Haben wir zuviele Autos?

Marlon

macht Rennlizenz
Registriert
26 Mai 2012
Ort
Taunus
Wagen
BMW Z4 e85 M roadster
Es wird in den Medien ja immer wieder verbreitet, dass wir zuviele Autos hätten und Autos Platz zugunsten der Radfahrer etc. abgeben sollen. U.a. in diesem Artikel vom Spiegel heißt es wieder:

Knie: Es geht nicht um den Platz, wir haben zu viele Autos. Es gibt fast 48 Millionen Pkw in Deutschland, wir können also alle in unsere Autos einsteigen und wären maximal zu zweit im Wagen. Das ist viel zu viel. Es ist besser und gerechter, die Zahl der Autos zu reduzieren.
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Knie: Es muss zuerst mal die Einsicht da sein, dass wir zu viele Autos haben. Das muss die Grundlinie der Politik sein. Danach sollte man die Anzahl der Autos senken und sie effizienter besetzen.
Quelle

Ich denke nicht, dass wir grundsätzlich zuviele Autos in Deutschland haben. Noch leben wir in einer Planwirtschaft, in der die Politik entscheiden sollte was zuviel oder zuwenig ist. Erst wenn es brauchbare Alternativen gibt, werden Menschen freiwillig auf Ihr Auto verzichten. Auf dem Land wird das vermutlich nie der Fall sein (da unwirtschaftlich).

Vielleicht bezieht sich dieser Herr Knie auf Berlin wenn von Deutschland spricht und dort gibt es zuwenig Platz für die vorhande Anzahl an Autos. Aber ist das dann nicht auch eher dem fehlendem Weitblick in der Verkehrsplanung geschuldet? Man hätte ja vorher wissen können, dass statistisch auf 2 Einwohner ein Auto kommt.

Habe grade keine Lust irgendwelche Zahlen nachzuschlagen, vermute allerdings, dass in den 48 Millionen Pkws auch die Saisonzulassungen enthalten sind. Daher werden so Personen wie ich, die im Sommer ein anderes Autos als im Winter fahren vermutlich mit 2 Autos pro Person erfasst 8-) (Obwohl eins der Autos immer auf einem privaten Stellplatz steht und daher keinen öffentlichen Parkraum verbraucht).

Auch sollte man dieses Thema vielleicht mal etwas differenzierter betrachten, wenn man von Deutschland spricht und nicht nur aus der Sicht des Großstadtmenschens, der mit den Öffentlichen bequem überall hinkommt.

Knie: Es muss eine flächendeckende Parkraumbewirtschaftung her. Das eigene Auto abzustellen muss zehn bis 15 Euro pro Tag kosten, egal ob man vor Ort wohnt oder nicht. Denn die Attraktivität des Autos besteht nur darin, dass man es überall kostenlos, beziehungsweise zu Lasten anderer, abstellen kann.
Quelle

Interessant sind auch immer diese Vorschläge bzw. Forderungen. :whistle: 450 EUR im Monat für einen Parkpatz an der Straße?! &: Hier kosten einfache private Stellplätze 30 EUR pro Monat und abschließbare Einzelgaragen um die 100 EUR. Und das in der Nähe einer Großstadt...

Ich bin ja grundsätzlich dafür, neue Radwege zu bauen; Vorallem neben Landstraßen, da dort für gewöhnlich ausreichend Platz ist und einige Landstraßen für Radfahrer echt gefährlich sind. Aber Straßen zu Radwegen umzufunktionieren oder Parkplätze zu entfernen kann ja auch irgendwie nicht die Lösung sein. Zumindest nicht, wenn man den Autoverkehr nicht vernünftig (z.B. via Tunnel) umleiten kann.

Wie seht Ihr das? Was ist eure Meinung zu diesen Aussagen?
 
Vor 10 Jahren hats geheissen bis zu 80 Km pendeln zum Arbeitsplatz wäre zumutbar, heute heisst es zu viele Pkws.......in weiteren 10 Jahren heissts zu viel Elektrosmog wegen zu viel Elektro Pkws. Immer schön den Lobbyisten alles recht machen.
 
Frage wie viele von den 48 Mio. PKW´s sind gleichzeitig auf der Straße?
Bei mir stehen 2 von den angeblich 48 Mio. mehr in der Garage als dass sie bewegt werden! Im übrigen habe ich auch zwei Fahrräder und bekanntlicher Weise kann ich nicht Rad- und Autofahren zugleich, oder?
Für mich wird zu viel Fracht auf der Straße transportiert an statt auf der Schiene - hat der Herr Knie hierzu auch eine Statistik?

