Auch bei der Bewertung "gut" oder "schlecht" sollte man den eigenen Anspruch oder den einer Sportwagengazette nicht verallgemeinern. Es ist sicher nicht so, dass die Ingenieure nicht in der Lage wären, ein Fahrwerk so zu entwickeln, dass es den Vorgaben im Lastenheft entspricht und deshalb lieber auf der sicheren (untersteuernden) Seite bleiben. Das Problem, wenn es denn eines ist, ist die Vorgabe. BMW hat es in der Vergangenheit durchaus verstanden, die Zeichen der Zeit zu erkennen und passende Fahrzeuge zu liefern. Der repräsentative Barockengel und Fahrzeuge wie der heute ikonenhaft überhöhte 507 (seinerzeit ein Flop, der gut, aber gegen den Mercedes SL alles andere als sportlich erfolgreich aussah) waren Ende der 50er Jahre überholt und BMW kam auf die sportliche Limousine. Jetzt stehen offenbar Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit im Vordergrund und es ist mal Zeit für einen Imagewandel, der sich auch nach und nach in der Technik niederschlägt. Nur das Marketing scheint da noch etwas unentschlossen, was vielleicht zu einer falschen Erwartungshaltung beiträgt. Die gelegentlich halbstarke Anmutung der sportlichen Seite (besonders rund um den 3er) passt da nicht ins Bild. Schwer beherrschbare Heckschleudern kauft auch niemand mehr, von Produkthaftungsfragen auf den wichtigeren Märkten als Deutschland ganz zu schweigen. Selbst Porsche haben heute eine untersteuernde Fahrwerksauslegung. Mit entsprechendem Gejammer derer, die noch bessere Zeiten kannten oder zumindest davon gehört haben und daher genau wissen, wie sich so ein Auto anfühlen muss (den breiten Grenzbereich konnte ich beim Boxster übrigens nicht entdecken. Die Grenze liegt zugegebenermaßen sehr hoch, aber ohne elektronische Helfer geht es ansatzlos in Karussellfahrt über). Einen noch schärferen Bruch mit "traditionellen Werten" haben im Hause BMW die Motorradfahrer erlebt. Das hat einige Altkunden gekostet, aber einen enormen wirtschaftlichen Erfolg gebracht. Auch wenn mich keines der neuen Motorradmodelle reizt, finde ich das gut. Es erlaubt BMW die Ersatzteilversorgung für die alten Schätzchen zu sichern und mir das Erleben der guten alten Motorradzeit im Sattel einer BMW, statt nur davon zu träumen. Auch die Autosparte scheint ja durchaus erfolgreich zu sein und wenn man dem Teil der Fachpresse Glauben schenkt, der sich bei der Beurteilung von Fahrzeugen und deren Hersteller nicht weitgehend auf Rundenzeiten beschränkt, sind auch die Zukunftsaussichten mit dem eingeschlagenen Weg nicht schlecht.
Das soll jetzt aber nicht die freudig erregte Diskussion aufhalten. Ich wundere mich nur immer wieder, mit welcher Zuverlässigkeit hier bestimmte Reaktionen ausgelöst werden können. Na gut, ich wusste damals auch ganz genau, auf welche Stichwörter mein kleiner Bruder ansprang

. Ich werde mein Auto jedenfalls nicht verkaufen, nur weil ein anderes weniger Kraftstoff verbraucht, besser für einen Umzug geeignet ist, eine andere Farbe hat, auf irgendeiner Rennstrecke mit einem halbprofessionellen Fahrer schneller war oder besser zu dem automobilen Anspruch anderer Leute passt. Aber ich habe mich in meiner bescheidenen Art ja auch schon über jedes Kilo Z4 gefreut, als der noch serienmäßig, mithin, wie ich glücklicherweise durch einige Foristen erfahren konnte, fast unfahrbar, aber endlich mein war.
