Lieber OLO,
wir kennen uns nicht persönlich und ich möchte Dir wegen eines einzelnen Forenpostings auch nicht öffentlich ans Bein pinkeln, aber wenn ich so etwas lese, schwillt mir dermaßen der Kamm ...
Schon mal überlegt, wie ein Klinikarzt das findet, wenn Leute sich wegen Beschwerden, die schon seit 3 Wochen bestehen, nachts um 23:00 Uhr untersuchen lassen? Die Kollegen arbeiten ganze Nächte durch, weil die Notaufnahmen überquellen. Sie vergeuden ihre Energie und Aufmerksamkeit mit Lappalien, die eigentlich nicht ins Krankenhaus gehören und sind dann beim nächsten Herzinfarkt oder Schlaganfall übernächtigt oder unaufmerksam. Bezahlt werden die Kollegen als "Bereitschaftsdienst", de facto arbeiten sie oft die ganze Nacht, werden aber bezahlt, als hätten sie zumindest die halbe Nacht geschlafen. In vielen Häusern müsste wegen der Arbeitsbelastung für die Notaufnahme eigentlich ein Schichtdienst eingerichtet werden. Dies können sich aber die meisten Krankenhäuser (ca. 50% schreiben rote Zahlen!) nicht leisten.
Und die Kosten sind Dir egal! Klar, zahlt ja die Versicherung! Aber auch Dir ist klar, dass das Geld nicht vom Himmel fällt. Wir alle rechnen mit steigenden Kassenbeiträgen. lch denke, wir geben die gerne aus, wenn die medizinische Versorgung dadurch besser wird. Aber für einzelne, die "das System mißbrauchen"? Danke, da fallen mir sinnvollere Verwendungsmöglichkeiten ein. "Alle denken an sich nur ich denke an mich" ist die Denkweise, die auch das beste Sozialsystem zum kippen bringt. Deshalb ist die von Dir propagierte Vorgehensweise im wörtlichen und ursprünglichen Sinne (sorry!) asozial!
Gruss
Sebastian
PS: Das Problem löst sich übrigens an vielen Orten von selbst: Die Notaufnahmen sind oft so voll, dass sich Wartezeiten von 3-4 Stunden ergeben - da ist der Praxistermin oft komfortabler. Ich wünsche meinem Vorposter jedenfalls nicht, dass er einmal mit einem DRINGENDEN medizinischen Problem in einem Krankenhaus 3 Stunden warten muß, weil 5 Leute mit Lappalien, die keine Lust hatten einen Praxistermin auszumachen, vor ihm dran sind.
Sebastian, vielen herzlichen Dank, dass Du das Wort dazu ergriffen hast!
Wobei Dir ja nun möglicherweise auch wieder Unfairness und Lobbyismus unterstellt werden wird...
Ich habe mich bisher zurückgehalten, weil ich in meinem Ärger sicher wieder nur Worte gefunden hätte, die hier als Provokation aufgefasst worden wären und Streit verursacht hätten.
Nachdem ich mich nun einige Zeit zurückgehalten habe, lässt sich meine Antwort sicher auch sachlicher formulieren, ich will´s wenigstens versuchen.
Als ich diesen Beitrag von OLO gelesen habe, war ich vor Wut am "Qualmen".
Ich würde nun nicht so weit gehen wollen, dieses Verhalten als "assozial" zu bezeichnen, aber es ist zumindestens an Unverschämtheit nicht zu überbieten.
Ich möchte Deinen Beitrag und Deine Beweggründe gerne mal mit mir als "Fallbeispiel" untermauern:
Ich wollte eigentlich nicht in diesem Forum damit haussieren gehen, es erscheint mir nun in diesem Zusammenhang aber doch sinnvoll, um einigen unter uns mal die Augen zu öffnen:
Ich hatte im März eine Not-OP, bei der mir die linke Niere entfernt werden musste.
Wegen kaum noch zu ertragender Bauchschmerzen war ich nachts in die Notdienst-Zentrale gekommen.
Das muss man sich mal vorstellen, ich sitze da mit einem Putzeimer auf den Knien, weil ich mich vor lauter Schmerzen übergebe und sehe dabei als erstes die Assistentin des diensthabenden Arztes, wie diese die Kotze (sorry) eines Betrunkenen aufwischen muss, desinfizieren und was weiß ich nicht alles, weil man sich so nicht auf die Liege legen kann.
Vor mir war da noch jemand, der seit Tagen Zahnschmerzen hatte, aber diese jetzt nicht mehr aushielt und als Dankeschön noch den Notarzt beleidigte.
Außerdem saß da noch ein weiterer besoffener Vollpfosten, der sich an den Scherben seiner Bierflasche geschnitten hatte und mit einem kleinen Pflaster nach Hause ging.
Da saßen noch Mitbürger mit Migrationshintergrund (Verständigung mit dem Arzt kaum möglich!) mit einem Kind, dass offenbar seit Tagen Bauchschmerzen hatte.
Die 5 (!!) Geschwister schrien mehr als der kleine Patient.
Der Notarzt war komplett übernächtigt und zeigte sich mir gegenüber dennoch als freundlicher Helfer, der aber mit meinen Beschwerden zugegebenermaßen völlig überfordert war und in den letzten 16 Stunden nicht mal zusammenhängend eine viertel Stunde geschlafen hatte. Ich habe nur noch gedacht, was passiert dem armen Kerl, wenn der völlig genervt mal einen schwerwiegenden Fehler macht?
Das war ein völlig übernächtigter Allgemeinarzt, der mich dann glücklicherweise nach einer Wartezeit von gefühlt 3 Stunden, im Krankenhaus zur weiteren Behandlung behalten wollte.
Dort lief dann innerhalb kürzester Zeit der gesamte medizinische Apparat an, den unser Sozialsystem nur bieten kann. Überall nur freundliches hilfsbereites Personal, Ultraschall, CT, Labor, usw.
Ergebnis war dann eine durch eine mächtige Zyste abgequetsche Niere mit Rückstau und ebenso abgequetschten Blutgefässen, wodurch diese bereits am Absterben war!
Ich muss zugeben, hätte ich zuvor auf die Signale meines Körpers deutlicher reagiert und nicht alles ignoriert, hätten Besuche beim Hausarzt diese Eskalation möglicherweise verhindern können, dennoch fühle ich mich jetzt nicht so, als dass ich unser soziales System missbraucht hätte - aber genau darüber sollte sich OLO eventuell mal ernsthafte Gedanken machen.
Meine bessere Hälfte wollte eigentlich die 112 wählen, aber ich habe noch gesagt, da liegt vlt. jemand mit Herzinfarkt, der sterben muss, weil sich der Notarzt um mich kümmert und nachher ist alles harmlos.
Ich frage mich nun aber langsam ernsthaft, warum
ich mir über so etwas Gedanken mache, so lange es Leute wie
OLO gibt!
Sozialschmarotzer, mehr möchte ich wirklich nicht mehr sagen, mir fehlen schlicht die Worte...