Ja, wir haben sicherlich Probleme mit dem Verkehrsraum, nur leider wird hier wie immer Einflussnahme auf die ausgeübt, die keine Lobby in den Gremien haben!
 
.......in weiteren 10 Jahren heissts zu viel Elektrosmog wegen zu viel Elektro Pkws.


Der war richtig gut! :12thumbsu

Ich habe da so einen Esoteriker (heißen die so?) in der Kundschaft.
Der bekommt Herzflattern, wenn er unter einer Hochspannungsleitung durchläuft oder über unterirdische Wasseradern.
Den werde ich mal in den nächsten Tagen mit dieser These konfrontieren.
 
Für mich wird zu viel Fracht auf der Straße transportiert an statt auf der Schiene - hat der Herr Knie hierzu auch eine Statistik?
Das sind die Gewerkschaften schuld, die haben die Bahn immer wieder bestreikt, ohne nachzudenken. Da sind viele Firmen abgesprungen. So auch meine. Wir haben seit ewigen Zeiten sehr viel über die Bahn transportiert. Wir haben einen großen Bahnhof im Betrieb, wo die Züge ein und ausfuhren.
Immer wieder ging nix mehr und wir bekamen immer wieder Lieferprobleme. Die Paletten stapelten sich, die Silowagons standen sich die Räder platt. Das ging so nicht weiter.
So haben wir komplett auf Lkw umgestellt und das sind weit über 100 jeden Tag.
Nichts gegen Gewerkschaften, die müssen sein um Lohnforderungen durchzusetzen, so auch meine, aber die haben nicht überlegt was sie dem Betrieb damit antun und letztendlich Arbeitsplätze zerstört.
 
Wahnsinn ... Herr Prof. Knie stellt ein mögliches Szenario einer Verkehrswende dar und einige lassen sich sofort triggern:
“Bähhh, Grüne“, “Bäh, Straßen werden zu Radwegen“, “Bäh, Berlin ist nicht ganz Deutschland“, “Bäh, zu viele Politiker“

Eventuell lese ich Artikel sachlicher oder denke abstrakter, um mögliche Gegenargumente zu den Aussagen Prof. Knies darlegen zu können.
 
So uninteressant sind die Gedanken nicht. Nehmen wir doch mal Tokio als Beispiel. Hier darf sich nur jemand ein Auto kaufen, der einen eigenen Parkplatz nachweisen kann. Im Gegenzug ist der Nahverkehr lächerlich preiswert, unkompliziert und pünktlich. Das gleiche glit für den Fernverkehr. Wer würde z.B. die 400km nach Kyoto mit dem Auto fahren, wenn der Shinkansen dafür nur 2-3h braucht und im 20 Minuten Takt fährt? Ich habe in den 14 Tagen in Japan nirgendwo ein Auto gebraucht. Und ich war landesweit unterwegs. Dafür ist Tokio sehr sauber und die Luftqualität für eine Großstadt mit ca. 38 Mio Einwohnern.
Ich finde man kann schon darüber nachdenken, ob das zumindestens im Ansatz nicht ein Gedanke sein könnte, der auch unsere Strassen entlastet. Ja, dann wird das Auto für jeden von uns teurer. Aber so lange die Regionalbahn, mit der ich auch auf Arbeit fahren könnte, teurer ist als mit dem Auto zu fahren und auch noch mehr Zeit braucht.... so wird das nix.
 
Ja, der Meinung bin ich absolut. Vor allem in Deutschland, zu viele und zu große Autos. Ich kann mir durchaus vorstellen dass motorisierter Individualverkehr ein teurer Luxus wird, den ich mir gerne leiste und für den Rest mit öffentlichen Verkehrsmittel und Fahrrad erledige. Die Infrastruktur dafür muss dann halt auch bereitstehen.

Leider will man in Deutschland nichts wissen von Mobilitätskonzepten außerhalb der eigenen zwei oder vier Räder, weder auf Verbraucher- noch auf Entscheiderebene.
 
