Ägypter erheben sich

LuiGermany

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11 Februar 2007
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BMW Z4 e85 roadster 2,0i
Seit Tagen verfolge ich mit Interesse und manchmal auch mit Angst was in Ägyten passiert.
Da sterben viele Menschen erneut ,nachdem sie vor nicht langer Zeit glaubten das alles besser wird.
Und nun erheben sie sich wieder.
Meine Meinung ist: zu Recht.
Jedenfalls wünsche ich ihnen das sich alles zum Guten wendet und endlich wieder Ruhe und eine
Zukunft für das Land sich eröffnet..
Lui
 
Seit Tagen verfolge ich mit Interesse und manchmal auch mit Angst was in Ägyten passiert.

Das Erschrecken teile ich. Es ist für mich aus rein naturwissenschaftlicher Sicht unbegreiflich wie nachweislich nach frei erfundenen Dingen i.e. Religionen ausgerichtete Gesellschaftskonventionen und Gesetze das Leben von Millionen Menschen mit freiem Denken nachhaltig negativ beeinflussen. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Erfahrung die unsicheren Wähler der radikalen "Freiheits- und Gerechtigkeitspartei" endgültig geläutert hat, dem Kern der Muslimbruderschaft ist aber wohl ohnehin nicht mehr zu helfen. Ich hoffe nur, dass diese Situation nicht in einem Bürgerkrieg endet. Auch über eine kurze Zeit wären die Opfer wieder einmal die Schwächsten der Gesellschaft.
Nur wird auch die Übergangsregierung in Form des Militärs keine Stabilität gewähren können.

Der Mut der Menschen ist beeindruckend. Das Feuerwerk auf dem Tahrir-Platz symbolisiert vielleicht den langersehnten tatsächlichen Neuanfang. Es wäre bitter, wenn das Gedankengut des arabischen Frühlings keine Vollendung findet.

Gruß,
Phil
 
Es ist für mich aus rein naturwissenschaftlicher Sicht unbegreiflich wie nachweislich nach frei erfundenen Dingen i.e. Religionen ausgerichtete Gesellschaftskonventionen und Gesetze das Leben von Millionen Menschen mit freiem Denken nachhaltig negativ beeinflussen.
Das ist ja witzig - dasselbe dachte ich als ich gerade im E10-Thread mein Unverständnis ausgedrückt habe :t
 
Das Erschrecken teile ich. Es ist für mich aus rein naturwissenschaftlicher Sicht unbegreiflich wie nachweislich nach frei erfundenen Dingen i.e. Religionen ausgerichtete Gesellschaftskonventionen und Gesetze das Leben von Millionen Menschen mit freiem Denken nachhaltig negativ beeinflussen. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Erfahrung die unsicheren Wähler der radikalen "Freiheits- und Gerechtigkeitspartei" endgültig geläutert hat, dem Kern der Muslimbruderschaft ist aber wohl ohnehin nicht mehr zu helfen. Ich hoffe nur, dass diese Situation nicht in einem Bürgerkrieg endet. Auch über eine kurze Zeit wären die Opfer wieder einmal die Schwächsten der Gesellschaft.
Nur wird auch die Übergangsregierung in Form des Militärs keine Stabilität gewähren können.

Der Mut der Menschen ist beeindruckend. Das Feuwerk auf dem Tahrir-Platz symbolisiert vielleicht den langersehnten tatsächlichen Neuanfang. Es wäre bitter, wenn das Gedankengut des arabischen Frühlings keine Vollendung findet.

Gruß,
Phil

Hallo Phil,
ich möchte Deinen Post gerne kommentieren, weil es durchaus auch eine andere Sicht der Dinge gibt.

Man sollte nicht vergessen, dass Mursi ein demokratisch gewählter Präsident war. Diese Wahl war das Ergebnis
des "arabischen Frühlings". Wer sind jetzt die Leute, die gegen den Wählerwillen aufbegehren? Wähler, Nichtwähler
oder sind es tatsächlich die Menschen, die daran gehindert wurden Ihren Wählewillen auszudrücken?

