Hallo,
hier werden ja wieder viele Themen gemixt.
EUROPA
Nun, Deutschland besteht ja auch aus einzelnen Bundesländern.Diese sind weder in Größe, Landschaft, Bevölkerung und Wirtschaft homogen. Gleiches gilt auch für die USA. Ein vereintes Europa ist insofern wichtig, da es eine Relevanz und Schlagkraft in der Welt hat und ein einigermaßen gleichgewichtiger Partner gegenüber USA, CHINA und INDIEN ist. Ich denke mittelfristig wird sogar Russland mit dazukommen. Ohne die EU würde weder Deutschland, noch die übrigen Länder so gut dastehen wie Heute (auch mit Finanzkrise). Betrachtet man die USA, so haben die den Vorteil einer einheitlichen Sprache, jedoch bröckelt der durch die starke Zuwanderung aus Asien und Südamerika. Ein vereintes Europa bedeutet auch nicht, dass jedes Land seine Eigenständigkeit aufgibt. Die Politik sieht in Texas anders aus als in Californien. Vielmehr müsste man es schaffen eine sinnvolle Europaregierung zu erschaffen, die dann eine tragendere Rolle spielt. Auf diesem Weg ist man ja derzeit.
Die kommenden Probleme wird man nur mit einem geeinten Europa bewältigen können, mit allen seinen Ländern und seinen Facetten.
FINANZAUSGLEICH
Schauen wir auf Deutschland. Es gibt einige sehr wirtschaftsstarke Bundesländer, wie Bayern, BaWü und Hessen. Länder wie Berlin, Bremen, Saarland oder MeckPom sind eher strukturschwach. Bayern würde diese Bundesländer auch gerne verschenken, da dann das Steuergeld gewinnbringender verwendet werden würde (Bayern zahlt rund 2,3 Milliarden Länderfinanzausgleich).
Doch oh nein, so einfach ist es ja nicht. Wenn man die Geschichte Bayerns betrachtet, dann war Bayern ja bis in die Mitte der 80er Jahre auch mal ein Nehmerland. Bayern war damals ein ärmlicher Bauernstaat, der auf Finanzhilfen der anderen Länder angewiesen war. Wie schnell die Zeit alles relativieren kann.
Im Grunde ist es immer die gleiche Show. Der Reichtum des einen basiert auf der Armut des anderen. Es wird immer schwächere und stärkere Bundesländer geben, genauso wie es immer stärkere und schwächere Länder in Europa oder auf der Welt geben wird. Es stellt sich vielmehr die Frage, wie sehr ist Griechenland, Spanien, Portugal, Irland oder Italien ein Teil von Europa, ein Teil von uns?
Europa (inkl. Griechenland) gibt jährlich rund 70 Mrd € für Entwicklungshilfeprojekte aus, für eigene Länder ist aber kein € übrig? Die Denkweise: "Lass die doch Pleite gehen" ist einfach zu kurz gesprungen. Wenn wir in Deutschland auf einen weiteren Wohlstand aufbauen wollen, werden wir nicht umhin kommen, unseren geliebten Mitgliedsstaaten zu helfen.
GRIECHENLAND
Die Wiege der Kultur und Demokratie. Nun dies war wohl mal. Wie auch die übrigen europäischen Mittelmeeranreinerstatten hat auch Griechenland aufgrund seiner geografischen und klimatischen Lage strukturelle Schwierigkeiten. Schön läßt sich das am Beispiel Italien aufzeigen. Der klimatisch gemäßigte Norden ist wirtschaftsstark und beinhaltet den Großteil der Industrie. Wer mal auf der Höhe Bologna einen Strich zieht, der wird feststellen, dass darunter Italien verhältnismäßig arm ist. Dieser Teil Italiens liegt auf gleicher Höhe wie Portugal, Spanien und Griechenland. Diese Landstriche sind nunmal stark landwirtschaftlich geprägt und verfügen über weniger Industrie.
