Ich versuche mal, die Fragen in einem Rutsch zu beantworten.
Wir haben im Team einen der besten Chiptuner überhaupt, der sich mit allen Varianten der bei BMW verbauten Steuergeräte hervorragend auskennt, und der auch einen sehr guten Ruf genießt. Ich kläre gerade ab, ob es ihm recht ist, wenn ich seinen Namen hier ins Spiel bringe.
Das Thema Chiptuning ist ein sehr heikles Thema, aber durchaus vergleichbar der Problematik bei den Fahrwerken. An jeder Ecke findet man einen Spezialisten, der einem ein KW-Fahrwerk einbauen kann und sich nach eigenen Angaben bestens damit auskennt. Die Anzahl derer, die ein solches Fahrwerk aber perfekt abstimmen können, ist verschwindend gering.
Ähnlich ist es beim Chiptuning. In der Regel wird für ein Steuergerät bzw. Motortyp einmal etwas ausprobiert (typischerweise die Kennfelder für Zündung auf früh und Gemisch auf fett, bzw bei Turbos Ladedruck hoch, dazu noch Vmax raus) und dann war es das. Das wird dann kopiert und eingebaut. Entsprechend sind auch die Ergebnisse, die in Anbetracht von Wetterschwankungen oder Prüfstandstoleranzen oft kaum meßbar sind. Als Folge sind die Fahrzeugbesitzer zu Recht skeptisch, ob das überhaupt was bringt ("Chiptuning beim Sauger bringt sowieso nichts" usw).
Tatsächlich geht aber echtes Chiptuning viel weiter. Durch vielerlei Dinge lassen sich z.B. die Drehmomentkurve und die Art der Leistungsentfaltung positiv beeinflussen. Manche Änderungen machen nur bei einem Motor wie in der Diva Sinn, andere sind ohne Weiteres auch für die Straße tauglich. Natürlich gibt es da viele Bereiche, bei denen sich die Experten nicht in die Karten schauen lassen, da es ihr Knowhow ist.
Jegliche Diskussion zu diesem Thema gestaltet sich schwierig, weil die eine Seite ihr Knowhow nicht preisgeben will, während die andere unbedingt genau die Details erfahren möchte. Da hilft dann nur Vertrauen ab einem gewissen Punkt, bzw. der Beweis auf dem Prüfstand.
Nun zu den Motoren:
Der Motor des 3.0si hat einige Reserven, die wir im Rahmen des ersten 24h-Rennens, an dem wir teilgenommen haben, auch mal ausgelotet haben. Wir sind damals ja in der freien Klasse (SP5) gestartet, so dass wir das Auto mit Carbonteilen und auch einem anderen Steuergerät nutzen konnten. Wir hatten damals einige PS mehr als die Serienleistung. Wichtiger aber war das erhöhte Drehmoment und damit die Durchzugskraft. Hilfreich war dabei auch der Einsatz der 100-Zellen-Kats, die unter den Wagenboden verlegt wurden.
Beim S54 sieht es ähnlich aus. Im Serientrimm entwickelt er die Leistung bis ca. 4.500 1/min in recht bescheidener Form, dann kommt der große Kick. Das ist zwar ein wunderbares Mittel, um kleine Jungs am Sabbern zu halten, aber nötig ist es nicht. Oftmals sind Umweltbestimmungen schuld daran, dass ein Motor bei einer bestimmten (Prüf-)Drehzahl kastriert wird. Ich habe mal nachgefragt, mit Serienauspuff und nur anderen Kats sind ca. 355 bis 360 PS standfest machbar, wenn der Motor in Ordnung ist. Allerdings sieht dann die Drehmomentkurve ganz anders aus, entsprechend geht das Auto dann auch. Eine Drehzahlerhöhung sehen wir nicht bei dem Motor, der dreht eh schon hoch genug.
Das war ja unser erster Test mit dem S54 als Basismotor für die Diva. Wir haben geschaut, was mit dem Serienmotor machbar ist, um eine Referenz zu haben.