Ich sehe es auch als gefährlich an, immer auf die muslimischen Länder zu deuten, wenn es um eine Vermischung
von Religion und Politik geht. Diese Vermischung gibt es auch in Deutschland. Natürlich in einer anderen Ausprägung,
aber auch hier beeinflusst das religiöse Denken und Handeln Einzelner das Leben aller Bürger. Die Vorstellung einer
Trennung von Staat und Kirche ist und bleibt auch in Europa eine Illusion.

Gruß,
Thomas
 
Das ist die Frage. Wie sauber war diese demokratische Wahl. War sie evtl eher "demokratisch" oder war sie demokratisch?

Diese Laender sind allerdings deutlich staerker mit ihrer Religion verbunden. Säkularisierung und Laizismus sind da irgendwie Fremdwoerter und eine Religionskritik konnte sich nie entwickeln. So lange das so bleibt, ist keine vernuenftige Demokratie zu erwarten. Das ist nicht vergleichbar mit dem religioesen Einfluss in unseren Breitengraden.
 
Ohne dass ich für meine Meinung Belege habe,aber ich denke das Eingreifen des Militärs hat hauptsächlich wirtschaftliche Gründe. Die Hotels am roten Meer sind zum großen Teil in der Hand des Militärs und diese leiden natürlich extrem unter der politischen Instabilität im Lande. Kein Wunder,dass man dann gerne mal für "Ordnung sorgt".:w
Ansonsten bin ich in Bezug auf die gesellschaftlichen Entwicklungen im nahen Osten grundsätzlich pessimistisch. Da wird eh nur ein Potentat durch einen Anderen ersetzt oder das Land verbleibt generell in politischer und gesellschaftlicher Instabilität.
Verbessern tut sich da gar nichts,es sei denn in ganz langen Zeitzyklen.
 
Mursi war, soweit ich das in Erinnerung hab, ein von unserem großen Spitzel-Bruder unterstützter Kandidat. Von daher ist dieser Putsch gegen den "demokratisch Gewählten" erstmal lobenswert.
Da nun dieser Putsch allerdings von den US unterstützt worden sein soll(!), bleibt erstmal abzuwarten, was für Kandidaten als nächstes zur Wahl stehen.
Was da aber wirklich von statten geht, kann ja keiner von uns so richtig wissen.
Unseren Qualitäts-(US)-Medien schenke ich nicht sonderlich viel glauben. Gerade in Bezug auf amerikanische Aussenpolitik.
 
Hallo Phil,
ich möchte Deinen Post gerne kommentieren, weil es durchaus auch eine andere Sicht der Dinge gibt.

Man sollte nicht vergessen, dass Mursi ein demokratisch gewählter Präsident war. Diese Wahl war das Ergebnis
des "arabischen Frühlings". Wer sind jetzt die Leute, die gegen den Wählerwillen aufbegehren? Wähler, Nichtwähler
oder sind es tatsächlich die Menschen, die daran gehindert wurden Ihren Wählewillen auszudrücken?

Ich sehe es auch als gefährlich an, immer auf die muslimischen Länder zu deuten, wenn es um eine Vermischung
von Religion und Politik geht. Diese Vermischung gibt es auch in Deutschland. Natürlich in einer anderen Ausprägung,
aber auch hier beeinflusst das religiöse Denken und Handeln Einzelner das Leben aller Bürger. Die Vorstellung einer
Trennung von Staat und Kirche ist und bleibt auch in Europa eine Illusion.

Gruß,
Thomas


Es ist richtig, dass Mursi der erste, frei demokratisch gewählte Präsident war. Vielleicht sollte man aber nebenbei wissen, dass die muslimische Bruderschaft all die Jahrzehnte der vorherigen "Diktaturen" unterdrückt waren und viele sich lange Zeit in Gefängnissen befanden. Plötzlich waren sie an der Macht und sind aber so richtig ordentlich über das Ziel hinaus geschossen.

