Jeder kennt das:
Es geht einem eigentlich ganz gut, das Leben läuft in geregelten Bahnen, man ist gesund (der Zettie auch) und alles könnte ganz prima sein, wenn da nicht die „lieben“ Mitmenschen wären. Zwar ist die Welt nicht voller Idioten, aber sie sind strategisch so platziert, dass man an jedem Tag welchen begegnet. Manchmal - zum Glück nicht jeden Tag - scheinen sie sich sogar verabredet zu haben, um einem im Viertelstundentakt auf die Nerven zu gehen.
Gestern war so ein Tag. Pünktlich zum Arbeitsbeginn geht es los mit an mich herangetragenen Ansprüchen und Forderungen, bei denen jeder denkende Mensch sich fragt, in welcher Welt diese Leute leben. Schon vormittags beginne ich an Descartes‘ Aussage „Ich denke, also bin ich“ zu zweifeln, denn wer so wenig Gebrauch von seinem Denken macht, dürfte eigentlich gar nicht existieren. Mit schier unmenschlicher Selbstbeherrschung schaffe ich es, beratungsresistenten Menschen im persönlichen Gespräch, im Telefonat oder per Mail zu erklären, wie die Welt funktioniert, ohne dabei despektierliche Vokabeln à la „Flachpfeife“ zu verwenden und ohne Verständnisfragen wie z.B. „Geht’s noch?“ zu stellen. Die Details erspare ich Euch; sie sind unspektakulär langweilig, aber extrem nervend. Ok, dafür werde ich von meinem Arbeitgeber fürstlich entlohnt. Dafür? Fürstlich? Nicht wirklich. Angemessen bezahlt? Bei genauer Betrachtung auch nicht - jedenfalls nicht für Tage wie diesen. In Gedanken setze ich das Stichwort „Gehaltsverhandlung“ auf meine To-do-Liste.
Mit pünktlichem Feierabend wird’s wegen der o.g. Mitmenschen mal wieder nichts, aber nach zwei Überstunden ist das Tageswerk vollbracht und es geht Richtung Heimat - ein erschöpftes Aufatmen stimmt mich heiterer.
Doch der Tag ist noch nicht zu Ende. In der ersten Straße, in die ich einbiege, überhole ich einen Radfahrer. Wegen des Gegenverkehrs muss ich dafür kurz auf’s Gas steigen. Als ich gerade vorbei bin, springt mir ein Oberlehrer auf die Straße, um mich zum Abbremsen zu zwingen. Ich bin zwar zu keiner Zeit schneller als die erlaubten 50 km/h unterwegs gewesen, aber das interessiert selbsternannte Ordnungshüter natürlich nicht, für die alle Fahrer von Wagen, die nicht wie ein 40 PS-Polo klingen, unverantwortliche Raser sind. Der Kerl ist nicht nur dreist, sondern anscheinend auch risikofreudig, mir so vor’s Auto zu laufen. Hier ist eine gute Fuß-Hand-Koordination gefragt, genauer gesagt Bremsfuß und Mittelfinger. Nur die Tatsache, dass ich generell nicht mit Idioten diskutiere, bewahrt den Kerl vor einer schmerzhaften Klarstellung.
Vor nicht allzu langer Zeit hat mich eine sehr geschätzte Person in diesem Forum als „chilligen Niedrigpulser“ beschrieben. Ich beginne daran zu zweifeln; 11 Stunden geballter Dummheit zeigen ihre Wirkung. Ich gucke nach oben. Verfolgt mich eine Kameradrohne? Bin ich für „Verstehen Sie Spaß?“ ausgewählt worden? Anders kann ich mir die heutige Idioten-Häufung nicht erklären.
Als nächstes an die Tanke. Vor mir zwei Wagen an der Säule mit dem guten Super Plus. Keiner tankt. Bei genauem Hinschauen zeigt sich, dass der vordere Wagen kurz hinter der Säule steht, wo er gar nicht betankt werden kann, aber direkt vor der Tür zum Verkaufsraum. Ich ahne, was kommt. Nach etwa einer Minute erscheint eine blonde Tusse (sorry für die Wortwahl, aber hier passt es einfach) mit ihren Einkäufen und steigt ins Fahrzeug. Der Wagen wird aber nicht weggefahren. Der Grund dafür zeigt sich ca. eine halbe Minute später: ihr Beifahrer war mit seinem Einkauf noch nicht fertig und wollte natürlich auch mitfahren. Zur Erklärung: keine 20 m entfernt steht Parkraum für ungefähr 30 Auto zur Verfügung - mit einem Sixpack unter dem Arm natürlich ein nicht zu bewältigender Fußmarsch. Da muss man einfach Verständnis haben.
