Marktwertermittlung Immobilie

Jokin

Waschverweigerer
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26 April 2004
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Niedersachsen
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anderer Wagen
Ich hab kürzlich einen Aushang in der Post gesehen, un das Angebot angenommen "Kostenlose Wertermittlung Ihrer Immobilie".

Aha, gut - also mal machen.

Nun habe ich gestern den Marktwertreport erhalten und wundere mich über den erstaunlich geringen Wert meiner Hütte.

Schnell wurde klar, was da los ist - da wurden der Bodenwert des Grundstücks in "Vorderbau" und "Hinterbau" aufgreteilt. Auf Nachfrage meinte der Berater, das "würde die Software so ausspucken" ... klasse.

Nochmal nachgefragt, da kam dann: "Naja, die ersten 600 m² sind Vorderbaugrundstück und die weitere Fläche dann Gartenland, was nicht bebaut werden kann, dieses wird dann mit 10% des Richtwertes für das Vorderland berechnet."

Zur Wertermittlung hatte ich nur die Grundstücksgröße angeben müssen, die Größe des Baufensters wollte keiner Wissen und auch nicht die mögliche Randbebauung oder die vorgegebene Grünstreifengröße.

Auch das Internet machte mich da nicht schlauer.

Gibt es also bei der Wertermittlung einer Immobilie tatsächlich diese Unterscheidung?

Gibt es einen Marktwertbereinigungsfaktor? ... der wurde einfach mal mit 79% angesetzt, die die Hütte direkt mal weniger wert ist.

... ich hab das Gefühl, da will man mit den kostenlosen Wertermittlungen Bauernfängerei betreiben. Ohne diese Bodenwerttricks und diese ominöse Marktwertbereinigung kommt genau die Zahl raus, die ich da gern stehen hätte.
 
Bei Wertermittlungen kommt es erstmal drauf an, wer die erstellt. Ein Verkäufer hat andere Interessen als ein Käufer oder eine Bank/Darlehnsgeber.
Letztlich ist es bei Immobilien nicht anders als bei PKW. Was ist der ermittelte Wert wert, wenn der :) das Fahrzeug nicht mal gesehen hat und nach Liste bewertet? Der angegebene Wert ist nur eine Richtschnur.
Eine ordentliche Ermittlung dauert, ist aufwändig, erfordert Recherche und kostet daher. 100€ reichen da nicht. Allein die Begehung sollte schon 1-2 h dauern und entsprechend dokumentiert werden.

Interessant wäre, was die Intention dieser kostenlosen Leistung ist. Was wollen die eingentlich von einem?
 
Knapp 4 Stunden und ca. 380 Euro (oder noch DM?, war grad die Euroeinführung) hatte das damals bei meinem Vater gekostet.
Da wurde auch mal "hinter" die Fassade geschaut, nicht nur oberflächlich irgendwelche Daten aufgeschrieben.
Unterm Dach wurde die Sparren angeschaut, Feuchtemessungen im Mauerwerk/Keller etc.
Eine Wärmebildkamera kam auch öfters zum Einsatz...
Das eigentlich Grundstück hat weniger interessiert, vielmehr das drum rum war, war wichtig. Weg zum einkaufen, Arzt, öffentlicher Nahverkehr etc. sind noch wichtig.

Das "Gutachten" war auch erst ca. 2 Wochen später fertig. Fast 30 Seiten, auch mit Fotos kritischer Stellen etc....

Der "ausgerechnete" Wert hat sich dann später beim Verkauf auch als zutreffend herausgestellt.


Frank, damit ist zwar deine Frage nicht beantwortet wie das mit dem Grundstück läuft, aber deine Wertermittlung ist einfach fürn Boppes :p :P

Ich hab mal mein Häusle grad online rechnen lassen. Da würde ich sagen, "verkauft". Wenn mir jemand den Preis aufgrund der Berechnung zahlen würde :geek::D
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine belastbare, unabhängige Wertermittlung einer Immobilie, inkl. Grund und Boden, kann ausschließlich ein unabhängiger, vereidigter Bausachverständiger vornehmen. Er geht nämlich - genau wie Harald es beschrieben hat - nicht nur oberflächlich durch das haus, sondern schaut sich insbesondere auch die Bausubstanz an und ermittelt auf Basis der aktuellen Verkehrswerte auch den Wert des Grundstückes.
 