Mursi hatte allerdings lange Zeit eine Maske auf, die er nach ca. 7 Monaten nicht mehr "aufrecht" erhalten konnte. So hatte er immer mehr Minister gegen seine muslimische Bruderschafts-Brüder ausgetauscht. Und von der neuen Verfassung, die keine war, wollen wir erst gar nicht schreiben. Sie war ein absoluter Rückschritt ins Altertum für modern denkende Ägypter. Ergo: es bestand kein demokratisches System wie sie durch die Revolution avisiert.

Ach ja.... wer sind jetzt die Leute, die gegen den Wählerwillen aufbegehren? Es sind die selben Leute, die auch schon den 1.Frühling demonstrierten. Ich glaube nicht, dass das alles Mubarak- oder Mursi-Anhänger wären.

Apropos:
Anderer Schauplatz. Seltsam finde ich es, dass jetzt auch schon Buddisten gegen Islamisten aufbegehren. Geschieht jüngst in Myamar!
 
Ich empfinde mittlerweile so, dass überall, wo es auf der Welt (Bürger-)Kriege, Aufstände, (Massen-)Proteste, Wahlbetrug, Mord und Totschlag, usw. gibt, in irgendeiner Form immer Islamisten daran beteiligt sind... das hat auch nichts mit "rechter Ecke" zu tun!
Alle diese fanatischen Machos leben im Mittelalter und wundern sich, dass sie wirklich niemand mag,
Unsere Politiker gehen her und hofieren diese Diktatoren - ob demokratisch gewählt oder nicht - auch noch. Speziell im Falle der Türkei fordert man auch noch die Mitgliedschaft in einer christlich geprägten EU, die ein "Moslem-Bruder" Erdogan auch noch als "Christen-Bande" beleidigen darf - ungestraft!
Mir ist es völlig unverständlich, wie ein normal denkender Mensch in solchen Ländern Urlaub machen kann? (Obwohl ich mit dieser Einstellung immer wieder im Bekannten- und Verwandenkreis auf Unverständnis stoße!)
 
Mit dem Urlaubsländern bin ich 100% bei dir.
Selbst wenn ich auf die Malediven könnte (dort sollte die Massage am Strand veboten werden?), ich würde es nicht tun. (Hintergründe sollte jeder Urlaubswillige problemlos bei Google finden können)
Ich trage mein Geld nicht dahin, wo Menschenrechte, egal bie blau das Meer ist, mit Füßen getreten wird.
Selbst zum günstigen Urlaub zur Tante ich Florida werde ich mich nächstes Jahr wohl nicht durchringen können.
Viele werden jetzt denken, was für ein Spinner, nach mir die Sintflut, aber wenn ich das Leid in diesen Ländern sehe und ich soll mich dort für 14 Tage vergnügen? Hallo, ich hab noch etwas Gewissen ....
 
Die Vermeidung von Aufenthalten in streng islamisch geprägten Ländern kann ich gut nachvollziehen. :) :-) Nicht verstanden habe ich allerdings die Kritk an Florida.
 
Was im Moment da über den großen Teich schwappt, das macht mich auch nicht gerade glücklich. Obama hat massiv an Vertrauen verloren, und nicht nur wegen der jüngsten Wochen
 
Was im Moment da über den großen Teich schwappt, das macht mich auch nicht gerade glücklich. Obama hat massiv an vertrauen verloren, und nicht nur wegen der jüngsten paar Wochen


Obama konnte all' das Vertrauen und die Erwartungen, welche zu seinem Amtsantritt an ihn herangetragen wurden, niemals rechtfertigen und erfüllen. Auch er ist nur ein Mensch!!!
 
