil der Tierversuche führt zu Medikamenten, die das Leiden bestimmter Menschen verringern - und ja, ein Teil der Tierversuche führt zu keinem verwertbaren Ergebnis". Natürlich kann man für bestimmte (!) Anwendungen auch in vitro Versuche durchführen. WIRD man auch, da es deutlich kostengünstiger ist. Aber ein Großteil medizinischer Versuche, die zu therapeutischen oder gar heilenden Medikamenten oder Behandlungen führen können, sind nicht in vitro nachstellbar. Im Gegenteil, in vitro kommen zum Teil gegenteilige Sachverhalte zu Tage, und im Zweifesfall *muss* man dann schon auf in vivo Ergebnisse vertrauen, die immerhin in einem hoch-komplexem System (Maus, Ratte, bis zu Primaten) abgebildet wurden.
Es ist nicht gut, wenn keine klaren und fairen Diskussionen zustande kommen. Die Menschen misinformiert werden. Wissenschaftler schweigen, weil sie Angst haben. Nicht um ihr Renomée; das ist meist ohnehin nur auf die Wissenschaftlerriege beschränkt; sondern um ihr Leben.