Wenn das Telefon wieder klingelt...

dwz8

Café Racer
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2 August 2004
Wagen
BMW Z8
Hersteller sind ja so besorgt um ihre Kunden. Und Händler natürlich auch, denn ein unzufriedener Kunde kostet Punkte beim Hersteller. Und so werden immer häufiger Umfragen beim Kunden durchgeführt, wobei der Hersteller herausfinden will, wie es denn beim Händler so gelaufen ist.

Eigentlich also eine harmlose Sache: man bestellt sich ein Auto, sagen wir mal einen BMW. Nach einer gewissen Zeit wird das Auto geliefert, der Händler weist einen in die Bedienung ein, nicht ohne den obligatorischen Blumenstrauß zwischen den Zähnen. Mir, der ich seit 1980 ununterbrochen BMW fahre, deucht es dann ab und zu, dass ich so Manches schon ein paar Mal gehört habe. denn spätestens nach dem 10 Vortrag bleibt dann doch was hängen. Stolz fährt man nach Haus, zeigt das Auto den Nachbarn oder zumindest der eigenen Frau, als das Telefon klingelt.

Am anderen Ende eine nette Dame, die vom BMW Kundenservice anruft. Das ist zwar nicht BMW, sondern irgendeine Telemarketinginfoorganisation, aber nehmen wir es als gegeben hin. Und ob denn alles geklappt hätte mit dem Neuwagen? Wie denn die Einweisung gewesen wäre? Währenddessen tritt der Nachbar, der allein in den Genuss der Betrachtung des neuen Flitzers kommt, unruhig von einem Fuß auf den anderen.
Ob ich denn zufrieden wäre? Nun ja, wie soll ich das nach 27,5 km sagen, die es von meinem Händler bis zu mir nach Hause sind. Und ich habe mir auch noch keine Meinung darüber gebildet, was mein nächstes Auto nach diesem sein könnte, und wann der fällig werden könnte.

Aber wie gesagt, ich nehme den guten Willen für die Tat, schließlich passiert das alles ja im Namen der Kunden. So wie auch beim Werkstattbesuch. Ich wechsele zwar nur von Sommer- auf Winterreifen, aber unfehlbar kommt der Anruf: Ob ich denn zufrieden gewesen wäre mit der Werkstatt? Ob es Verbesserungsvorschläge gäbe? Ob ich die Werkstatt weiterempfehlen würde? Die Antwort, dass ich mit der Werkstatt seit über 30 Jahren zusammenarbeite und den Teufel tun würde, irgendwelchen möglichen Ärger, den ich dort haben könnte, über die Kundenbetreuung von BMW auszutragen, verhallt im Sande.

Nun hatte ich kürzlich tatsächlich mal eine größere Sache, die gemacht werden musste. Eine Bande von Menschen, die man nicht pauschal als Osteuropäer bezeichnen darf, hatte ihre eigene Ansicht über die Eigentumsrechte an meinem Navi. Und um das zu bekräftigen, kamen sie wenige Wochen später gleich noch einmal vorbei und holten sich das Navi aus einem zweiten Auto auch noch. Beide Fälle wurden problemlos abgewickelt.

Prompt meldete sich dann meine Versicherung. Ich befürchtete schon ein ernsthaftes Gespräch darüber, wie viele Autos mit Navi ich wohl besäße, und ob es nicht ein iPhone im Halter auch tun könnte. Aber weit gefehlt, es ging nur um die Kundenbetreuung! Ob ich die Formulare verstanden hätte? Anscheinend, sonst hätten die Fälle wohl kaum abgewickelt werden können. Ob ich mich allein gelassen gefühlt hätte in meiner Situation? Nein, ich hatte immer jemanden neben mir gehen. Ob ich denn mit der gezahlten Summe einverstanden gewesen wäre? Keine Ahnung, da ich den Schaden an meine Werkstatt abgetreten habe, wäre die Frage dort besser aufgehoben.

So kämpft man sich durch den Autoalltag inmitten von Besorgtheit um den Kunden, Fischen nach Neuaufträgen und vielen anderen lebenswichtigen Fragen, garniert von den regelmäßigen Anrufen des eigenen Telefonanbieters, der einfach nicht schlucken will, dass man neben dem Handyvertrag keinen Festnetzvertrag haben will, wo der doch so günstig ist.

Da ich nun einmal mehrere Autos besitze, die zudem überwiegend von einem Hersteller stammen, potenziert sich die Sache immer mehr. Meine mehrfachen Versuche, der Kundenbetreuung von BMW klarzumachen, dass ich grundsätzlich alle Fragen zu meinem Händler mit "überaus positiv" beantworten werde und dass damit die Antworten wertlos seien, führen dann immer zu einer besorgten Reaktion, dass man in Zukunft natürlich nicht mehr anrufen würde.
Bis zum nächsten Mal. Und dann hat man sich natürlich nur vertan.

