Samstag wars, derTag war sonnig, und ich fuhr mit meiner Frau geradewegs über kurvige Landstraßen, abseits der drögen Autobahn, in die Main(Wein)Gegend, also Richtung Unterfranken.
Plötzlich kamen wir an einer Kleinstadt vorbei, den Namen will ich jetzt nicht nennen, als mir plötzlich einfiel, Moment mal, heute wird ja der neue Z4 vorgestellt, habe bereits 2 Einladungen bekommen. Allerdings nicht von dem Händler aus dem Städtchen, das zufällig unseren Weg kreuzte.
Naja, egal, dachte ich, kannst ja mal vorbeischauen, wenn zuviel los ist, fährst Du einfach wieder weiter.
Also, hingefahren - und erstaunt- auf dem Hof stand kein Z4, auch keinen Besucher konnte ich irgendwo ausmachen.
Anscheinend nehmen die nicht an der Vorstellung teil, dachte ich, obwohl mir der Händler relativ groß vorkam.
Also, ausgestiegen, zu den Schaufenstern hingeschlendert.
Da, eine Tür, und die war sogar offen !
Ich, vorsichtig hineingelugt und - ja, da stand er, der "Neue", in einem Graumetallic, ein 2,3er mit 17er Felgen, wie ich später erkannte.
Aber niemand weit und breit.
Gut, also langsam und zielstrebig auf den neuen Roadster zugeschritten -
da, plötzlich, aus einer Ecke, ein Büro, ein Kopf ragt heraus, und da steht einer, ein Verkäufer, weißes Hemd, Krawatte, schwarzer Anzug.
Er, genauso erstaunt wie ich - steuert auf mich zu.
"Guten Tag. Entschuldigen Sie bitte, ich wollte fragen, ob ich mir einmal den neuen Z4 anschauen kann."
Mitleidiger Blick. Mitleidiges Grinsen.
"Aber gerne. Sie dürfen sich auch mal hineinsetzen, wenn Sie möchten..."
Ich kannte diese Reaktion.
Denn wenn wir einen Roadsterausflug in eine Weingegend zur Heckenwirtschaft machen, kleide ich mich sehr lässig: Ausgewaschene Jeans, kariertes Hemd, Baseball-Cap, Sonnenbrille.
Beruflich reicht's mir nämlich mit dem Krawattenzwang.
Kein Wunder also, der Verkäufer hält mich für einen Spinner, einen, der noch nie so ein Auto von innen bewundern durfte.
"Oh, danke, sehr freundlich" entgegnete ich amüsiert. "Das werde ich gerne wahrnehmen."
Ich strich mit der Hand an der Windschutzscheibe entlang, öffnete die Fahrertür, liess sie jedoch sofort wieder zufallen.
"Ja, die fällt satt ins Schloss, was ?" fragte mich der Verkäufer.
"Das ist endlich mal wieder ein richtiger offener Wagen,was ?
Stabiles Verdeck !
Nicht wie beim Alten, der war ja weder Fisch noch Fleisch !!"
Natürlich wusste der Gute nicht, daß ich eben einen dieser Roadster fahre, zwar nicht Fisch, meiner Meinung aber echtes Roadsterfleisch, mit echtem Verdeck, so wie es sein sollte.
"Aha", entgegnete ich ihm kurz.
Dann öffnete ich erneut die Tür, ließ mich sanft hineingleiten.
"Jaa, der Innenraum sieht schon etwas moderner aus, auch hochwertiger, vor allem das rote Leder auf dem Mitteltunnel, das sich so asymmetrisch darüberzieht, ist ein guter Einfall, finde ich. Die Rundinstrumente, ja, alles in allem schon ein bisschen mehr Z8 als Z4..." sagte ich.
Was mich aber absolut störte: Die Motorhaube zog sich derart lang aus meinen Augen hinaus, daß ich es bereits im Stand mit der Angst zu tun bekam. Gut, der "Alte" hat ja auch eine lange Haube, diese aber kam mir viel höher und noch unübersichtlicher vor.
Irgendwie nicht mein Ding.
Dann schaute ich über die Schulter.
"Oh, hinter den Sitzen ist ja jetzt sogar etwas Stauraum" ,meinte ich.
"Sieh an, der Herr kennt sich wohl etwas aus !" lachte der Verkäufer, immer noch etwas süffisant, nach dem Motto: Na, Junge, willst wohl jetzt etwas auf Kenner und dicke Hose machen, was ?...