Mit dem Urlaubsländern bin ich 100% bei dir.
Selbst wenn ich auf die Malediven könnte (dort sollte die Massage am Strand veboten werden?), ich würde es nicht tun. (Hintergründe sollte jeder Urlaubswillige problemlos bei Google finden können)
Ich trage mein Geld nicht dahin, wo Menschenrechte, egal bie blau das Meer ist, mit Füßen getreten wird.
Selbst zum günstigen Urlaub zur Tante ich Florida werde ich mich nächstes Jahr wohl nicht durchringen können.
Viele werden jetzt denken, was für ein Spinner, nach mir die Sintflut, aber wenn ich das Leid in diesen Ländern sehe und ich soll mich dort für 14 Tage vergnügen? Hallo, ich hab noch etwas Gewissen ....

aber in deutschland - wo reinigungskräfte im hotelbereich für paar euro etwa 10std pro tag ausgebeutet werden, hunderte menschen unter brücken schlafen und kinderschänder weniger strafe zu erwarten haben, als ein steuersünder - wohnen ist für dich ok?

wenn du schon so konsequent bist, solltest dich aufn mond schiessen lassen - da würde ich dir dein "ich mach hier einen auf moralapostel mit weisser weste" abnehmen.

kleiner tipp von mir (der sich jahrelang in krisengebieten rumgetrieben hat): gerade vor ort kannst du was tun (man kann doch seinen urlaub auch mal mit was "nützlichem" verbinden) -> nicht hinfahren = nichts tun = weg sehn -> und du redest von gewissen? :rolleyes:
 
Die Vermeidung von Aufenthalten in streng islamisch geprägten Ländern kann ich gut nachvollziehen. :) :-) Nicht verstanden habe ich allerdings die Kritk an Florida.
Hm, ich war letztes Jahr für einen Kunden in der Türkei und ich muß sagen das die Kollegen/Kolleginnen(!) dort in Umgang und Know-How sehr angenehm waren.
Die Türkei würde ich auch nicht als streng islamisch geprägtes Land betrachten (Du hattest dich vermutlich eher auf die Malediven bezogen).
Was im Moment da über den großen Teich schwappt, das macht mich auch nicht gerade glücklich. Obama hat massiv an Vertrauen verloren, und nicht nur wegen der jüngsten Wochen
Das sollte man nicht übermäßig gewichten, mal schauen wie sich Mr. Christie demnächst als Präsident macht.
Obama konnte all' das Vertrauen und die Erwartungen, welche zu seinem Amtsantritt an ihn herangetragen wurden, niemals rechtfertigen und erfüllen. Auch er ist nur ein Mensch!!!
Ack, aber ein Ausrufezeichen reicht auch.
Zudem sollte bei der Beurteilung Obamas die derzeitige Verteilung der Sitze in Senat und Repräsentantenhaus berücksichtigt werden.
Der Typ hat's nun wirklich nicht leicht...

... Speziell im Falle der Türkei fordert man auch noch die Mitgliedschaft in einer christlich geprägten EU, die ein "Moslem-Bruder" Erdogan auch noch als "Christen-Bande" beleidigen darf - ungestraft!
Mir ist es völlig unverständlich, wie ein normal denkender Mensch in solchen Ländern Urlaub machen kann? (Obwohl ich mit dieser Einstellung immer wieder im Bekannten- und Verwandenkreis auf Unverständnis stoße!)

Ich habe während meines Aufenthaltes dort den Eindruck gewonnen das die Türkei ein Land im Umbruch ist, es würde mich auch nicht wundern, meine Kollegen vom letzten Jahr auf den Bildern vom Gezi-Park zu sehen.
Meines Erachtens würde die EU gut daran tun, die Zivilgesellschaft in der Türkei zu stärken und die Integration in Richtung Europa zu fördern. Da mag eine Aufnahme in die EU ein probates Mittel sein, solider als Bulgarien und Rumänien ist die Türkei vermutlich schon.
Zur Erinnerung: In der Türkei gab's in den 90ern (iirc) bereits eine Ministerpräsidentin (Tansu Ciller) und die Trennung von Kirche und Staat ist auch in Deutschland bei weitem nicht vollkommen.
Der laizistische Staat wurde von Atatürk verordnet, gebt dem Land/den Menschen doch bitte ein bisschen mehr Zeit in der Gegenwart anzukommen. Im historischen Kontext ist die Gründung der modernen Türkei wirklich nicht lange her...

Mit steigendem Bildungsniveau wird auch in der Türkei der Einfluss der Religion abnehmen und dabei sollte man die Menschen dort unterstützen.