In letzter Zeit entdecke ich Veränderungen an mir. Wenn ich nur ein BMW-Logo auf einem Plakat sehe, werde ich schon nervös und schaue ostentativ in die andere Richtung. Mit Sicherheit sitzt jemand hinter der Plakatwand und schreibt sich sofort auf, wenn ich zu lange auf das Logo schaue. Ich fühle mich verfolgt. So geht das auf jeden Fall nicht weiter.

Ab jetzt werde ich mich wehren:
Ich fahre grundsätzlich nicht mehr durch die Straße, in der mein Autohändler sitzt. Das bloße Vorbeifahren würde sicher den nächsten Anruf auslösen.
Winterreifen wechsele ich selber.
Ich baue direkte Verbindungen nach Litauen auf, um mich durch regelmäßige Lieferung eines kompletten Navis von Schadensfällen mit Werkstattbesuchen freizukaufen.
Ich nutze mein Handy nur noch in fremden Netzen, damit mein Betreiber nicht mitbekommt, dass ich es benutze.
Ich besuche den BMW-Konfigurator nur über einen Proxy in Mittelafghanistan, um gar nicht erst den Verdacht aufkommen zu lassen, ich könnte nach rund 30 Autos, die ich bei BMW gekauft habe, ein potentieller Kunde sein.
Das dürfte für's Erste reichen.

Und überhaupt: wann kommt endlich die Umfrage zur Umfrage?
Wie zufrieden sind sie mit der Kundenbetreuung? Können wir Ihnen helfen, indem wir sie häufiger anrufen? Wären SMS in den billigen Nachtstunden eine Lösung? Sind sie überhaupt Kunde bei uns?

Und irgendwo steht so ein süßlicher Nachwuchsmarketier mit schlecht sitzendem Anzug vor seinem Vorstand und verhaspelt sich beim Ablesen seiner Slides, dass 98% aller Kunden überaus zufrieden seien.

Ich gehöre wohl zu den zwei Prozent, die genervt sind. Ich muss gleich mal eine Umfrage bei mir selbst durchführen.
 
Hä hä, sehr amüsant geschrieben! Ich gehe nur noch bei mir bekannten Nr. ans Telefon, anonym wird ganz ignoriert. Ausserdem gibt es nur noch ein Nothandy im Auto, sonst bin ich ganz entgegen der eindeutigen Mehrheit offline! Ist gleich viel ruhiger in meinem Leben geworden, auch wenn sich viele ein Leben ohne WhatsApp nicht mehr vorstellen können. Geht wunderbar! Nur die Damen an den Kassen konnte ich noch nicht überzeugen, das ich nie Payback-Punkte sammeln werde, egal wie lange und oft sie noch fragt.
 
Getoppt wird das noch von der Automag, da ruft mich der Serviceberater - den ich übrigens nie getroffen habe - gleich nach der Abholung an und bittet darum, ihn und die Werkstatt wohlwohlend zu bewerten :j
 
Getoppt wird das noch von der Automag, da ruft mich der Serviceberater - den ich übrigens nie getroffen habe - gleich nach der Abholung an und bittet darum, ihn und die Werkstatt wohlwohlend zu bewerten :j


Und die tolle BMW-Vertrags-Werkstatt - genau die, mit der ich so zufrieden bin :(- gibt mir sogar noch schriftlich auf deren Rechnung vor, was ich denn bei einem Anruf zur Kundenzufriedenheit zu sagen hätte.
Und weil ich ja auch so zufrieden mit den Jungs da bin, habe ich exakt diese Rechnung (mit der markierten Textpassage) direkt an BMW mit der Bitte um Kenntnisnahme geschickt.
Passiert ist danach nichts mehr, weder von BMW habe ich was gehört noch von diesen CallCenter-Affen!

Und jetzt schon wieder das Gleiche bei der VW-Werkstatt für mein T-Car.
Mich kotzt das an und ich werde gleich nach Pfingsten mal in aller Sachlichkeit ein Wörtchen mit dem Service-Berater dort wechseln.
Dieser Mensch hatte keine Zeit, mir telefonisch eine Frage zur zuvor durchgeführten Inspektion zu beantworten, "ich möge mich doch bitte noch mal telefonisch bei ihm melden... oder wollen wir einen Termin machen?"
Und gerade letzte Woche haben wir dort noch den 3. VW innerhalb unserer Familie gekauft!
 
Es gibt diese Telefonbefragung nicht für den Kunden.
Es geht ums Autohaus. Die Autohäuser werden damit kontrolliert - und wenn diese eine ganz bestimmte Quote nicht erfüllen, gibt's weniger Geld vom Hersteller.
Nervig ja. Aber ich finde man kann das Autohaus durchaus unterstützen - wenn alles gepasst hat...
 
Es gibt diese Telefonbefragung nicht für den Kunden.
Es geht ums Autohaus. Die Autohäuser werden damit kontrolliert - und wenn diese eine ganz bestimmte Quote nicht erfüllen, gibt's weniger Geld vom Hersteller.
Nervig ja. Aber ich finde man kann das Autohaus durchaus unterstützen - wenn alles gepasst hat...