Im Fall von Griechenland kommt hinzu, dass das relativ kleine Land zu 70% von Gebirgen bedeckt ist, über viele Inseln verteilt ist und sich zudem am äußeren Ende von Europa befindet. Alles keine positiven Argumente für eine wirtschaftliche Entwicklung. Zudem hat Griechenland nur etwa 11 Millionen Einwohner (Im Vergleich: Istanbul hat mehr als 12).
Nun muss man noch die Geschichte betrachten: Die Antike lassen wir mal hinter uns und gehen in die jüngere Geschichte.
Die Osmanen wurden zwar mitte des 17. Jahrhunderts vor Wien vertrieben, jedoch befand sich von 1359 bis 1827 Griechenland unter der Herrschaft der Osmanen. Was für eine Bevölkerung die Besatzung über fast 500 Jahre bedeutet dürfte wohl klar sein. Insbesondere im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert hat es die Entwicklung in Griechenland im Vergleich zum übrigen Europa maßgeblich behindert. Als Folge der Revolution konnten die Osmanen nur bis zur heutigen Westküste der Türkei zurückgedrängt werden. Wodurch Griechenland auch ein Teil der wertvollen Fläche verloren gegangen ist (ähnlich Ostpreussen und Polen nach dem 2. Weltkrieg).
Dann haben kurzzeitig mal die Bayern Griechenland regiert. Danach folgten griechische Monarchen. Im 1. Weltkrieg musste der König dann abtreten und einem Ministerpräsidenten weichen. Der versuchte dann in einem Krieg gegen die Türkei das alte Staatsgebiet wiederzuerlangen und scheiterte damit 1922 kläglich.
Als Folge fand eine gegenseitige ethnische Säuberung statt, in der fast 2 Millionen Griechen aus der Türkei nach Griechenland abgeschoben wurden. Die Griechen schickten rund 0,5 Mio. Menschen in die Türkei. Griechenland war mit dem Flüchtlingsstrom völlig überfordert. Selbst heute noch ist die Entwurzelung in der Bevölkerung verankert.
Im 2. Weltkrieg wurden die Griechen erst von den Italienern angegriffen und schlussendlich dann von den Deutschen besetzt. Unter Hitler wurde Griechenland vollkommen ausgeplündert. Es wurden sämtliche Produktionen und Sachwerte nach Deutschland gebracht und hohe Besatzungskosten abverlangt. Dies führte zwangsläufig zum wirtschaftlichen Bankrott des Landes.
Auszug Wikipedia:
Italien, Deutschland und Bulgarien errichteten ein hartes Besatzungsregime. So wurde durch die erzwungene Ausfuhr fast der gesamten griechischen Produktion noch eine positive Handelsbilanz zum Deutschen Reich in Höhe von 71 Mio. Reichsmark festgestellt, die dann mit extremen Besatzungskosten verrechnet wurden. Griechenland hatte von allen besetzten Ländern pro Kopf die höchsten Besatzungskosten zu zahlen. Um von der Bevölkerung mehr Sachwerte abzuziehen, wurde der Banknotenumlauf gesteigert. Der wirtschaftliche Zusammenbruch war abzusehen und wurde in Kauf genommen. Besonders die fehlenden Lebensmittel führten zu einer Hungerkatastrophe und einer Säuglingssterblichkeit von 80%. Von 300 im Oktober 1944 in Athen untersuchten Kindern waren 290 an Tuberkulose erkrankt. Nach „Erbeutung“ nahezu sämtlicher Produktionsmittel wie Maschinen, Fahrzeuge etc. wurden mehrheitlich Rohstoffe und landwirtschaftliche Erzeugnisse nach Deutschland gebracht. Das Deutsche Reich hatte sich vertraglich die wirtschaftliche Ausbeutung aller Besatzungszonen gesichert.