...Leider will man in Deutschland nichts wissen von Mobilitätskonzepten außerhalb der eigenen ... vier Räder, weder auf Verbraucher- noch auf Entscheiderebene.
Gut so! :t

Aber wer möchte, kann herzlich gerne sein Auto abschaffen. Vielleicht wird's dann nicht nur auf den Straßen etwas leerer, sondern sogar auch auf den hiesigen Rennstrecken. %:
 
Gut so! :t

Aber wer möchte, kann herzlich gerne sein Auto abschaffen. Vielleicht wird's dann nicht nur auf den Straßen etwas leerer, sondern sogar auch auf den hiesigen Rennstrecken. %:
Du hast mich völlig falsch verstanden. Ich möchte keineswegs das Auto abschaffen oder irgendjemanden wegnehmen wollen. Dass es keinen Sinn macht jeden Einzelnen in eine 1.5t schweren Blechkiste rein zu Transportzwecken zu stecken sollte jedoch wohl langsam jedem einleuchten. Was ich mir vorstellen kann ist den Massentransport vom Einzelmobil weg zu kriegen - das schafft einen Großteil der Autos von der Straße. Dann ist auch der Weg wieder frei für Autos ohne knüppelharte Abgasnormen, Downsizing etc. Verstehst du was ich meine? Momentan ist man fast zum eigenen Auto gezwungen. Stell dir vor ein öffentliches Verkehrsnetz wäre brauchbar und es würden nur noch Leute selbst fahren die es wirklich wollen.
 
Das sind die Gewerkschaften schuld, die haben die Bahn immer wieder bestreikt, ohne nachzudenken. Da sind viele Firmen abgesprungen. So auch meine. Wir haben seit ewigen Zeiten sehr viel über die Bahn transportiert. Wir haben einen großen Bahnhof im Betrieb, wo die Züge ein und ausfuhren.
Immer wieder ging nix mehr und wir bekamen immer wieder Lieferprobleme. Die Paletten stapelten sich, die Silowagons standen sich die Räder platt. Das ging so nicht weiter.
So haben wir komplett auf Lkw umgestellt und das sind weit über 100 jeden Tag.
Nichts gegen Gewerkschaften, die müssen sein um Lohnforderungen durchzusetzen, so auch meine, aber die haben nicht überlegt was sie dem Betrieb damit antun und letztendlich Arbeitsplätze zerstört.
Die Gewerkschaften sind schuld?

Hier nur ein kleiner Ausschnitt, was die Privatisierung der Bahn gebracht hat:

"Betrachtet man – wie in der Tabelle dargestellt – die objektive Bilanz des Bahnchefs Heinz Dürr, dann fällt diese deutlich negativ und über weite Strecken verheerend aus. Das Schienennetz wurde in dessen Amtszeit um knapp 10 Prozent, die Gleislänge um 16 Prozent, die Zahl der Weichen um 35 Prozent abgebaut. Die Zahl der Gleisanschlüsse – eine wichtige Struktur, um den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen – wurde sogar von 15.000 auf 7500 halbiert. Allein mit diesem letztgenannten Infrastrukturabbau wurde der Lkw-Verkehr massiv befördert und dem Daimler-Konzern als dem weltweit größten Lkw-Hersteller erhebliche Aufträge zugeschanzt."
Quelle: NDS

Eher die angepriesenen "Super-Manager".

Ist wie immer nicht persönlich und hab nen schönen Tag :)
 
Also bei uns auf dem Land fährt 2x am Tag der Bus, der braucht dann gute 45 Minuten in die nächst größere Stadt ( größere, nicht Großstadt ). Von da an dann nochmal mit dem Zug gut 30-40 Minuten in die Großstadt. Wenn ich da die täglichen Verspätungen und Ausfälle mit einrechne bin ich bei einer Fahrtzeit von gut 2 Stunden. In der Regel umgeben von Menschen die ich nicht in meiner Nähe haben möchte ( weil sie keinen Anstand haben, keine Körperhygiene haben, schreiende kleine Kinder deren Eltern mit erziehung überfordert sind, oder was auch immer ), dazu gebunden an Fahrpläne die man eher als Abfahrtsempfehlung werten kann.

Sollen sie in der Stadt mal alle Rad fahren, mir als Landbewohner bleibt garnichts anderes übrig. Und wenn ich mir dann noch anschaue das so langam eine starke Landflucht einsetzt ( weil die Mieten / Immobilienpreise einfach unverschämt geworden sind oder sich die Menschen einfach nur vor den Ghettos die in so manchen Städen entstehen in Sicherheit bringen wollen ), wie bitte soll das denn funktionieren?