Gerne! Aber auch nur dann... wie beispielsweise bei meinen jetzigen BMW-Schraubern!

Die Aussage "Gut" entspricht dabei aber keineswegs der Note 2, wie auch "Zufrieden" nicht der Note 3 entspricht.
Man kann sich das ungefähr vorstellen wie die Bewertungen in Arbeitszeugnissen, da darf auch nichts Negatives vermerkt sein, also zum Beispiel

"gute, praktische Kenntnisse" = Note 2
"gute Fachkenntnisse" = Note 3
"Notwendiges Fachwissen" = Note 4

"stets zuverlässig und gewissenhaft" = Note 2
"zuverlässig und gewissenhaft" = Note 3
"sorgfältiger Mitarbeiter" = Note 4

Man beachte also bitte die feinen Unterschiede in der Formulierung, sonst tut man "seinem" Autohaus auch keinen Gefallen.
Manch einer, der das nicht weiß, hätte also möglicherweise - auch wenn er was Gutes tun wollte - besser überhaupt nicht an einer solchen Befragung teilgenommen!?
 
Mir hat mal ein Mercedesverkäufer gesagt , wenn ich zufrieden war muss ich mit sehr gut bewerten , gut gibt schon Abzüge .....
Der Verkäufer sowie die Abwicklung waren auch sehr gut und sympathisch von daher habe ich die Befragung auch geduldig über mich ergehen lassen .
 
Meinen Zetti (gebraucht, damals 3 Jahre alt) hab ich von einem großen BMW-Händler gekauft. Übrigens mein erster BMW.
Bei diesem BMW-Händler spielte Kundenzufriedenheit eine untergeordnete Rolle.
Bei den 3 nach dem Kauf erkannten Mängeln bedurfte es unzähliger Telefonate und mehrerer Briefe mit abschließender Fristsetzung
ehe nach 3 Monaten ein halbwegs akzeptables Gesamtergebnis für mich erreicht werden konnte.
BMW - Premium Hersteller - in meinem Fall nicht zu erkennen.
Ich hätte mir einen Anruf von BMW o. einer Telemarketingorganisation gewünscht.
Grüße Jürgen
 
Mir hat mal ein Mercedesverkäufer gesagt , wenn ich zufrieden war muss ich mit sehr gut bewerten , gut gibt schon Abzüge .....
Der Verkäufer sowie die Abwicklung waren auch sehr gut und sympathisch von daher habe ich die Befragung auch geduldig über mich ergehen lassen .
Exakt so ergeht es mir bei BMW bei Inanspruchnahme der Werkstatt. Und ehrlich gesagt: Es gefällt mir durchaus, dass man dort großen Wert auf eine sehr gute Bewertung legt, gibt es mir als Kunden doch das Gefühl, auf dem Wege einer kritischen Beurteilung auch etwas bewirken zu können. Und ich muss sagen, die Leistung dort geht absolut einher mit dem Bestreben der Werkstatt, vom Kunden Bestnoten einzuheimsen. Bei Ford hatte ich im Gegensatz dazu mal den Laden vor etlichen Jahren in reichlich Aufruhr versetzt mit einer "adäquaten" Beurteilung, das hat schon richtig gesessen!
Bei mir halten sich die Anrufe allerdings auch in Grenzen – ich lass halt auch nicht so viel basteln wie andere :D. Gut dass Dieters Telefon öfters klingelt, sonst wäre uns sein amüsanter Beitrag hier ja durch die Lappen gegangen ;).
 
Musste es auch vor kurzem über mich ergehen lassen,durfte diese Befragung am pc erledigen durch eine E-Mail die ich bekommen habe
Hatte für alles was gemacht wurde ein zufrieden angekreuzt,2 Tage später bekam ich einen Anruf von dem Autohaus und wurde quasi angemacht das ich nicht mit hervorragend angekreuzt hätte,es wäre mir doch gesagt worden das ich das so machen sollte
1) wurde mir es so nicht gesagt,zwar sagte man mir das wenn jemand von BMW anrufen würde,sollte ich nur das beste sagen
Zufrieden wäre wie eine 4 in der Schule,damit haben sie mir den restlichen Tag versaut
 
Irgendwie steh ich auf einer schwarzen Liste ;)
Beim Auftrag erteilen, gebe ich (m)eine Festnetztnummer an, aber hach, da ist ja eine Zahl zuviel. Macht nichts, die Nummer gibt es einfach nicht.
Nachdem der Auftrag im System ist, sag ich dann meinem Meister die Handynummer, die kommt dann per losem Zettel in die Arbeitsmappe.

Noch nie von einer Hotline angerufen worden :b
 
Auf den Hinweis des Händlers, dass ich doch bitte den Service mit "hervorragend" beurteilen soll, denn alles andere würde zu Punkteabzug führen, antworte ich immer gleich: Sorgen Sie dafür, dass wirklich alles hervorragend ist, dann kann ich auch sagen, dass es so war.

Tim
 
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