Nach dem 2. Weltkrieg kam as Land aber nicht zur Ruhe. Es folgt erst mal ein bitterer Bürgerkrieg (Nationalisten gegen Kommunisten), der das Land bis Mitte der 50er Jahre weiter in Armut verblieben ließ. Erst ab den 60ern entwickelte sich die Wirtschaft langsam und der erste Tourismus begann.
Mitte der 60er gab es dann wieder Unruhen und einen Militärputsch der in einer Militärdiktatur mündete. Die übte 10 Jahre lang Terror, Gewalt und Druck auf die Bevölkerung aus. Nachdem die Türken einen Teil von Zypern Mitte der 70er erfolgreich einnehmen konnten und die Griechen militärisch gescheitert waren, war auch die Diktatur beendet.
Ab den 80ern begann sich Griechenland nun endlich zu entwickeln. Die Politik wie in allen Mittelmeerländern korrupt, das Land eher landwirtschaftlich geprägt und die Wirtschaft in der Anfangsphase. Also was Deutschland in den 50ern hatte, begann in Griechenland eher stockend in den 80ern.
Vielleicht dürfte jetzt klar sein, warum in Griechenland kein großes Vertrauen in die Politik herrscht. Jahrzehntelange Korruption und Misswirtschaft sind Gift für die Steuermoral und führen zur Schwarzarbeit, Schmiergeld und Steuerflucht. Mit Blick auf die Wechselhafte Geschichte des Landes schickt man seinen Reichtum lieber nach Zürich oder Frankfurt als nach Athen. Nur der Normalbürger, ohne Optionen, muss sich arrangieren.
Der Arbeitsmarkt in Griechenland ist wenig rosig. Aufgrund der wenigen Industrie haben viele junge Akademiker keine Perspektive. Der Statt hat lange versucht eine Alternative im Staatsdienst zu bieten, was sich jetzt ja als negativ darstellt. In normalen Jobs ist es ähnlich schwierig, da es die Masse nur im Tourismus gibt. Aus Kostengründen wird hier aber verstärkt billiges Personal aus Osteuropa und dem Balkan eingesetzt.
Der Normalbürger ist frustriert. Die früheren Regierungen haben viele Fehler gemacht und jetzt muss es das Volk auslöffeln. Die Parteienlandschaft hatte bisher keine wirkliche Option geboten daran etwas zu ändern. Griechenland wurde Jahrzehntelang von 2 Familienclans ala Kennedy`s und Bush`s regiert. Man hatte die Auswahl zwischen Pest und Cholera. Erst mit dem amtierenden Präsidenten ist frischer Wind in die Regierung gekommen. Jedoch sind viele Behörden und Ämter durch die Vorgängerregierungen "verseucht" was die Arbeit erschwert.
Die Situation ist schwierig. Der Bürger muss jetzt höhere Steuerlasten tragen. Die Arbeitslosenquote ist hoch, besonders bei jungen Menschen. Ausländische Investoren sind rar und zögern aufgrund der unklaren Lage. An Griechenland haben ausländische Unternehmen bisher gut verdient. Es wird viel an Ware importiert, vom Auto bis zur Zahnpasta. Auch Bauleistungen für Flughägen und Autobahnen gingen an ausländisdche/deutsche Firmen. Die Eigenleistung ist gering. Der Staat kann aufgrund der knappen Kassen keinen Investitionsschub tätigen, so dass auch für die Zukunft wenig zu erwarten ist.
Über eines muss man sich aber klar sein: Wenn Griechenland weiter abrutscht, dann wird die EU wohl über Jahrzehnte hinweg "Entwicklungshilfe" leisten müssen um das Land wieder aufzubauen. Wichtig ist jetzt eher ein konsequenter Aufbauplan für die Region. Die Familien haben schon umgeschaltet, denn die Kinder lernen dort gerne Deutsch. Nicht um ein bessere Kellner zu werden, sondern um in oder mit Deutschland zu arbeiten.
Das Thema Inseln verkaufen ist wohl auch abwegig. Die Griechen sind in diesem Punkt sowieso sensibel, was man anhand der Geschichte sicher nachvollziehen kann.