Man(n) das muss doch nicht wirklich sein...

Die Schuldfrage ist zweitrangig bei den hier besprochenen Motorradunfällen. Du selbst als Biker trägst die gesundheitlichen Konsequenzen und mitunter bleibende Schäden und deine Angehörigen das Leid im tragischsten Fall.
Mich stört die mediale Berichterstattung auch, sogar im Bekanntenkreis schwang immer so ein bisschen ein mitleidiger Unterton im Sinne "Armer Irrer" und "selbst schuld, wenn du dir den Kragen abfährst" mit.
Bikerkollegen, die für mein Empfinden zu riskant und provokativ unterwegs waren, habe ich das immer sehr deutlich ins Gesicht gesagt, was ich von ihrer Fahrweise halte. Sie diskreditieren damit alle Biker und schaden auch den "Vernünftigen".
 
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Wird die Fußgängerin Hannelore an der Ampel von einem 40 Tonner im toten Winkel erfasst - wo steht dann "...sie hätte ja damit rechnen müssen...."?

"Toter Winkel" lernen sogar Kindergarten-Kinder heute im praktischen Verkehrsunterricht, wenn er denn auch stattfindet und ausnahmsweise mal Geld für so etwas da ist!.
Ich habe da sogar schon ehrenamtlich "mitgemischt"! Von (vernünftigen und klar denkenden) Erwachsenen kann ich das doch dann erst recht erwarten, dass man sich mehrfach absichert und sich vorstellen kann, dass man von einem LKW-Fahrer möglicherweise nicht gesehen wird.

Wird ein Radfahrer bei einem beliebigen Verkehrsverstoß von einem Auto getroffen - auch hier weniger Schadenfreude denn der Ruf nach besseren Fahrradwegen bei gleichzeitigem Hinweis auf den ohnehin ökologisch fragwürdigen und moralisch zu verdammenden Motorverkehr...

Die Fahrradfahrer hatte ich in meiner Aufzählung glatt vergessen! Ein schrecklicher Haufen Ignoranten.
Ich bin es nicht gewohnt, dass es bei uns auf dem Land Fahrradwege gibt.
Kürzlich in Bremerhaven habe ich folglich beim Rechtsabbiegen nicht auf den Radweg geachtet und plötzlich hatte ich einen Radfahrer vor mir, passiert ist glücklicherweise nichts und wenn doch, wäre ich natürlich rechtlich schuld gewesen.
Der Radler brüllte mir noch entgegen "Du Idiot, ich hatte Vorfahrt!"
Ich habe noch einen Moment überlegt, ob sich diese Aussage nicht auch gut auf einem Grabstein macht, als mich ein weiterer Passant ansprach (abgewürgter Motor!) und den Kopf schüttelte - nicht über mich, sondern über den Radfahrer. Er sagte, der sei mit Affenzahn und ohne mal nach links zu gucken über die Straße gebrettert, ein Selbstmörder, wie er meinte.

Ich habe nichts gegen Motorradfahrer, sollte hier der Verdacht aufgekommen sein.
Ich habe gesagt, es geht nur gemeinsam und gilt für alle!
Ich fahre selbst 50er und Quad, weiß daher auch, wie wichtig es ist, doppelt und dreifach mit der Dummheit anderer zu rechnen.
Und ich bremse in der Tat auch mal auf 10km/h ab, wenn mir eine Situation unklar erscheint, als auf mein Recht zu pochen und dafür mit kaputten Knochen im Krankenhaus zu liegen.
Das hat mir vermutlich schon viel erspart.
Jeder wie er meint, aber ich habe zu diesem Thema jetzt nichts mehr zu sagen!
 
[...] Selbst wenn ein parkender Motorradfahrer überfahren wird, findet sich mit Sicherheit im zweiten Satz einer Meldung der Hinweis auf die "rasenden Zweirradfahrer"...
Ebenso ist die mittlerweile obligatorische präventive Selbstbeschuldigung von Moppedfahrern ("...wenn ich nicht für andere Verkehrsteilnehmer mitdenke, bin ich selbst schuld...") im Verkehr einmalig. [...]

Ich kann Dich und Deinen Beitrag zu einem guten Teil verstehen, obwohl ich nicht Motorrad fahre.

Der erste oben zitierte Absatz ("Rasender Zweiradfahrer") trifft nicht nur Motorradfahrer, sondern alles, was sich mit Motorkraft bewegt. Mir fällt nämlich auf, dass häufig (natürlich nicht immer) bei Unfallmeldungen von "Rasen" die Rede ist: Auto raste mit 40 km/h in Gartenzaun oder so. Krachen = Rasen. Das ist soweit aber kein Problem der Verkehrsteilnehmer, sondern der Journalisten - allerdings schaffen sie damit auch Bewusstsein.

Im zweiten obigen Absatz bin ich Deiner Meinung. Natürlich weiß man, dass man als Motorradfahrer ein höheres Verletzungsrisiko trägt als als Autofahrer. Das allein kann aber nicht bedeuten, dass der Motorradfahrer allein deswegen schon eine Mitschuld an jedem Unfall hat.

Jetzt noch eine dritte Wahrnehmung von mir als Autofahrer: Ich bin regelmäßig in den Bergen unterwegs, vor allem in der Schweiz. Das heißt Beschränkung auf 80 km/h. Wenn ich nun mit meinem Zetti 80 fahre (oder nur so viel mehr, dass es den Urlaubsetat ggf. nicht sprengt), warum muss man dann überhaupt noch überholen? Es gibt Autofahrer, die das trotzdem tun, es gibt unter den Motorradfahrern relativ mehr, die das tun. Und wenn sie überholen, dann findet das häufig an Stellen statt, die nicht weit genug übersehen werden können. Und diejenigen Motorradfahrer, die an unübersichtlichen Stellen überholen, neigen dazu, einen zu geringen seitlichen Abstand einzuhalten (ca. 0,5 Meter ist üblich) und vor allem sehr knapp vor meiner Stoßstange wieder einzuscheren. Ich empfinde diese Situationen als stressig. Zum einen geht es gegen mein Rechtsempfinden (Ich versuche mich an die Regeln zu halten, dann erwarte ich das auch von den anderen), zum anderen fühle ich mich dadurch auch gefährdet, denn weder möchte ich so einen Vogel abschießen noch überhaupt einen Unfall erleiden. Inzwischen versuche ich bereits, an Wochenenden mit schönem Wetter die Passfahrten zu vermeiden, weil die Anzahl dieser und ähnlicher Situationen einfach zu groß wird. Vergleichbare Erlebnisse mit Autos kenne ich auch. Allerdings ist deren Anzahl aus meiner Sicht sowohl absolut als auch relativ kleiner.
 
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