Vettel hätte meiner Meinung nach nicht überholen sollen. Er verstieß gegen eine offensichtliche Teamorder und blamierte darüber hinaus seinen Teamchef Horner sowie die gesamte Red Bull-Führungsriege. Mateschitz, Marko, Horner und Newey waren allesamt nicht begeistert von Vettels jugendlichem Sturm und Drang. Anders kann ich mir z.B. Adrian Neweys Geste, als er nach besagtem Duell den Kopf in seine Hände legte, nicht erklären. Wenn so viel auf dem Spiel steht, wird es auch Gründe für eine Order geben.
Warum hat Mercedes-Teamchef Ross Brawn Nico Rosberg am Funk ehrlich und eindrücklich erklärt, daß er mit einem einzigen Überholmanöver im schlechtesten Fall die Arbeit eines gesamten Rennwochenendes, respektive des Teams gefährden könne? Das hat Rosberg, wenngleich auch zähneknirschend, eingesehen und sich infolge dessen als Teamplayer verdingt. Seinem Verhalten gebührt Achtung.
Was aber wären Vettel und Co. ohne die Arbeit eines Teams im Hintergrund? Ich denke, Vettel hat schnell gemerkt und eingesehen, daß er seiner Mannschaft (incl. Webber) einen Bärendienst erwiesen sowie teaminternen Unfrieden gestiftet hat. Sein von Lauda zu Recht kritisiertes "Rumgeeiere" und Vettels Körpersprache während des Interview liessen keinen Zweifel an einem schnellen Schuldeingeständnis aufkommen. Vettel konnte seinem Ego einfach nicht widerstehen. (Schumi, Prost, Mansell und Senna konnten dies aber auch nicht...Nebenbei, Schumachers "pass for the championship" in Spielberg war fade, aber damals schon logisch im Profisport.) Von daher: Schwamm drüber.
Interessant war in dem Zusammenhang die restliche RTL-Nachlese: Als Mercedes-Sportdirektor Toto Wolff zum Interview mit Niki Lauda und Florian König erschien, Lauda hat ja nun auch bei Mercedes was zu sagen, glichen Wolffs Ausführungen ob der unpopulären Stallregie mehr einem angstvollem Rapport eines Angestellten, der seinem Aufsichtsratschef in aller Öffentlichkeit die marktüblichen Strategien des eigenen Unternehmens erläutern musste.
Schön anzusehen, daß Lauda weder von Red Bulls noch von seiner eigenen, durch Wolff vertretenen Strategie begeistert war. In diesem Moment wirkte er nicht wie ein Mercedes-Chef sondern eher wie ein angepisster Formel-1-Fan. Eine lustige, bzw. für Mercedes peinliche Koinzidenz

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Vettels und Rosbergs Verhalten will ich nicht verurteilen.
Sind die Fahrer/Sportler etwa "Opfer" ihres Systems? Rosberg hat sich gefügt und sollte daher nicht als Loser gewürdigt werden! Er hat das Team und nicht sein Ego in den Vordergrund gestellt.
Ausserdem hat er sich bereits in den vergangenen Jahren gegen the Godfather-of-ego-himself Michael Schumacher mehr als gut behauptet.
@ eifelbub: Formel-1-Piloten sollten demnächst im Rennen über das Lenkrad twittern und wir stimmen dann in einer Umfrage ab, ob der Heckflügel geöffnet wird, wann überholt werden soll und wann es in die Box zum Reifenwechsel geht

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