Der zweite Wagen bewegt sich nicht vorwärts. Wie auch - er ist ja leer. Mit dem Niedrigpuls hat es sich nun endgültig erledigt; mein Blutdruck fordert Handeln. Da ich kein „Huper“ bin (die Hupe wird zu 99,9 % zum Gruß betätigt), steige ich aus und gehe Richtung Verkaufsraum. Kurz vor der Tür verlässt jemand den Laden; auf den ersten Blick wird klar: das ist kein Nobel-Preis-Anwärter. Auf meine Frage „Ist das Ihr
-Wagen?“ kommt ein fragendes „Ja“ und erwartungsgemäß wird auch die noch höfliche ironische Erklärung „Sehr kreativ geparkt!“ nur mit einem debilen Blick des Nichtverstehens quittiert. Erst das in deutlich anderem Tonfall gesprochene „Idiot!“ wird verstanden und sorgt für eine zügige Bewegung gen Auto. Mir fällt der Film „Falling down“ ein und ich frage mich, wie oft man nachladen darf, damit man noch mit Notwehr durchkommt.
Kurz vor Ladenschluss schaffe ich es noch in den Supermarkt. Der Tag muss ja nicht mies enden; also einen guten Rotwein, leckeren Käse und etwas Salzgebäck in den Wagen gelegt. An der Kasse eine Frau des Typs „Ich packe erst alle Artikel in meine unterschiedlichen Taschen (ggf. muss ich zwischendurch umsortieren); dann fällt mir ein, dass ich zahlen muss, und ich suche in meinen vielen Kleidungstaschen nach dem Portemonnaie; dann bezahle ich möglichst passend und mit viel Kleingeld, wobei ich die Kassiererin mehrmals gewissenhaft frage, wie viel ich ihr bereits gegeben habe und wie viel noch fehlt“. Murren in der Schlange hinter mir, entschuldigender Blick der Kassiererin nach hinten. Wieder schaue ich mich nach einer versteckten Kamera um. Ich sehe nichts, aber dafür mein Spiegelbild, dass mich beruhigt, weil die Ader an der Stirn noch nicht allzu deutlich hervor tritt.
Und dann passiert das absolut Unerwartete. Die Kundin blickt mit gequälten Blick zu mir hoch und sagt: „Bitte entschuldigen Sie. Ich bin so entsetzlich vergesslich geworden und alles dauert bei mir immer so lange. Es tut mir leid.“
Ich bin beschämt. Sie tut mir leid. Ich lächle sie an und sage ihr, dass sie sich all die Zeit nehmen soll, die sie benötigt, dass das sicherlich jeder verstehen wird und - mit Blick nach hinten - dass es jeder, den das stören sollte, mit mir zu tun bekommt. Es gibt keinen Widerspruch.
Irgendwie ist der Frust des ganzen Tages auf einmal verflogen.
Der Rotwein war trotzdem gut und ich waage zu behaupten, der Käse auch ...
Gruß
Kai
Es geht einem eigentlich ganz gut, das Leben läuft in geregelten Bahnen, man ist gesund (der Zettie auch) und alles könnte ganz prima sein, wenn da nicht die „lieben“ Mitmenschen wären. Zwar ist die Welt nicht voller Idioten, aber sie sind strategisch so platziert, dass man an jedem Tag welchen begegnet. Manchmal - zum Glück nicht jeden Tag - scheinen sie sich sogar verabredet zu haben, um einem im Viertelstundentakt auf die Nerven zu gehen.
Gestern war so ein Tag. Pünktlich zum Arbeitsbeginn geht es los mit an mich herangetragenen Ansprüchen und Forderungen, bei denen jeder denkende Mensch sich fragt, in welcher Welt diese Leute leben. Schon vormittags beginne ich an Descartes‘ Aussage „Ich denke, also bin ich“ zu zweifeln, denn wer so wenig Gebrauch von seinem Denken macht, dürfte eigentlich gar nicht existieren. Mit schier unmenschlicher Selbstbeherrschung schaffe ich es, beratungsresistenten Menschen im persönlichen Gespräch, im Telefonat oder per Mail zu erklären, wie die Welt funktioniert, ohne dabei despektierliche Vokabeln à la „Flachpfeife“ zu verwenden und ohne Verständnisfragen wie z.B. „Geht’s noch?“ zu stellen. Die Details erspare ich Euch; sie sind unspektakulär langweilig, aber extrem nervend. Ok, dafür werde ich von meinem Arbeitgeber fürstlich entlohnt. Dafür? Fürstlich? Nicht wirklich. Angemessen bezahlt? Bei genauer Betrachtung auch nicht - jedenfalls nicht für Tage wie diesen. In Gedanken setze ich das Stichwort „Gehaltsverhandlung“ auf meine To-do-Liste.
Mit pünktlichem Feierabend wird’s wegen der o.g. Mitmenschen mal wieder nichts, aber nach zwei Überstunden ist das Tageswerk vollbracht und es geht Richtung Heimat - ein erschöpftes Aufatmen stimmt mich heiterer.
Doch der Tag ist noch nicht zu Ende. In der ersten Straße, in die ich einbiege, überhole ich einen Radfahrer. Wegen des Gegenverkehrs muss ich dafür kurz auf’s Gas steigen. Als ich gerade vorbei bin, springt mir ein Oberlehrer auf die Straße, um mich zum Abbremsen zu zwingen. Ich bin zwar zu keiner Zeit schneller als die erlaubten 50 km/h unterwegs gewesen, aber das interessiert selbsternannte Ordnungshüter natürlich nicht, für die alle Fahrer von Wagen, die nicht wie ein 40 PS-Polo klingen, unverantwortliche Raser sind. Der Kerl ist nicht nur dreist, sondern anscheinend auch risikofreudig, mir so vor’s Auto zu laufen. Hier ist eine gute Fuß-Hand-Koordination gefragt, genauer gesagt Bremsfuß und Mittelfinger. Nur die Tatsache, dass ich generell nicht mit Idioten diskutiere, bewahrt den Kerl vor einer schmerzhaften Klarstellung.