Gruß,

Björn

p.s. Ich war nur in Istanbul, das mag meine Eindrücke durchaus beeinflusst haben.
 
Ich versuche mein Leben so angenehm zu leben wie es eben geht, wer macht/versucht das nicht.
Da gehört aber auch dazu, ein Land nicht mit einem bisschen Geld im Urlaub zu beglücken welches massive Probleme mit den Menschenrechten hat.
Wenn jemand damit Leben kann, dass in einem abgeschlossenen Urlaubsresort alles in Ordnung ist, in den Metropolen der Bär steppt, gerne, akzeptiert. Aber im Hinterland werden Menschen unterdrückt und umgebracht.
Das zieht der Vergleich mit der Reiningungkraft und Obdachlosen nicht.
Und Urlaub sollte Urlaub sein, keine Ploitik oder Kindern essen bringen. Was ich in der Nichturlaubszeit mache, das stand hier nicht zur Debatte.
 
Obama konnte all' das Vertrauen und die Erwartungen, welche zu seinem Amtsantritt an ihn herangetragen wurden, niemals rechtfertigen und erfüllen. Auch er ist nur ein Mensch!!!

Erinnert mich an die "Seeligsprechung" des Herrn Clinton. Der Patriot Act war nach 1993 von dessen Regierung vorbereitet und nach 2001 innerhalb von wenigen Wochen durchgesetzt.

Nur assoziert man den einen mit Zigarren, den anderen mit dem Wilden Westen ;)

Kommt darauf an, wie man sich verkauft.
 
aber in deutschland - wo reinigungskräfte im hotelbereich für paar euro etwa 10std pro tag ausgebeutet werden, hunderte menschen unter brücken schlafen und kinderschänder weniger strafe zu erwarten haben, als ein steuersünder - wohnen ist für dich ok?

wenn du schon so konsequent bist, solltest dich aufn mond schiessen lassen - da würde ich dir dein "ich mach hier einen auf moralapostel mit weisser weste" abnehmen.

kleiner tipp von mir (der sich jahrelang in krisengebieten rumgetrieben hat): gerade vor ort kannst du was tun (man kann doch seinen urlaub auch mal mit was "nützlichem" verbinden) -> nicht hinfahren = nichts tun = weg sehn -> und du redest von gewissen? :rolleyes:

da hast Du leider Recht. Nur haben wir in der Bundesrepublik nach wie vor ein soziales Sicherungsnetz, bei dem zumindest die drei Grundbedürfnisse "Essen, Trinken, Schlafen" abgedeckt werden.

Im übrigen gehe ich mit Dir konform, dass man aktiv Hilfe leisten muss (das habe ich in meinem Leben sehr, sehr oft getan und werde es weiter tun). Ich meine damit nicht Spenden durch das Finanzamt abrechnen ;)



Allerdings habe ich auch ein Störgefühl, in einem Land meinen Urlaub zu verbringen, am Strand zu liegen und 100m weiter leben Menschen im Dreck und hungern, da mein Geld in Taschen fließt, um Waffen zu kaufen, wenige Herrschende mit überflüssigem Luxus zu bedienen.
 
Eigentlich ist die Welt doch recht simpel gestrickt.

Es gibt doch so ein schönes Sprichwort: Geld regiert die Welt. Wer also viel Geld hat, hat auch viel Macht, oder wird Sie bald haben.

Also schaut man sich einfach an, wie Geld entsteht, wie es in Umlauf kommt und vor allem wer das kontrolliert.
Und genau hier liegt die Ursache (fast) allen Übels.

Der Rest sind lediglich Symptome (Krieg, Armut, Hunger, etc.) davon.
 
