scheinbar fühlst du dich attackiert lieber oliver - möchte da jemand an deinem stuhl sägen? ;-)
an 2 beispielen aus der eigenen praktischen erfahrung...
mit ist kein polizeirat und höher bekannt, der aktiv auf der strasse dienst tut und sich dort den gefahren aussetzt, aber auf verwaltungsebene mit dem regierenden apparat zu tun hat oder sein gesicht zu stellungnahmen und interviews in die kamera hält.
das gleiche gilt in der berufsfeuerwehr analog, nur ein paar dienstgrade tiefer bereits im gehobenen feuerwehrtechnischen dienst angesiedelt. auch dort war mir in münchen kein brandamtsrat mit A12 bekannt, der sich noch die finger schmutzig gemacht hat, aber auch seine aufgaben eher auf politischer bzw kommunaler verwaltungsebene hatte und dort mit stadtrat und konsorten klüngelt.
damit keine unklarheiten aufkommen, ich habe nichts gegen das beamtentum an sich, aber ich finde die schere zwischen mittlerem und höherem dienst deutlich zu groß
es ist müßig darüber zu streiten ob es anstrengender und von größerer leistungsfähigkeit gekrönt ist nachts um 2 uhr auf die straße zu müssen oder sich den hintern in stundenlangen sitzungen wund zu reiten. kann jeder für sich selber entscheiden...
Es ist aber inzwischen doch allgemein bekannt, dass sich die Höhe eines Gehaltes nicht daraus ergibt, was anstrengend ist und was nicht (was man eh objektiv niemals korrekt bewerten könnte), sondern aus Angebot und Nachfrage. Im öffentlichen Dienst hat man zwar durch völlig festgelegte Einstellungsbedingungen und Laufbahnen den offenen Wettbewerb inklusive Gehlatsverhandlungen nicht, muss aber mit den entsprechenden Posten in der freien Wirtschaft konkurrieren.
Ein Beispiel:
Wenn man will, dass auf einem Professorenposten für Maschinenbau, VWL oder BWL jemand mit langjähriger industrieller Erfahrung z.B. als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens sitzt, muss man ihn mit Bedingungen locken, die mit einem 120k€-Gehalt konkurrieren können. Das sind dann letztendlich wahrscheinlich 80k-90k€/Jahr plus die Verbeamtung, was eventuell reichen könnte. Nen Ackermann, Reithofer oder Wiedeking wird man damit aber wohl immernoch nicht auf einen Professorenposten für Wirtschaft bekommen, obwohl er sicherlich keine schlechte Besetzung als Lehrer zukünftiger Volkswirte wäre. Ob nun der Professor nen genauso harten Arbeitstag hat wie einer seiner Untergebenen, ist dabei erstmal völlig zweitrangig.
Analog dazu muss man irgendwie verhindern, dass ein Feuerwehrmann mit langjähriger Erfahrung in Sachen Personalplanung oder Projektmanagement nicht von einer Unternehmensberatung mit einem saftigen Gehalt weggelockt wird, was ein entsprechend hohes Gehalt notwendig macht.
Dem gegenüber stehen auf unterer Ebene eine ganze Reihe williger Neuanfänger, die das Gehalt für die unteren Positionen drücken. Bei meinem ersten Beispiel sinds Maschinenbau-, BWL- oder VWL-Absolventen, die promovieren möchten um ihre Karriere voranzutreiben und bei dem Feuerwehrbeispiel junge Männer mit dem Kindheitstraum Feuerwehrmann. Der öffentliche Dienst wird dadurch sozusagen genauso von Angebot/Nachfrage beeinflusst, nur dass er sehr viel träger drauf reagieren kann. Würde es aber langfristig keine Bewerber mehr auf öffentliche Stellen geben, müsste man wohl auch hier das Gehalt anpassen. In der Vergangenheit wurde das sogar schonmal so gemacht, nämlich bei der Umstellung von TVÖD in TVL, die dazu diente, den öffentlichen Dienst für junge Neueinsteiger attraktiver zu machen.
Um den Bogen zum Ausgangsthema zurückzuschlagen: Der Beamtenstatus ist dabei sozusagen Teil des Anreizes. Hätte man den nicht, müsste man die Gehälter noch ein Stückchen höher Schrauben, um die Posten qualitativ gleichwertig zu besetzen.