Vor über zehn Jahren hat eine solche Wertermittlung einer Immobilie wegen einer Erbangelegenheit (Aufteilung auf 3 Erben) der Gutachterausschuss des Landkreises NK sehr ausführlich gemacht.
Dann erhält man eine belastbare und sehr ordentliche Wertermittlung. Ein Gutachter hat das Haus sehr genau begangen und in einer Ausschussitzung wird dann der Wert festgestellt, aufgeteilt in Sachwert und Verkehrswert (Lage des Grundstückes usw.)
Das Ganze kostet halt einpaar Hundert €, aber es gibt auch keinen "Streit" unter den Erben über den Wert des Hauses samt Grundstück.
Wie oben schon gesagt: Was nix kost, ist nix Wert
 
... genau! "Wat nix kost, is auch nix"! Eine seriöse Ermittlung bekommt man nicht unter 100€ - sagt mein Nachbar, der Immo-Makler ist. :) :-)
Jupp, das ist klar :t

Vielleicht noch kurz zum Hintergrund, wieso ich diese Gratis-Wertermittlung vornehmen ließ ... da war der Aushang und ich fand's mal ganz interessent zu erfahren, was dabei heraus kommt.

Die Wertermittlung fand im Interesse eines Verkauf-Maklers statt - also den Wert möglichst niedrig ansetzen, damit die Immobilie schön schnell den Besitzer wechseln kann, denn es war eine Bausparkasse, die den Wert ermittelte.

Wäre "ich" diese Bausparkasse, hätte ich auch ein Interesse Immobilien zu bewerten, so weiß ich selber, was sie "wirklich" wert sind ... dann dem aktuellen besitzer einen darunter liegenden Wert mitteilen und dem zukünftigen Käufer eine Bausparfinanzierung mit dem Wissen über den "wirklichen" Wert verkaufen um das Risiko zu minimieren.
Sehr gute Geschäftsidee :t


Die Frage nach dem Vorderbaugrundstück und Hinterbaugrundstück ist weiterhin offen :s

Ich gucke mal, ob ich morgen das gutachten als PDF mit reinstelle - da sind noch mehr totale Bullshit-Informationen drin :d
 
Frank: falls du deine Hütte verkaufen willst... neben mir ist noch ein Bauplatz frei... damit wärst du ganz nah am Ring und müsstest nicht mehr so oft pendeln. :sneaky:
 
Hihi - ja, ein Baugrundstück in der Eifel hätte schon was .... nur wie verdiene ich dann mein Geld? &:

und das mit der Fassade ... naja, sooo schlecht sieht die Hütte von hinten nicht aus ... ist auch auf dem Cover des Berichts abgebildet :t
 
Dann ist das Motiv für die "Gratisaktion" klar. Es geht zunächst nicht um eine Wertermittlung, sondern um Adressen möglicher Verkaufsobjekte.
Das sehe ich auch so und war mir auch absolut bewusst.

Immerhin habe ich nun den "Mindestwert" in der Hand. Da meine Zinsbindung in zwei Jahren ausläuft, kann ich damit wunderbar eine neue Finanzierung aufbauen ... zu günstigeren Zinsen.

Interessanterweise bin ich bei der Bausparkasse, die das Gutachten erstellt hat und mit deren Gutachten suche ich dann eine günstigere Anschlussfinanzierung *hrhr*
 
Ich habe das Ganze jetzt nochmal aus den Unterlagen rausgekramt: Es handelt sich um ein 22-seitiges Dokument in 5-facher Ausfertigung ausgestellt vom "Gutachterausschuss für Grundstückswerte für den Landkreis Neunkirchen".
Wie gesagt, wurde das Haus komplett und ausführlich begutachtet mit allen möglichen Kriterien wie Bauzustand , Ausstattung usw. Dann wurde in einer Sitzung von mehreren Sachverständigen der Wert ermittelt.
Im Gutachten sind Flurkarte, Katasterkarten, Fotos und eine sehr ausführliche Beschreibung von Haus und Grundstück enthalten. Im Prinzip ist es gerichtsfest.
Und zum Guten Schluss wird dann nach Gebührenordnung anhand des ermittelten Verkehrswertes eine Gebührenrechnung erstellt. (so ähnlich wie die Maklerprovision bei Kauf eines Hauses).
In unserem Fall waren es damals im November 2001 insgesamt rd. 2.100,- DM. Kein günstiger Spaß, aber es gab auch keine Diskussion unter den 3 Erbberechtigten über die Höhe des auszuzahlenden Erbanteils.
Was auffällig war, war dass der Betrag zwischen Sachwert und Verkehrswert (hier - 25% Anpassung an die Marktlage) doch deutlich auseinander lag. Also die Lage und Umfeld des Gebäudes spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Höhe eines erzielbaren Verkaufspreises.
LG
Burns
 
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