Respekt, daß sich die Ägypter wieder wehren! Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
Einige meiner Arbeitskollegen (u.a. eine Ägypterin, ein Palästinenser sowie ein Lybier, alle Anfang dreißig und mit Familie "unten" vor Ort) verfolgen das Thema mit brennendem Interesse.
Aber es ist auch belastend, mal wieder(!) mitanzusehen, wie diese in sorgenvoller Angst um ihre Freunde und Familie leben müssen. Tagtäglich versuch(t)en sie, auf irgendeine weise mit "den Lieben daheim" zu kommunizieren. Meistens gelingt es, inshalla.
In den letzten drei Jahren waren einige tweets, mails und vor allem Anrufe und Videos dabei, die einem echt das Blut in den Adern gefrieren liessen. Wieder einer gestorben, den man vor Ort gut kannte, ein Cousin hier, ein Opa dort... Am Tag, als Qaddhafi gelyncht wurde war mein Kollege komplett aus dem Häuschen und hat einen ausgegeben. Sehr gut nachvollziehbar, hatte er wochenlang aus Misrata nur sehr wenig von seiner Familie gehört und zu diesem Zeitpunkt bereits einige Todesnachrichten von ehemaligen Klassenkameraden ertragen müssen, die vor Ort gekämpft hatten und getötet worden waren. Für 1 Woche wusste er z.B. nur um die Tatsache, daß das Haus der Familie zerbombt worden war und nicht, ob sich jemand darin aufgehalten hatte. Echt schrecklich.

Haben die Stürze Saddams, Ben Alis, Gaddafis, Mubaraks und wahrscheinlich bald auch der Assads eine blühende Landschaft hinterlassen bzw. werden sie dies tun? Eher nicht. Fast immer folgte eine Stärkung des religiös motivierten Extremismus. Diese Gruppierungen haben unter den autoritären Regimen stets gelitten, genossen jedoch einen fundamentalen Rückhalt in Teilen der Bevölkerung, vor allem auf dem Land. Hierin liegt auch das ägyptische Problem: Auf dem Land wird eher konservativ gewählt, dort werden Wahlen enschieden. Die Muslimbrüder waren und sind es auch heute, die an der Basis arbeiten und teilweise Grundbedürfnisse wie Wasser, Brot und Schule befriedigen, indem sie den ärmsten der Armen eine Lebensgrundlage bieten. Daraus generiert sich dankbar ein ideologischer Fundamentalismus der heute das Ergebnis einer jahrzehntelang verfehlten Politik ist.
Die Einblicke, die ich durch persönliche Dokumente und Erzählungen erhalten habe sind teils so verstörend, dass man irgendwann nachvollziehen kann, warum sich in letzter Instanz "für eine Sache in die Luft gesprengt" wird. Obwohl ich sowas zutiefst verachte.
Da sind jedoch auch die Erinnerungen an ganz alltägliche Erniedrungen, z.B. der Willkür eines Soldaten ausgesetzt zu sein.
Der palästinensische Kollege musste bei Heimflügen eine israelische Maschine nehmen. Was meint ihr, wie frei man als Palästinenser reisen kann? Vier Stunden vorher dasein, bis auf die Unterhose ausziehen, als letzter in den Flieger der israelischen El-Al einsteigen, als erster austeigen, sich in Tel Aviv wieder bis auf die Unterhose ausziehen und dann 4-8 Stunden im Zoll warten, bis ein kaugummikauender 20-jähriger israelischer Soldat die Einreise gewährt. Dann weiter bis zu den Pälästinensergebieten am nächsten Checkpoint, wieder Kontrolle, wieder alles ausziehen. Wieder warten. Weiterfahrt erstmal untersagt. Warten. Immer und immer wieder warten. Drei Stunden Flug, 48h unterwegs.
Ebenso verhält es sich mit dem täglichen Weg zur Schule entlang des israelischen Schutzzaunes. Du läufst als Schüler eine halbe Stunde den Weg bis zum Checkpoint, gehst dort rüber und läufst wieder eine halbe Stunde zurück, um zu deiner Schule zu gelangen, die Luftlinie keine 1000m weit weg ist. Während im gelobten Landstrich die jüdischen Siedlerkinder aus ihren klimatisierten Schulbussen winken.
Wenn es dann besonders heiß wurde, durchaus im doppelten Sinne gemeint, verweigerten die Grenzposten gerne einmal den palästinensischen Bauern die Passage mit schwerem Gerät oder ein paar tausend Litern Wasser im Tank. Der Landwirt musste miterleben wie gegenüber auf dem Acker, willkürlich durch eine Wand getrennt, die Ernte vertrocknete. Spätenstens, wenn Hamas mir und meiner Familie dann einen Sack Weizen schenkt, würde auch ich die Faust erheben, Ja! zu politisch motivierter Gewalt sagen, meinem dreijährigen Sohn ein grünes Stirnband anziehen, ihm eine Kalschnikow in die Hand drücken und raus mit ihm auf die Strasse. Das ist die regelmäßig wiederkehrende, traurige Realität. Sehr oft habe ich mit meinen arabischen Freunden teils heftige Diskussionen wegen des bewaffneten Widerstands geführt. Im Grunde verabscheuen auch sie die Gewalt. Es ist deren ultima ratio. Sie sagen, wenn wir jetzt nicht aufstehen, wann dann?

