Petitionen für Polanski

AW: Petitionen für Polanski

Mit welcher konkreten Begründung sollte und könnte man denn hier überhaupt auf die Idee kommen, Polanski straffrei davonkommen zu lassen?

Dafür gibt es überhaupt keine Begründung, außer der Hinweis, dass dem Opfer in diesem konkreten Fall mehr gedient wäre. Ich gebe aber zu bedenken, dass es auch keine vernünftige Begründung mehr (!) gibt, ihn jetzt vor Gericht zu ziehen, da es einzig und allein eine konsequente Auslegung geltenden Rechts wäre, dieses aber gleichzeitig 30 Jahre nichts zum Schutz der Gesellschaft getan hat, und damit zweifelhaft ist.
 
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Dafür gibt es überhaupt keine Begründung, außer der Hinweis, dass dem Opfer in diesem konkreten Fall mehr gedient wäre. Ich gebe aber zu bedenken, dass es auch keine vernünftige Begründung mehr (!) gibt, ihn jetzt vor Gericht zu ziehen, da es einzig und allein eine konsequente Auslegung geltenden Rechts wäre, dieses aber gleichzeitig 30 Jahre nichts zum Schutz der Gesellschaft getan hat, und damit zweifelhaft ist.

Ich sehe Deinen Punkt, allerdings würde ich hier noch weiter differenzieren:

Seit 30 Jahren besteht der Haftbefehl ohne wenn und aber. Wäre Polanski in das Hoheitsgebiet der USA eingereist, wäre er sofort verhaftet worden. Insofern hat sich der Rechtsstaat nicht gebeugt oder inkonsequent verhalten.

Kritik kann man üben an der Nachhaltigkeit der Strafverfolgung, also: warum hat so ein Vorgehen wie jetzt in der Schweiz nicht früher schon geklappt. Vielleicht war aber die Bereitschaft der Schweiz erst jetzt gegeben, wer weiß.

Eine weitere Kritik kann man üben am Verhalten der Gesellschaft, die während dieser langen Jahre offensichtlich weitgehend über dieses Verbrechen hinweggegangen ist.

Übrigens kann man diese Situation ja auch mal mit Michael Jackson vergleichen, der erst jetzt im Tode wieder "reingewaschen" wurde von der Gesellschaft. Da ist es anders gelaufen.
 
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Hey Jan,

aber das Rechtssystem ist bereits in seiner SINNhaftigkeit erschüttert durch die lange Verzögerung der Festnahme. Hat hier ein Schutz der Gesellschaft stattgefunden? Nein... Das jetzt noch "durchzuziehen" hilft - wie schon gesagt - im Grunde niemandem mehr. Der Glaube war bei mir vorher schon weg.

Offen gesagt verstehen ich den Sinn Deiner Worte nicht. Soll der Umstand, dass manch einer möglicher Weise Zweifel am Rechtsstaat oder gar seinen Glauben daran hat, dazu führen, dass der Rechtsstaat sich noch weitergehend unglaubwürdig macht? So ganz nach dem Motto: "Jetzt haben wir schon so lange gezögert, da lassen wir es doch einfach mal ganz sein."?:s

Das kannst du sicherlich nicht gemeint haben.

Es ist doch so: Egal wie es bisher lief, die Strafverfolgung muss konsequent zu Ende geführt werden. Es geht nicht um die Frage, wem das hilft, sondern darum, dass der Rechtsstat es nicht einfach in der Hand hat, frei zu entscheiden, wen er verfolgt und wen er laufen lässt.

Wenn du also unbedingt einen Grund brauchst, dann liegt der wie gesagt in der (Wiederherstellung der) Glaubwürdigkeit des Rechtsstaates, und ggf. auch in der Botschaft, dass kein Täter sich darauf verlassen kann, dass der Staat im Laufe der Jahre einschläft!

Das sind aus meiner Sicht ganz erhebliche Gründe.
 
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Dafür gibt es überhaupt keine Begründung, außer der Hinweis, dass dem Opfer in diesem konkreten Fall mehr gedient wäre. Ich gebe aber zu bedenken, dass es auch keine vernünftige Begründung mehr (!) gibt, ihn jetzt vor Gericht zu ziehen, da es einzig und allein eine konsequente Auslegung geltenden Rechts wäre, dieses aber gleichzeitig 30 Jahre nichts zum Schutz der Gesellschaft getan hat, und damit zweifelhaft ist.

..dem konkreten Opfer ist sowieso auch durch eine Strafverfolgung nicht "gedient"! Die Tat war ja schon vollendet und das Opfer ist bereits Opfer geworden! Es handelt sich bei einer Vergewaltigung auch nicht um eine Tat, bei der die Bestrafung vom Willen des Opfers abhinge!

