AW: offen fahren im Dezember
Nach kurzer Überlegung erschließt sich mir die Fragestellung immer noch nicht. Was soll so besonders am Offenfahren im Dezember sein?
Der Mensch als solcher, und ganz besonders in der verfeinerten Form des Mannes, lebt in der Tradition der offenen Fortbewegung der letzten Jahrtausende.
Ich finde jetzt gerade kein authentisches Foto aus der Zeit vor der Erfindung des Rades, aber ich gehe fest davon aus, daß es vor dem Rad weder Klapp- noch Festdach auf Fortbewegungsmitteln gab.
Allein in jüngerer Vergangenheit - um die historische Aufnahmefähigkeit nicht zu überfordern - gibt es berühmte und sogar bekannte Formen der offenen Fortbewegung.
Beginnen wir mit Hanni Ball, die mit ihrem Gatten winters die Alpen überquerte:
In flacheren Gegenden wurden relativ offene Hundeschlitten genutzt:
Bereits bei den Ägyptern bewegte sich Ramses im RAM SES1 offen auch zur Winterszeit fort
(durch Überlieferungsfehler wurde aus SES in einer dunklen Ecke des Mittelalters SRT, was zu bedauern ist. Allerdings wird der direkte Nachfolger des Ursprungsmodells heute noch als RAM SRT10 von einer Kolonialfirma gebaut)
Die Römer waren sicher nicht die Ersten, die Wagenrennen veranstalteten, allerdings fuhren sie schon recht flott auf der Südschleife des Circus Maximus:
Und auch sie benutzen im Winter keine Schutzdächer aus Angst davor, daß ihnen der Himmel auf den Kopf fallen könnte, wie es zum Beispiel in Brittannien der Fall war.
In neuerer Zeit begann der Siegeszug des Automobils - natürlich ohne Dach:
Auf den Rennstrecken und bei Rekordjagden waren Dächer ob ihres Gewichtes und vielfältiger anderer Nachteile verpönt:
Es folgten Unmengen von Fahrzeugen, die allesamt offen bewegt wurden. Es ist keine Überraschung, daß gerade England als das Mutterland des Roadsters bezeichnet wird. Gerade dort entsprechen die Wetterverhältnisse des Sommers schon denen des mitteleuropäischen Winters, von der Nässe mal ganz abgesehen.
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Unschwer ist zu erkennen, wie elegant und entspannt die Briten mit dem Offenfahren umgehen, ohne sich um Kleinigkeiten wie das Wetter zu kümmern.
Vor dieser jahrtausendealten Tradition frage ich mich, woher die Tendenz kam, die vielfältigen offenen Fortbewegungsmittel mit einem Deckel zu verschließen? Geschah es um die Zeit, als Friseure in Mode kamen? War es als Bombenschutz in Kriegszeiten gedacht? Man weiß es nicht, der löchrige Mantel der Geschichte ist über derlei wichtige Details ausgebreitet und verbirgt sie vor unseren neugierigen Blicken.
Es scheint eine kleine Randgruppe zu sein, die sich derart fortbewegen möchte. Wahrscheinlich wird es den Kindern mit in den Kinderwagen gelegt:
So richtig werden wir es wohl nie erfahren. Bis dahin können wir aber in Ruhe im Winter offen fahren, ganz in der Tradition unserer Vorfahren.