Ungerechtigkeit, fehlende Bildung, Armut, Wut und Hass machen empfänglich für eine Doktrin und sei diese noch so sinnfrei.
Es spielen aber auch die kulturellen Hintergründe und große politische bzw. historische Fehlentscheidungen eine immense Rolle. Da ist zum einen die religiöse Erziehung und Überzeugung, die je nach Handhabung und Auslegung überhaupt keinen Spielraum nach dem Motto "leben und leben lassen" kennt. Da sind zum anderen die vor vielen Jahren, willkürlich mit Lineal gezogenen Grenzen durch den afrikanisch-arabischen Kontinent, die ebenfalls verantwortlich für tödliche Konflikte zeichnen. Unterschiedliche Ethnien und religiöse Überzeugungen mussten sich zwangsweise arrangieren, sehr häufig hat das nicht geklappt (Stammesproblematik). So gibt es auch in der arabischen Umma immer wieder gegensätzliche Meinungen und Interpretationsweisen des Islam, die in bewaffneten Auseinandersetzungen, Bombenattentaten und vielfachen Mord gipfeln. Sunniten, Schiiten, Wahabiten beispielsweise sollte man besser nicht in einen Raum sperren...

Der interreligiöse Konflikt in Myanmar ist vermutlich kein neuer. Er wird, leicht abgeändert, im Norden und Süden Thailands schon seit Jahrzehnten geführt und gut durch das Militär gemanaged. Schließlich will man dort in Urlaub. Überall nähren Armut und tradierte religiöse/kulturelle Meinungsverschiedenheiten den Konflikt. In den diktatorisch geführten Ländern schwelten diese Konflikte immerfort, kamen aber nur selten an die Oberfläche und wurden daher wenig beachtet. Das gleiche gilt für den indischen wie auch den afrikanischen Teil dieser Welt.

Die feigen, in sich gelähmten europäischen Staaten und v.a. die englischen und amerikanischen Regierungen haben vermutlich stets das für sie kleinere Übel gewählt. Ich denke, die thinktanks wussten warum.
So hat man Diktatoren die Stange gehalten, sie eingesetzt, abgestzt und ersetzt um sich selbst nicht die Finger zu verbrennen. (BTW. Gibt es denn jetzt eigentlich Freiheit am Hindukush oder nicht? Bitte klärt mich auf. Wenn doch schon zu Kolonialzeiten die Engländer und später jahrzehntelang die Russen sich an den paschtunischen Stämmen die Zähne ausgebissen haben, warum sollte das dann der Nato gelungen sein?)
Extremismus wie auch ethnische Konflikte blieben jahrzehntelang vor Ort unterdrückt, bisweilen unbeachtet und konnten nur schwerlich nach Europa und Amerika gelangen. Bis jetzt...bis die modernen Medien kamen und nun alles mit voller Wucht frei Haus liefern.

