Deine Einschätzung des Verkaufserfolgs des Boxster lasse ich mal unkommentiert, zeugt sie doch nicht von grosser Kenntnis des Fahrzeuges.
Sportwagen, exklusive Coupes oder Roadster waren noch nie Massenartikel.
Der Roadsterboom der 90er täuscht da etwas darüber hinweg.
Schau mal, wer sich vor 30 oder 40 Jahren einen Mercedes oder Porsche leisten konnte.
Heute herrscht so eine Grundstimmung innerhalb der Bevölkerung, dass jeder Alles haben kann und dürfen sollte.
Smartphone, schicke Klamotten, Entertainement, 3 Urlaube pro Jahr, etc.
Sparen und hart für etwas Arbeiten hingegen ist irgendwo out, lieber leasen oder auf Pump kaufen, aber bitte sofort.
Es gibt immer Leute, die es auf die "Sonnenseite" schaffen und den dafür notwendigen Aufwand betreiben.
Gründe dafür, warum es die Mehrheit nicht kann oder will gibt es viele.
Die Gesellschaft war noch nie so offen wie heute, was vertikale soziale Mobilität angeht, man sollte die Chancen bloss auch nutzen und nicht nur die vermeindlichen Missstände bejammern.
Ich glaube, Du hast mich völlig falsch verstanden...also auf ein Neues.
Zuerst mal, ich kenne gerade so ziemlich sämtliche Porsche-Erzeugnisse wohl tiefer im Detail als die meisten hier, aber erstaunlich, dass mich anscheinend jemand besser kennt als ich mich selbst kenne. Warum Du Dich angegriffen fühlst, verstehe ich allerdings nicht, denn ich habe nicht gegen Dich oder sonst einen Porsche Besitzer hier argumentiert, denn ich weiss, dass ihr das Fahrzeug aus sehr spezifischen Gründen gekauft habt und ihr gehört zu der Gruppe der Enthusiasten, die ich weiter oben meinte. Ich finde es eher befremdlich, dass Dir das nicht aus meinem vorherigen Beitrag klar war. Dass man sich gleich so verbal zur Wehr setzen muss, ist in meinen Augen vollkommen unverständlich, man hätte ja auch nochmal nachfragen können, wie ich das gemeint habe, wenn es Dir nicht klar war. Aber lassen wir das. Ich merke nur zuletzt häufiger, dass hier im Forum immer wieder argumentiert wird, ohne mal einen Blick aus der Perspektive der Mehrheit einzunehmen. Das ist bei dem unsäglichen Verbrauchswert nach NEFZ oder der Entwicklungstendenz der Modellportfolios das gleiche Thema.
Im Prinzip sind Deine o.g. Punkte ja gerade die Bestätigung für das, was ich geschrieben habe, deswegen greife ich das gerne nochmal auf.
Natürlich waren Roadster nie Massenartikel, darum geht es ja. Nur sind die heute deutlich restriktiveren Regelungen bei Firmenfahrzeugen und die Tatsache, dass die Kundschaft von Daimler, BMW und Audi bzw. Porsche im Vergleich zu früher dramatisch weniger Privatkunden sind, mitunter einer der Gründe, die ich als Ursache dafür sehe, warum sich Roadster - Stand heute - und auch in den nächsten Jahren deutlich schlechter verkaufen werden. Dieser Trend wird weiter gehen. Ich beklage mich ja auch nicht über die Firmenwagenregelungen sondern stelle das in dem Zusammenhang nur fest. Ein weiterer Grund ist eben eine eindeutige Verschlechterung der finanziellen Situation der Bevölkerungsmehrheit (Def.: Die Leute, die sich in dem Durchschnittseinkommensfenster bewegen!), denn dass die Reallöhne in den letzten 15 Jahren deutlich gesunken sind ist ein nicht zu negierender Fakt. Ob diese Gruppe mehrheitlich bei optimaler Gehaltsentwicklung zu einem Roadster greifen würde, kann ich natürlich nicht erahnen, aber es wird die Situation ebenfalls nicht verbessern.
Zur gesellschaftspolitischen Seite, auch da stimme ich Dir zu, dass diese Haltung, alles sei möglich und man habe ein Recht darauf, absolut falsch ist! Deswegen bin ich persönlich auch ein absoluter Gegner dieses kreditfinanzierten Konsums. Und wer zur Sonnenseite will, der muss definitiv viel dafür tun. Aber sind wir ehrlich, so war es früher leichter möglich, ein gutes Auskommen zu erreichen, nicht Reichtum, davon rede ich nicht, aber schau mal, wer früher immerhin eine E-Klasse fahren konnte. Das waren oftmals einfache Sachbearbeiter. Ich bezweifle, dass sie das heute noch in dem Maße können, denn die Fahrzeugpreise steigen im Schnitt pro Jahr um etwa 3%, die Gehälter in den Ebenen aber eben nicht, und selbst wenn, dann fressen auch andere deutlich schnellere Steigerungen für z.B. Energie das mit auf. Diese berühmte Mittelschicht schwindet zunehmend und zwar immer schneller und wird in wenige gut bis sehr gut situierte Menschen und sehr sehr viele schlechter gestellte Menschen zerrieben. Auf der einen Seite der soziale und finanzielle Aufstieg einiger weniger (und ich denke, hier im Forum ist diese Gruppe deutlich stärker vertreten!) gegenüber immer mehr prekär Beschäftigter, die man willentlich in Lohnkonkurrenz mit dem billigen Ausland stellt. Die von Dir angesprochene vertikale Mobilität - und dazu gibt es Studien zu Hauf! - existiert gerade in Deutschland nicht so, wie in vielen anderen Ländern und das wird auch zu Recht immer mehr angeprangert. Hier entscheidet gerade in den Generationen der ab etwa 1985, noch stärker ab 1990, geborenen Bürger sehr viel mehr die Herkunft der Eltern, die Schule und die richtigen Kontakte, als eine pure leistungsbasierte Performance. Das ist fatal. Deswegen sage ich ja auch, dass hier trotzdem bei den meisten Forenusern nach meinem Eindruck auch der wohlverdiente Erfolg harter Arbeit zum Besitz der hier gezeigten schönen Fahrzeuge geführt hat und das gönnen wir uns doch hier auch alle. Ich halte hier niemanden für einen "faulen reichen Sack", um es mal bewusst zu überspitzen, sondern für hart arbeitende und mit vollem Engagement und Motivation erfolgreiche Leute. Es wäre nur fatal durch das Bild hier im Forum zu meinen, die durchschnittliche Gesellschaft setze sich genauso zusammen und es ist natürlich die Gefahr, dass man diesem Trugschluss erliegt. Darauf wollte ich mitunter hinweisen und die Frage, warum es nicht mehr Roadster gibt, in einen gewissen sachlichen Kontext und Gesamtzusammenhang einbetten. Ich hoffe, das ist jetzt vielleicht klarer.