Ich sehe keine Zweifelhaftigkeit!Polanski hat sich über Jahre seiner Verhaftung bewußt entzogen, indem er Länder gemieden hat, welche ihn ausgeliefert hätten! Wo ist da jetzt das Problem, wenn endlich eine gewisse Einsicht gesiegt hat und evtl. dazu führt, dass er seiner gerechten Bestrafung nicht entgehen kann.
 
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...Ich gebe aber zu bedenken, dass es auch keine vernünftige Begründung mehr (!) gibt, ihn jetzt vor Gericht zu ziehen, da es einzig und allein eine konsequente Auslegung geltenden Rechts wäre, dieses aber gleichzeitig 30 Jahre nichts zum Schutz der Gesellschaft getan hat, und damit zweifelhaft ist.

Um mich nicht zu wiederholen, verweise ich auf die in meinem letzten Beitrag nochmal betonten Gründe. ;)

Es ist auch sicherlich zu einfach betrachtet wenn du vermutest, dass der Rechtsstaat dreißig Jahre lang Däumchen gedreht hat. Leider wissen wir alle nicht, was wann und wie unternommen wurde. Was ich aber weiß ist, dass die Rechtsverfolgung durch viele Dinge erschwert werden kann. Das gilt umso mehr, wenn Personen über die Kontinente hinweg gesucht und gefasst werden sollen. Es mag also durchaus sein, dass die USA die Strafverfolgung nicht zu jedem Zeitpunkt vorangetrieben haben, sondern diese immer wieder durch Unwägbarkeiten gebremst, verzögert und/oder sonstwie erschwert wurde.

Das ist aber beileibe kein Grund, irgendwann aufzugeben. Die USA haben das nicht getan, und das ist gut und richtig so! Es ist konsequent und dokumentiert, dass man die rechtsstaatlichen Prinzipien ernst nimmt.

Grüße
Jan
 
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Noch eine Kleinigkeit gebe ich zu bedenken:

Ein möglicher Ausgang eines Gerichtsverfahrens könnte auch eine erhebliche Entschädigung an das Opfer beinhalten. Mag auch im vorliegenden Fall das Opfer eine solche "Wiedergutmachung" vielleicht (???) nicht wünschen, so würde ich gleichwohl auch in einer solchen "Wiedergutmachung" ein gutes und wichtiges Signal sehen.

Es gibt auch viele andere Möglichkeiten, von denen manche durchaus der Allgemeinheit zugute kommen würden.
 
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Offen gesagt verstehen ich den Sinn Deiner Worte nicht. Soll der Umstand, dass manch einer möglicher Weise Zweifel am Rechtsstaat oder gar seinen Glauben daran hat, dazu führen, dass der Rechtsstaat sich noch weitergehend unglaubwürdig macht? So ganz nach dem Motto: "Jetzt haben wir schon so lange gezögert, da lassen wir es doch einfach mal ganz sein."?:s

Das kannst du sicherlich nicht gemeint haben.
Natürlich nicht... Der Rechtsstaat selbst hat nur eine Teilschuld - es geht hier ja hauptsächlich um Auslieferungsabkommen. Und es geht mir auch nicht darum, dass sich der Staat NOCH unglaubwürdiger machen soll.

Es ist doch so: Egal wie es bisher lief, die Strafverfolgung muss konsequent zu Ende geführt werden. Es geht nicht um die Frage, wem das hilft, sondern darum, dass der Rechtsstat es nicht einfach in der Hand hat, frei zu entscheiden, wen er verfolgt und wen er laufen lässt.

Hier ist Dein Punkt: die Strafverfolgung muss zu Ende geführt werden, weil 1. es im Gesetz steht und weil man 2. sonst den Glauben an den Rechtsstaat verliert. Ich verstehe ja Deine Meinung, aber ich möchte gerne mein Gefühl dahin äußern, dass ich in diesem Falle nicht so sicher bin, ob hier sinnvoll entschieden wird. Wenn ich entscheiden könnte, würde ich die Auslieferungsabkommen ändern, und eine Flucht damit unmöglich machen. Gleichzeitig würde ich JETZT (nach 30 Jahren) zwar keine Petition unterstützen, aber den Fall mit Euch hier diskutieren. Was mir gelungen ist.
 
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Das ist alles völlig nachvollziehbar, und ich finde die Diskussion darüber gut und richtig. :t
 
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Dieses Verfahren ist ein Leckerbissen für die Yellow Press, wobei der Ausgang vollkommen uninteressant ist. Ich glaube eher, daß ein nüchterner Prozeßverlauf mit Urteil die Sache am schnellsten einschlafen läßt.

Wird das Verfahren jetzt ohne Urteil beendet, kocht das Thema noch lange hoch. Das ist dann die Grundlage für alle möglichen Spekulationen, daß Polanski alle möglichen Leute incl. des Opfers gekauft hat, daß Promis sowieso einen Bonus haben etc etc etc.
 
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