Man könnte überlegen ob man Unternehmen nicht das Land schmackhaft macht mit Steuervergünstigungen oder was auch immer, aber halt, das geht ja auch nicht da sie hier nur einen lächerlichen 16k DSL Anschluss bekommen.

Ich schweife ab :D

Ja wir haben zuviele Autos, eine Alternative dazu ist aber auch lange nicht in Sicht.
 
So uninteressant sind die Gedanken nicht. Nehmen wir doch mal Tokio als Beispiel. Hier darf sich nur jemand ein Auto kaufen, der einen eigenen Parkplatz nachweisen kann. Im Gegenzug ist der Nahverkehr lächerlich preiswert, unkompliziert und pünktlich. Das gleiche glit für den Fernverkehr. Wer würde z.B. die 400km nach Kyoto mit dem Auto fahren, wenn der Shinkansen dafür nur 2-3h braucht und im 20 Minuten Takt fährt? Ich habe in den 14 Tagen in Japan nirgendwo ein Auto gebraucht. Und ich war landesweit unterwegs. Dafür ist Tokio sehr sauber und die Luftqualität für eine Großstadt mit ca. 38 Mio Einwohnern.
Ich finde man kann schon darüber nachdenken, ob das zumindestens im Ansatz nicht ein Gedanke sein könnte, der auch unsere Strassen entlastet. Ja, dann wird das Auto für jeden von uns teurer. Aber so lange die Regionalbahn, mit der ich auch auf Arbeit fahren könnte, teurer ist als mit dem Auto zu fahren und auch noch mehr Zeit braucht.... so wird das nix.

Die Frage ist doch viel mehr, ob man 10 Mio Städte wie Tokio oder Seoul, mit deutschen Städten (die ja doch wesentlich kleiner sind) vergleichen kann. Auch ob man ein Flächenland wie Deutschland (ca. 232 Einwohner pro km² ) mit einem Land wie Japan (337 Einwohn pro km² ) oder Korea (513 Einwohner pro km²) oder Taiwan (651 Einwohn pro km²) vergleichen kann. (Zahlen von Wikipedia)
Andere Lebensumstände erfordern andere Mobilitätskonzepte.

Ich war bereits selbst in Südkorea (u.a. Seoul) und Taiwan (u.a. Hsinchu, Taipei, Taichung). Auch wenn ich prinzipiell der Aussage zustimmen würde, dass in diesen Asiatischen Ländern der Fernverkehr via Schnellzug deutlich besser funktioniert als bei uns (e.g. auf die Minute pünktlich) & dabei gleichzeitig deutlich günstiger ist - würde ich der These widersprechen das man in diesen Ländern generell kein Auto benötigt. Angehörige von mir, die in Taiwai leben, sagen selbst, dass man dort für viele Strecken (gerade außerhalb der Metropolen) dennoch ein Auto benötigt.

Letztlich ist es doch so, dort wo es brauchbare Alternativen gibt, werden sie auch genutzt. Also bevor unsere Politiker Forderungen stellen, sollen sie erstmal etwas liefern :D
Wenn das Auto tatsächlich so schlecht ist wie alle behaupten, warum hat es sich dann als Lösung durchgesetzt? :whistle:
 
Für mich wird zu viel Fracht auf der Straße transportiert an statt auf der Schiene - hat der Herr Knie hierzu auch eine Statistik?
Irgendwo hieß es neulich, dass die Schiene schon jetzt mehr oder weniger voll ausgelastet ist. Zumindest nachts. Tags vermutlich auch, da stören ja die ganzen Personenzüge noch viel mehr. Hab leider keine Quelle dazu.
 
Die Frage ist doch viel mehr, ob man 10 Mio Städte wie Tokio oder Seoul, mit deutschen Städten (die ja doch wesentlich kleiner sind) vergleichen kann.
Nein, dass ist nicht die Frage. Warum sollte man in unseren Großstädten nicht ein gleiches System etablieren können? Ich sprach ja nicht vom Land, wo das Auto meist schlicht eine Notwendigkeit ist. Auch in unseren Ballungszentren würde ein pünktlicher und preiswerter Nahverkehr Vorteile bieten. Ebenso eine pünktliche und schnelle Fernverbindung zwischen den Ballungszentren.
 
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