Servus zusammen,
hier mal nun mein Fahrbericht über den i8.
Für den Einstieg wurde ich vom Besitzer / Verkäufer eigens eingewiesen. Flügeltür auf (geht sehr schön und mit wenig Kraft), dann den Hintern auf den Schweller setzen, dann rückwärts in den Sitz rutschen, dann erst die Beine verstauen. Der Schweller ist rekordverdächtig hoch. Die Kampfspuren im Interieur beweisen, dass es kaum möglich ist, die Schuhe ohne Einschläge ins Auto zu bekommen. Der Ausstieg ist noch etwas unwürdiger. Kein Auto für den großen Auftritt vor der Eisdiele oder sonst wo.
Aber wenn man einmal sitzt, ist es doch sehr bequem. Die "Schalensitze" haben eine Art Zwangs-Lorddosenstütze, die mir nicht richtig zusagt haben. Das Interieur sieht sehr edel und sportlich aus. Bei näherem Hinsehen bemerkt man allerdings ein paar Stellen, die nur mäßig hochwertig aussehen. Der Gesamteindruck ist aber top, in dem Auto könnte ich mich absolut wohlfühlen.
Der Wagen war Vollgeladen, was 29 km entspricht. Über den Tag sinkt das im Vollautomatikmodus konstant ab, aber der Verbrenner und die Rückgewinnung speisen auch immer etwas ein.
Die Bedienung ist eigentlich wie beim Porsche gewohnt, ganz stressfrei.
Rein elektrisch rangieren und losfahren hat was. Man genießt die Stille. Der Elektromotor ist beim Fahren sehr gut, beim Rangieren manchmal etwas schwierig dosierbar. Es wird eine Wandlerautomatik mit Kriechen simuliert, allerdings etwas ruckartig. Höchstgeschwindigkeit im reinen Elektromodus ist 123 km h.
Im Normalmodus wird der Verbrenner dauernd ein- und ausgeschaltet. Das geht enorm elegant vonstatten. Die Übergänge sind nicht spür- und kaum hörbar. Sehr beeindruckend, da steckt viel Aufwand hinter. Im Normalmodus gibt es keinem Drehzahlmesser. Man wird also optisch auch nicht informiert, ob der Verbrenner grad läuft. Das sieht man nur im Energieflussdiagramm unter Fahrzeuginfo. Ich hab auch keine Temperaturanzeige gefunden.
In reinen Elektromodus läuft der Verbrenner natürlich nie, außer bei Kickdown. Der Wagen ist damit nicht schwächlich, aber der berühmte Elektropunch beim Anfahren stellt sich auch nicht ein. Der Elektromotor wirkt auf die Vorderräder, was zu sehr leichten Traktionsproblemen führen kann. Kann man mit leben.
Im Sportmodus taucht dann ein Drehzahlmesser auf und der Verbrenner läuft konstant. Der Wagen macht dann recht viel Spaß. Er hängt allgemein ziemlich gut am Gas, trotz des hoch aufgeladenen kleinen Motors. Der Elektromotor kaschiert das Turboloch sehr gut. Ich würde mal sagen, die Fahrleistungen wirken wie ein non-S Carrera. Soundmäßig passiert recht viel, der Verbrenner klingt sehr schön. Nach einen gut klingenden, großen Saugmotor. Vermutlich fast vollständig aus dem Lautsprecher.
Das Fahrwerk ist überraschend hart. Die Lenkung ist sehr direkt und leichtgängig. Ich fand sie gut, sie hat aber nicht jedem gefallen.
Ich bin auf meiner Normrunde (100km zur Arbeit und zurück) mit 6,3 l /100 ausgekommen, ohne mich irgendwie verstellt zu haben. Der Porsche hätte da 12-13 genommen. Das passt also. Sehr faszinierend: wenn man im Stop and Go die Bremse vermeidet, kommt man fast gratis voran. Auch nach langen Staus hat man so noch fast die gleiche Akku- und Benzinreichweite. Generator und Elektromotormodus scheinen einen sehr guten Wirkungsgrad zu haben.
Der Wagen hat definitiv seinen Reiz. Man muss ihn allerdings als wunderschönes Öko-Auto ansehen. Nicht als Sportwagen. Das führt nur zu Enttäuschungen. Der Wagen untersteuert allgemein recht stark. Und die Reifen quietschen allgemein ziemlich viel. In Kreisverkehr muss man schon mal an Kojak-Folgen aus den 70ern denken. Das liegt vermutlich an den schmalen Reifen. Evtl. sind die als Energiesparreifen ausgelegt.
Das Exterieur finde ich persönlich wunderschön und futuristisch. Die Karosserie ist komplett aus Kunststoff, macht also beim näheren Hinsehen nicht den ultimativ hochwertigen Eindruck. Einige Details sind auch nicht 100% elegant. Das muss man wohl durchgehen lassen zu Gunsten der Gewichtsreduzierung. Man kann z.B. von oben direkt auf den Kühlerlüfter gucken. Die Abdeckleisten auf den Schwellern sind etwas lieblos montiert, der Zugang zum "Motor" durch den Kofferraum ist etwas läppisch gemacht. Kann man aber mit leben.
Überraschenderweise reagiert die Umgebung entweder neugierig oder negativ auf den Wagen. Nicht wirklich positiv. Einige Autofahrer haben aktiv versucht, mich zu ärgern, ohne irgendwelchen Anlass. Sehr seltsam und evtl. Zufall. Das ist mir im Porsche kaum so passiert. Da sieht man auch immer mal Daumen nach oben oder Handykameras.
Der Wagen ist sehr breit. Mit Spiegeln 2,20 m, also nicht mehr für die linke Spur in Autobahnbaustellen geeignet. Im Porsche kein Problem. Ich wollte auch unbedingt in meiner eher engen Einzelgarage ausprobiert haben, ob die Tür aufgeht. Das ist aber kein Problem. Alles ist aber viel knapper als mit dem Porsche. Etwas überraschend ist die Länge. Die Rücksitze hätte man sich evtl. sparen sollen. Auch für Kinder sind die kaum tauglich. Da man nicht wie im Porsche die Lehne als Ladefläche nach unten klappen kann (ich hab es zumindest nicht geschafft), sind sie auch als Stauraum kaum zu nutzen, da man die Sitzflächen beschädigen würde.
Ich habe einige Leute fahren lassen. Insgesamt sind die Meinungen ziemlich geteilt. Bei manchen gingen die Meinungen ziemlich auseinander. Zwischen völlig begeistert und "geht gar nicht" gab es alles.
Wichtig ist die Einstellung zum Auto. Wer einen harten Sportwagen zum Kurvenräubern sucht oder eine Autobahngranate, liegt mit dem Auto falsch. Das ist eher ein Öko-Auto für Ästheten. Ich kann mich sehr gut da rein leben. Man muss sich für die Technik interessieren und sie auch zu würdigen wissen. Man muss die Optik mögen. Man muss das ganze Konzept einfach mögen. Ist sicher ein Auto für eine schmale Zielgruppe.
Aber ich mag ihn. Ich hab diesen Tag sehr genossen und man muss halt mit den passenden Erwartungen an ihn herangehen und das werde ich auch so machen
