Ich glaube, du missverstehst mich. Ich stelle nicht in Frage, dass es für einen Neuwagenkunden über die gesamte Nutzungsdauer bereits günstiger ist, ein eAuto zu kaufen. Mir geht es nur darum, dass die Diskussion um das „günstige eAuto“ immer an der Realität in der Bevölkerung vorbeigeht. In Deutschland kaufen nur ca. 30% der Privatpersonen einen Neuwagen. Ein nicht unerheblicher Teil der restlichen 70% würde auch dann nicht an einen Neuwagen denken, wenn es plötzlich „bezahlbare“ Kleinwagen gäbe oder alle eAutos morgen 20% billiger wären.
Und noch einmal ausdrücklich: Ich halte den eAuto-Gebrauchtwagenmarkt auch in 10 Jahren nicht für die Lösung des Bezahlbarkeitsproblems, da z.B. ein 10 Jahre alter ID3 mit entsprechend alten Batterien längst nicht mehr die ursprüngliche Leistungsfähigkeit haben wird und damit deutlich eingeschränkter nutzbar sein wird als heute ein 10 Jahre alter Verbrenner. Auch im Vergleich zum ID3-Nachfolger im Jahr 2034 wird der 2024er noch deutlich schlechter abschneiden.
Als Damoklesschwert droht der wirtschaftliche Totalschaden durch veraltete Batterien.
Ich glaube nicht, dass ein 10 Jahre altes eAuto für den Durchschnittskäufer eine Option sein wird wie heute ein 10 Jahre alter Verbrenner.
Wir brauchen dringend preiswerte neue Batterien im Aftermarket, damit das funktioniert, aber da sehe ich keinen Fokus.
Dass sich der Aftermarket erst zeitversetzt entwickelt ist aber durchaus normal, auch bei klassischen Verbrennern. Teilweise aufgrund von Patenten o.Ä. Keine Frage, derzeit gibt es kaum Betriebe die Hochvoltakkus ernsthaft auf Ebene einzelner Zellen reparieren oder Aftermarket Akkus anbieten können. Aber es gibt sie schon. Ich nehme an die OEMs werden da auch gut Lobbyarbeit leisten, dass man ihnen da nicht vorzeitig in die Suppe spuckt, sprich man will von Seiten der OEMs wahrscheinlich möglichst lange am Status Quo festhalten um so möglichst immer und exklusiv Neuteile verkaufen zu können. Wie gesagt, meinem Eindruck nach war und ist das auch bei traditionellen Verbrennern so, nur gibt es dort mehr freie Werkstätten etc. die denen da in die Suppe spucken schätze ich, folglich weicht man das dann schneller auf.
Bei E-Autos sind das bisher ja nur wirklich sehr wenige Einzelpersonen, die sich wirklich mit dem Thema Akkureparatur intensiv in der Praxis befassen in der Form, dass sie defakto auch tätig werden können. Forschung zählt da für mich nicht, auch wenn das natürlich nicht weniger wichtig ist.
Will sagen ich stimme durchaus zu, dass es noch Nachholbedarf gibt, auf der anderen Seite erlebe ich die Realität als weit weniger dramatisch nach nun knapp 3 Jahren Vielfahrer mit E-Auto. Wir haben in der Abteilung knapp zwei Dutzend E-Autos, wo die ersten schon die 200 tkm geknackt haben. Vielleicht hat ja jemand eine Statistik zur Hand wie viel das durchschnittliche Auto im Deutschland während des Lebenszyklus fährt. Ich schätze mal nicht weit über 100tkm. Defekte Batterien? Keine einzige bisher.
Wie oft musste ich während dieser Zeit Fragen von außen stehenden hören wie "Wo sollen die ganzen Autos denn laden?" usw? Ich kann Zuhause nicht privat laden. Die nächste öffentliche Wechselstrom Ladesäule ist etwa 5 Gehminuten von Zuhause entfernt. Mittlerweile lade ich dort nicht mal mehr, weil ich lieber früh je nach Ladestand 10-30 Minuten am Schnelllader anhalte und dort nachlade, anstatt Auto an die Ladesäule stellen, Nachhause laufen, nach 3-5h (je nach Ladestand beim Start) wieder zur Ladesäule laufen und es wieder zurück holen (Nachts lasse ich es dort einfach stehen), einen Parkplatz suchen und dann wieder Nachhause laufen. Da kommen schnell in Summe 30 Minuten Aufwand zusammen.
Und ja ich bin mir durchaus bewusst, dass nicht jeder den "Luxus" eines Firmenwagens hat, wo der Treibstoffpreis defakto keine Rolle spielt (Schnell laden ist typischerweise teurer als langsam laden), aber das war doch beim Verbrenner auch nicht anders, oder? Ich kenne keinen Verbrenner Firmenwagenfahrer, der wirklich aktiv versucht hat günstig zu tanken. Bestenfalls tanken sie abends anstatt morgens. Nicht selten wird auf der Autobahn für utopische Preise getankt.
Bzgl. der Stromnetze sehe ich es so, dass die Netzbetreiber die letzten Jahrzehnte schlicht die Hände in den Schoß gelegt haben mehr oder weniger, der Kasse klingelt ja trotzdem. Nachtspeicheröfen spielen quasi gar keine Rolle mehr, Glühbirnen setzt auch nahezu niemand mehr ein, Hausgeräte zum kochen, waschen, spülen sind effizienter geworden. Ich möchte behaupten, dass in den letzten beiden Jahrzehnten mehr Strom eingespart wurde, als durch Dinge wie intensiveren Konsum digitaler Medien durch Smartphone, Laptop, Computer etc zusätzliche Verbraucher dazu kamen. Zumindest im privaten Bereich. Daher bin ich der Meinung, dass man denen politisch Feuer unterm Hintern machen müsste, dass die Netze endlich mal zügig ausgebaut und/oder modernisiert werden. Unabhängig davon muss die Bürokratie vereinfacht und/oder beschleunigt werden. In der Praxis wird die Monopolstellung der Netzbetreiber häufig gnadenlos ausgenutzt und Antragsteller lässt man am langem Arm verhungern, eher werden Anträge abgelehnt, weil das aktuelle Netz die gewünschte Leistung nicht hergibt. Gleichzeitig wird kaum ausgebaut in den Netzen. Ich bin viel deutschlandweit auf Autobahnen unterwegs und würde behaupten es dürfte nicht außergewöhnlich sein, dass an Freileitung gearbeitet wird. Sei es Wartung oder Erweiterung/Neubau von Kapazitäten. Für mich ist jede Baustelle an Freileitungen eine kleine Sensation.