Hallo zusammen,
hier zusehen ist eine "Schandgeige" (auch "Halsgeige" genannt), die den meist Weiblichen Delinquntinen um Hals und Hände gelegt wurde.
Dies geschah als sogenannte "Ehrenstrafe" nach Zänkereien, Streitigkeiten unter Frauen oder auch gelegentlich bei leichtem (oder erstmaligem) Diebstahl. Die betreffende Person wurde nach anlegen der Geige durch die Straßen der Stadt geführt oder (teilweise mehrere Tage) am Pranger zur Schau gestellt.
Die Person war nun dem Spott und dem Unmut der Bevölkerung ausgesetzt, was zu einer großen Demütigung der Delinquentin & ihrer Familie führte.
Es ist überliefert, dass die "zur Schau gestellten" mit Urin & Kot überschüttet und beworfen und gelegentlich sogar geschlagen und absichtlich massiv verletzt wurden.
Diese "Halsgeigen" gab es aus Holz und aus Eisen, sowie in einer Version, in die zwei Frauen gleichzeitig (angesicht zu angesicht) eingespannt werden konnten, die sich z.B. gestritten hatten.
Interessant wäre noch zu erwähnen, dass solche "Schandgeigen" im Schweizer Kanton Graubünden und Schwyz bin 1872 bzw. 1888 nachweislich in gebrauch waren. Außerdem war sie in einigen deutschen Fürstentümern bis zur deutschen Einigung 1871 in benutzung.
Das hier gezeigte Stück aus Holz mit Eisenbeschlägen hab ich auf einem Flohmarkt erstanden. Auffällig ist hierbei die (meiner Meinung nach) sehr gelungene Schnitzerei einer "Diebstahlszene".
(Diebstahl wurde allerdings nur in den seltensten Fällen mit einer Ehrenstrafe belegt. Meist viel die Strafe deutlich härter aus.)
Eine "Kettengeisel", so wie z.B. die unten abgebildete, wurde vom Scharfrichter oder einem seiner Gesellen zum Foltern benutzt.
Mit ihr wurde der Delinquent meist auf den Rücken geschlagen (aber auch an andere Stellen des Körpers) um ihn z.B. zu einem Geständis zu bewegen.
Die Messerscharfen Spitzen & Kanten der quadratischen, Blattförmigen oder auch ovalen Metallschneiden, die meist an mehreren Ketten an einem Holzschaft befestigt waren, führten in kürzester Zeit zu großen Wunden an den bearbeiteten Körperstellen und sorgten (nicht zuletzt durch den damit verbundenen hohen Blutverlust) meist für ein schnelles versterben der Person.
Man liest sich.... bis bald...
Quellen:
-Der Scharfrichter-seine Gestalt-seine Funktion von Helmut Schuhmann, Verlag für Heimatpflege Kempten & Allgäu 1964
-Inquisition & das Verbrechen der Todesstrafe von Robert Held, Swan Buch & Marketing GmbH 1982
-Die Folter in der deutschen Rechtspflege von Rudolf Quanter (Nachdruck von 1900) Weltbild Verlag 1998
-Folter, Pranger, Scheiterhaufen-Rechtssprechung im MA von Wolfang Schild, Bassermann Verlag 2010