AW: Besser spät als nie! :-)
Hallo,
ich hatte jetzt mal wenig Zeit zu schreiben, weil ich mich intensiv mit einem Dialog zwischen Uberto Eco und Carlo Maria Martini auseinandersetzen musste. Wir werden uns jetzt auf einem DiskussionsWE damit befassen. Ich habe zusammen mit einem Freund Dialoge verfasst die die wesentlichen Inhalte schnell erfassbar machen.
Ich stelle hier mal die ersten beiden zur Diskussion.
1.
Eco:
Ich beobachte bei modernen Menschen einen Hang zum apokalyptischem Denken.
Nicht wie in der biblischen Form: Reiter etc. sondern andere Szenarien: Ozonloch, Atomproblem, Klimaerwärmung usw.
Und aber auch:
Werteverfall – Lasst uns fressen und saufen, denn morgen sind wir tot.
Martini:
Die Apokalypse in diesem Zusammenhang zu nennen ist eigentlich schwierig, weil sie buchstäblich gelesen falsch verstanden werden muss.
Und zum anderen wurde der Text aus der Sicht von Unterdrückten geschrieben, die sich in eine andere Realität flüchten wollen, in der die Strukturen umgedreht werden.
Der Inhalt ist symbolisch zu verstehen. Die Bilder die gezeichnet werden wollen keine zukünftige diesseitige Realität beschreiben, sondern projiziert den Sieg des Christus in dieser Welt in die Zukunft. Dafür werden aufwendige, symbolbefrachtete Bilder gezeichnet, die damals ganz anders verstanden wurden.
Der Christ sieht also in diesem Text keine Bedrohung, kein Untergangszenario.
Eco:
Ja, gerade diejenigen die unbewusst wohl am meisten die Apokalypse fürchten versuchen sie durch dauerndes zelebrieren um sie dadurch auszutreiben, unwirksam zu machen.
Beispiel: Filme 2012, Armageddon etc.
Auch ich denke, dass die nichtgläubigen von dieser Angst häufiger befallen werden.
Martini
Das ist leicht zu erklären. Der Christ sieht im Ende ein wünschenswertes Ziel das an sich
Einen Wert darstellt und zwar den höchstdenkbaren, im Prinzip den Anbruch des Reich Gottes. Dieses Ziel ist der Welt nicht immanent.
Von diesem höchsten Wert erhält das Leben seinen, Sinn weil es nicht ins Nichts läuft, ewig so weiter, sondern alles ein Ziel hat.
Das kann für den Gläubigen Grund für altruistisches Handeln sein.
Nun handeln aber auch nichtgläubige Menschen nach dem Prinzip der Nächstenliebe, also muss es einen gemeinsamen Humus geben, der allen Menschen als geistige Nahrung dient, wie auch immer man es nennen würde.
Eco:
Durch das Christentum kam die Idee von einer Geschichte die auf ein Ziel hinläuft in die Welt Viele Philosophen haben Philosophen haben dieser Religion dafür noch zu danken.
Eine solche Sicht der Geschichte, die auf eine auf eine immer größere Vollendung zuläuft ist getragen von einem Gedanken der Hoffnung auf das nahende Ende.
Gerade ein nahendes Ende, kann ein kritisches Nachdenken anregen, das sich mit den Fehlern der Vergangenheit auseinandersetzt um es in der Zeit die bleibt, besser zu machen.
Martini
Um Gottes Willen. Wenn wir nur im Angesicht des Endes über die Vergangenheit nachdenken, so wäre das geprägt von Furcht und Rückzug.
So verstehen wir es aber nicht.
Der gläubige Christ :
- Weiß sich auf einem Weg
- Erkennt schon etwas vom Ziel
- Korrekturmöglichkeit während des ganzen Weges.
Der Weg ist unter Anwendung der Vernunft zu gehen: Wer Ohren hat zu hören der höre oder Begreift und versteht ihr immer noch nicht.
Durchweg positives Bild. Eines, dass sich durch die von ihnen angesprochene Hoffnung tragen lässt.
Eco
Wenn es diese Hoffnung nicht gibt, wäre es gerechtfertigt, dass wir, auch ohne ans Ende zu denken, seinen Nahen hinnehmen, uns vor die Mattscheibe setzten und warten, dass uns jemand unterhält, während die Dinge laufen, wie sie laufen.
Und zum Teufel mit denen, die nach uns kommen.