Putin und die demokratisch gewählten Diktatoren seiner Satellitenstaaten (vormals UdSSR) werden noch jede Menge Spass mit religiös motiviertem Fundamentalismus bekommen, Tschetschenien ist erst die seit zwanzig Jahren andauernde Ouvertüre. Innerchinesische Konflikte? Ausser ein bischen Tibet oder Taiwan hört man nicht allzuviel. Die chin. Regierung hat das neben dem wahabitischen Königshaus bis dato noch am besten im Griff. Revolution in Bahrain, Saudi-Arabien oder gar Russland 2.0 (eigentlich ja 3.0) ? Never ever.
Die einen (fundamentale Wahabiten, die größten Freunde der freien und demokratischen Amis, welch ein Hohn) sitzen auf unserem Treibstoff, die anderen (Chinesen und Russen, die größten Freunde von Angie) kaufen uns alles ab und spielen ebenfalls die Energiekarte. Da schüttelt man als Diplomat lieber fleissig Hände, hält aufgrund der deutschen Geschichte ganz still, verkauft achselzuckend Panzer und formt mit seinen Händen ein unschuldiges Herz oder eine Raute vor dem Becken. Man lässt durch seinen smarten Regierungssprecher verkünden, daß man jetzt ganz schön böse auf die strudelnde DatenSupermacht Amerika ist. Either you´re with us or you ´re with the terrorists. Bitteschön. Da haben die Neocons, andere nennen sie WASPs, uns ganz was feines hinterlassen.
Zeit für ein Comeback: George W. hat ja noch einen Bruder und zwei Töchter...Gut, daß die ganz wertfrei und ohne religiöse Überzeugung an die Sache gehen würden.

Ich wünsche den unterdrückten Völkern jedenfalls viel Erfolg in ihrer Sache. Aber es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis man auf dem Tahirplatz oder in Kundus über E10 diskutiert.
Verzeiht meinen Sarkasmus...
Habt Euch lieb. Peace
 
Gerade eben im Lokalradio gehört: "Deutsche Politiker nach Ägypten als Aufbauhelfer" :D Bitte für immer da unten behalten!
 

Danke, du bist mir zuvorgekommen. :t

Aus meiner Sicht ist das ein ausgesprochen guter und beachtenswerter Kommentar. Auch einige der Lesermeinungen darunter sind natürlich wieder vom "Feinsten".

Auszug:

"... Die Sessel-Experten im Westen sehen dahinter nur einen Militärputsch und blenden den Willen von Millionen Ägypter aus. Es kommt selten vor, dass die Taliban, die Hamas, die US-Regierung und das deutsche Kanzleramt einer Meinung sind. Aber in diesem Fall sehen sie alle die Absetzung des ägyptischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi als einen Rückschlag für die Demokratie. Demokratie ist aber keine katholische Ehe, die einer Frau verbietet, sich scheiden zu lassen, auch wenn der Ehemann Alkoholiker ist und sie jeden Tag misshandelt und vergewaltigt. Die Islamisten waren dabei, Ägypten ins Mittelalter zurückzuschießen und ihre Macht in weiteren arabischen Staaten auszubauen. ..."
 
Sessel-Experten...sehr geil!

Passend dazu (sprich Intervention durchs Militär) bekommt Erdogan jetzt mächtig Schiss...
 
Und endlich mal jemand, der eine richtige Antwort liefert auf das Herumgeweine, dass Mursi doch ein demokratisch gewählter Präsident gewesen sei, und diejenigen, denen das jetzt nicht passt, gefälligst den Mund halten und die Kröte schlucken sollen:

"Eine Demokratie bedeutet nicht Wahlen sondern das die Macht vom Volk ausgeht. Es bedeutet weder das der Gewählte machen kann was er will noch das man die essenziellen Rechte der Bürger beschneiden darf egal ob man gewählt wurde oder nicht.Eine Demokratie ist keine Diktatur der Mehrheit sonder genau das Gegenteil. Wahlen sind der aller geringste Teil der eine Demokratie ausmacht. In einer Demokratie geht es darum das sich jeder persönlich frei entfalten kann und jeder seine Grundrechte, Menschenrechte etc... zugestanden bekommt und nicht daum das der Wahlsieger machen kann was er will." (Von "Vex" in den Kommentaren zu dem Artikel)
 
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