Ich stieg aus, setzte mein breitestes Grinsen auf und meinte:
"Klar, ich fahre ja einen Z4. Einen silbernen. Den Dreiliter. Auch mit rotem Leder. Da draußen, auf der gegenüberliegenden Seite (die war vom Schauraum aus kaum einzusehen), steht er.
Ich war nur grade auf einem Ausflug in die Weingegend, da fiel mir ein, mal vorbeizuschauen."
Das ging wie ein Ruck durch mein Gegenüber. Schnell erholte er sich jedoch wieder, setzte ebenfalls sein verbindlichstes Lächeln auf und meinte: "Also, wenn Sie eine Probefahrt machen möchten. das dürfen Sie jederzeit und gerne."
"Danke, das ist sehr nett", meinte ich.
Wohlwissend, daß mich der "Neue" irgendwie kalt ließ.
Hinten zu glatt, zu fett, der halbstarke Rock'n Roller Entenbürzel - wo ist er geblieben ? -SLK-Dach, Fahrwerte, naja, mein 3-Liter gibt da auch nicht früher auf, bei 250 ist eh' Schluss.
Und jetzt, gerade jetzt, mein geliebtes Geschoss für einen Schleuderpreis hergeben zu müssen. Bei gerade mal 52000 Kilometern auf der Uhr. Keinen Winter gefahren, sieht aus wie geleckt.
Ich ging langsam zur Tür, liess meinen Blick auf die Straßenseite gegenüber schweifen und genoss den Anblick des offenen silbernen Z4, meines Z4., wie er da in der Sonne glänzte, ein außergewöhnliches Designstück von Herrn Bangle. Man liebt ihn. Oder, man hasst ihn. Dann hätte man ihn sich aber nicht gekauft.
Nochmal fiel mein Blick zurück auf den "Neuen".
Fisch und Fleisch in Einem, ja, mag sein, da steht er, wie geleckt.
Vor den Münchner und Starnberger Biergärten sehe ich ihn schon stehen,
mit einer Tussi hinterm Steuer, mit Versace-Sonnenbrille und im Tennisdress.
Nur kein Machogerät, schön wohlgefällig, vorzeigefreudig, Everybodys Darling.
Das kann er werden, das wird er auch sein. Armer SLK, jetzt sind schwere Zeiten für Dich angebrochen. Viele Deiner Liebhaber werden jetzt fremdgehen.
Ich aber werde ihm treubleiben, dem "Alten" dem Machogerät, der klarmacht: Da sitzt ein Mann hinterm Steuer !
Schlecht zu machen mit einem Roadster, der von Frauen designt wurde.
Danke, Mister Bangle. Ich warte. Vielleicht noch zehn Jahre. Dann dürfte mein Reihensechser so um die 150 000 auf dem Tacho haben.
Dann gilt der Z4 als Stilikone bangleschen Designs.
Dann werden ihn die Youngtimerfreunde entdecken.
Die Preise werden steigen.
Kann aber sein, dass ich ihn dann gar nicht mehr hergeben will.
Wie ein altes Ehepaar, einer mag nicht mehr sein ohne den Anderen.
Meinen schwarzen, chromglänzenden Z3 hatte ich damals, im zarten Alter von vier Jahren, der neuen Diva Z4 geopfert.
Eine Jugendsünde. Auch die bereue ich noch oft, wenn ich einen Z 3 an mir vorbeifahren sehe.
Aber jetzt habe ich eine Göttin, meine Göttin. An erster Stelle natürlich meine Frau. Versteht sich.
An der zweiten Stelle, der technischen, der Vorliebe des Mannes-Stelle, eine silberne Göttin, mit brachialen 18-Zöllern im Kleeblatt-Design, mit rotem Ledergestühl, mit starkem Dreiliter-Reihensechser, der im Sportmodus aufbrüllt, als gäbe es kein Morgen.
Nein, lieber neuer Z4, lieber, ratloser Autoverkäufer, dessen einziger Kunde und Bewunderer ich in dieser halben Stunde war, nein, ich komme nicht mehr zu einer Probefahrt.
Wozu sollte ich ?
Wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, der wäre auch nicht zufrieden mit dem, was er haben möchte.
(Berthold Auerbach)
Ich möchte aber gar nicht.
"Frauen, Priester und Hühner sind nie zufrieden" (Sprichwort aus den USA)
Wie gut, daß ich ein Mann bin.