Vor nicht allzu langer Zeit hat mich eine sehr geschätzte Person in diesem Forum als „chilligen Niedrigpulser“ beschrieben. Ich beginne daran zu zweifeln; 11 Stunden geballter Dummheit zeigen ihre Wirkung. Ich gucke nach oben. Verfolgt mich eine Kameradrohne? Bin ich für „Verstehen Sie Spaß?“ ausgewählt worden? Anders kann ich mir die heutige Idioten-Häufung nicht erklären.
Als nächstes an die Tanke. Vor mir zwei Wagen an der Säule mit dem guten Super Plus. Keiner tankt. Bei genauem Hinschauen zeigt sich, dass der vordere Wagen kurz hinter der Säule steht, wo er gar nicht betankt werden kann, aber direkt vor der Tür zum Verkaufsraum. Ich ahne, was kommt. Nach etwa einer Minute erscheint eine blonde Tusse (sorry für die Wortwahl, aber hier passt es einfach) mit ihren Einkäufen und steigt ins Fahrzeug. Der Wagen wird aber nicht weggefahren. Der Grund dafür zeigt sich ca. eine halbe Minute später: ihr Beifahrer war mit seinem Einkauf noch nicht fertig und wollte natürlich auch mitfahren. Zur Erklärung: keine 20 m entfernt steht Parkraum für ungefähr 30 Auto zur Verfügung - mit einem Sixpack unter dem Arm natürlich ein nicht zu bewältigender Fußmarsch. Da muss man einfach Verständnis haben.
Der zweite Wagen bewegt sich nicht vorwärts. Wie auch - er ist ja leer. Mit dem Niedrigpuls hat es sich nun endgültig erledigt; mein Blutdruck fordert Handeln. Da ich kein „Huper“ bin (die Hupe wird zu 99,9 % zum Gruß betätigt), steige ich aus und gehe Richtung Verkaufsraum. Kurz vor der Tür verlässt jemand den Laden; auf den ersten Blick wird klar: das ist kein Nobel-Preis-Anwärter. Auf meine Frage „Ist das Ihr
-Wagen?“ kommt ein fragendes „Ja“ und erwartungsgemäß wird auch die noch höfliche ironische Erklärung „Sehr kreativ geparkt!“ nur mit einem debilen Blick des Nichtverstehens quittiert. Erst das in deutlich anderem Tonfall gesprochene „Idiot!“ wird verstanden und sorgt für eine zügige Bewegung gen Auto. Mir fällt der Film „Falling down“ ein und ich frage mich, wie oft man nachladen darf, damit man noch mit Notwehr durchkommt.Kurz vor Ladenschluss schaffe ich es noch in den Supermarkt. Der Tag muss ja nicht mies enden; also einen guten Rotwein, leckeren Käse und etwas Salzgebäck in den Wagen gelegt. An der Kasse eine Frau des Typs „Ich packe erst alle Artikel in meine unterschiedlichen Taschen (ggf. muss ich zwischendurch umsortieren); dann fällt mir ein, dass ich zahlen muss, und ich suche in meinen vielen Kleidungstaschen nach dem Portemonnaie; dann bezahle ich möglichst passend und mit viel Kleingeld, wobei ich die Kassiererin mehrmals gewissenhaft frage, wie viel ich ihr bereits gegeben habe und wie viel noch fehlt“. Murren in der Schlange hinter mir, entschuldigender Blick der Kassiererin nach hinten. Wieder schaue ich mich nach einer versteckten Kamera um. Ich sehe nichts, aber dafür mein Spiegelbild, dass mich beruhigt, weil die Ader an der Stirn noch nicht allzu deutlich hervor tritt.
Und dann passiert das absolut Unerwartete. Die Kundin blickt mit gequälten Blick zu mir hoch und sagt: „Bitte entschuldigen Sie. Ich bin so entsetzlich vergesslich geworden und alles dauert bei mir immer so lange. Es tut mir leid.“
Ich bin beschämt. Sie tut mir leid. Ich lächle sie an und sage ihr, dass sie sich all die Zeit nehmen soll, die sie benötigt, dass das sicherlich jeder verstehen wird und - mit Blick nach hinten - dass es jeder, den das stören sollte, mit mir zu tun bekommt. Es gibt keinen Widerspruch.
Irgendwie ist der Frust des ganzen Tages auf einmal verflogen.
Der Rotwein war trotzdem gut und ich waage zu behaupten, der Käse auch ...
Gruß
Kai

und zeigen es gibt auch schöne Momente am Tag,
Bis dahin könntest du auch an deinen Programminhalten feilen. 








