Steve Jobs, Steve Wozniak, Bill Gates und noch eine Handvoll anderer Namen stehen für den Beginn der Computerwelt, wie wir sie heute kennen und tagtäglich nutzen. Während ein Bill Gates immer den pragmatischen Weg mit dem geringstmöglichen Aufwand gesucht hat, war Steve Jobs immer der Querdenker und Visionär.
Wie kaum ein anderer hatte er das Gespür für die richtige Technologie zur richtigen Zeit. Seine Ideen führten nicht zur Entwicklung neuer Chips oder besserer Bildschirme. Aber er zwang technikverliebte Ingenieure dazu, gutes Design in den Entwicklungsprozess einzubeziehen. Da gehörte nicht nur das vielfach gepriesene, nach außen sichtbare Gerätedesign, sondern gerade auch die strategischen Entscheidungen zum All-in-One-Gerät, das dem Benutzer viel Bastelei in der damaligen Zeit ersparte, und natürlich das User Interface Design, also die Gestaltung und Abläufe der Software. Nicht umsonst wurde fast alles, was Apple als erste brachten, von anderen Firmen kopiert.
Zu einem Zeitpunkt dann, als viele Firmen bereits MP3-Player in allen Formen und Variationen auf dem Markt hatten, brachte er den iPod und revolutionierte den Markt. Er schaffte vollkommen neue Vertriebs- und Umsatzmöglichkeiten für die Musikindustrie und hat sich damit großflächig durchgesetzt, auch wenn iTunes sicher nicht das beste Tool war dafür.
Auch im Handymarkt war eigentlich alles etabliert, die Marktanteile fest vergeben. Es gab kaum Platz für ein neues Phone auf dem Markt. Dann kam das iPhone, das alles auf den Kopf stellte. Giganten wie Nokia oder Eriksson konnten nur noch ihren Marktanteilen hinterherschauen und lange Zeit nichts Vergleichbares bieten.
Auch die Animationsindustrie schien fest in Disney-Hand. Jobs wurde belächelt, als er dort seine NeXT-Computer für Animationszwecke verkaufen wollte. Dann übernahm er die Animationssparte von Lucas und machte daraus Pixar. Ein Animationsfilm des genialen John Lasseter nach dem nächsten verblüffte die Zuschauer und wurde zum Kassenerfolg. Das immer mächtigere Pixar wurde von Disney aufgekauft, Jobs war auf einmal in einer führenden Rolle dort und begann, die Filmindustrie ähnlich zu beeinflussen wie vorher die Musikindustrie.
Seit den frühen Tagen des Apple II habe ich Steve Jobs immer beobachtet und vieles von dem bewundert, was er erreicht hat. Erst mit der Zeit wurde aus dem ungestümen und auch rücksichtslosen Mann der Steve Jobs, von dem wir uns heute verabschieden müssen. Seit 1986 habe ich intensiv mit Apple zusammengearbeitet und auch meinen persönlichen Erfolg auf Apple gegründet. Steve Jobs war in seiner Innovationsfreudigkeit und Kreativität immer ein Vorbild für mich, auch wenn ich seiner (sichtbaren) menschlichen Seite nicht viel abgewinnen konnte. Berührt hat mich, dass er und Woz vor kurzem ihren Frieden miteinander schlossen.
Apple wird nie wieder sein, was es bis gestern war. Und wenn Du in den Himmel kommen solltest, wirst Du sicher Wege finden, ihn radikal umzugestalten, bis ich irgendwann mal folge.
Farewell, Steve.