Wenn man den E85/6 als Ausgangspunkt nimmt, hat es aus Sicht des Sportfahrers gute und weniger gute Entwicklungsschritte gegeben. Gewichtszunahme liegt zwar voll im Trend, ist aber für das sportliche Fahren nicht hilfreich. Man vergleiche in dem Zusammenhang die Diskussionen, bei denen der BMW E46 M3 von den E36 M3-Jüngern und der E92 M3 von den E36 und E46-Jüngern gesteinigt wurden. Selbst der E46 CSL wurde trotz Gewichtsreduktion noch als pummelig empfunden, hat aber in anderer Richtung so viele Punkte gesammelt, dass das keine Rolle mehr spielte.
Andererseits ist auch das Z4 M-Coupé nicht gerade ein Leichtgewicht im Serienzustand.
Das Dach könnte man mit einem Hardtop oder auch mit dem festen Dach des E86-Coupé vergleichen (schon mal eine Heckklappe des Coupés in der Hand gehabt?). Hinzu kommt aber die ganze Öffnungsmimik, die natürlich aus Sportfahrersicht völlig unnötiger Balast ist. Eine Besonderheit ist, dass sich der Schwerpunkt zwischen offenem und geschlossenem Dach verschiebt, wogegen man bei der Abstimmung weitgehend machtlos ist.
Die Achskonstruktionen sind einfach eine Generation neuer und in vielerlei Hinsicht besser. Für das Z4 M-Coupé wurde die E85/6-Vorderachse verworfen, weil man ein agiles Fahrverhalten haben wollte. Erreicht hat man das durch Verwenden der E36-Vorderachse (!), Veränderung von Spreizung und Nachlauf, sowie einer anderen Lenkung, da die reguläre elektrische E85-Lenkung in vielerlei Hinsicht zu wünschen übrig läßt.
Die Vorderachse des E89 stammt vom E90 und ist um Klassen besser als die der Vorgängermodelle. Die Hinterachse ist eine Weiterentwicklung der Z4 M-Hinterachse, die anscheinend ein paar der konstruktiven Mängel abstellt.
Dass der für mich für den Rennsport wichtige 3L weniger PS hat als vorher der 3.0si, ist eine Enttäuschung. Keiner der Motoren passt in irgendeine Klasse im Motorsport hinein, so dass BMW dort ein fast vollständig beherrschtes Terrain kampflos aufgibt. Dafür kamen die neuen Turbos und Doppel-Turbos hinzu, die sicher erste Sahne sind, für den Motorsport aber nicht einsetzbar.
Andererseits traut sich an den Motor des 3.0si kaum ein Tuner ran, weil der Alu-Magnesium-Block offensichtlich ausgereizt und sehr empfindlich ist. Die Valvetronic ist auch nicht jedermanns Sache und verkompliziert viele Dinge nur.
Bitte das Ganze nicht als Bashing in irgendeine Richtung auslegen, ich versuche nur, die Fakten zu sortieren, wie ich sie derzeit sehe. Irgendwelche Innenraumdetails, Farbspielereien oder Antennenlängen interessieren mich nicht. :)
Es bleibt nun die Frage nach dem Warum.
Wenn da eine moderne Basis für eine neue Fahrzeuggeneration geschaffen wird mit all den guten Zutaten, die es bei BMW aus dem Regal gibt, dann bin ich enttäuscht vom Ergebnis (aus Sicht des Sportfahrers).
Sicherheit, niedriger Verbrauch, geringe Geräuschentwicklung blablabla. Alles gute und notwendige Ziele bei der Entwicklung eines Autos. Zugestanden auch, dass bei heutigen Limousinen mit ihren im Vergleich zu früher hohen PS-Leistungen dem Rechnung getragen wird, dass auch völlig unbedarfte ehemalige Käfer-Fahrer auf einmal mit 300 PS umgehen sollen.
Ich gestehe auch zu, dass eine Grundausführung des E89 untersteuernd ausgelegt werden soll, um die Hitzköpfe unter den Fahrern etwas zu zügeln. Muss es aber so extrem untersteuernd sein?
Wofür steht eigentlich der Buchstabe M, wenn das gleichnamige Fahrwerk nichts mit den Tugenden der M-Tradition zu tun hat?
Wer hat sich den Murks mit Normal-Sport-Sport+, DTC, DSC ausgedacht?
Warum gibt es das Auto nicht so, wie man es von BMW erwarten würde:
- "Normal"ausführung: leicht untersteuernd, problemlos zu fahren, sportlicher Komfort
- "M"-Ausführung: fahrerbetont, sportlich, etwas straffer, aktiver
Wenn ich sehe, was BMW beim Z4 M dem Durchschnittskunden als Fahrverhalten zugemutet hat, dann ist das Verhalten des E89 eine glatte Bevormundung des mündigen Fahrers.
Ich bekomme ja im Detail mit, was gemacht werden muss, um das Auto so zu verändern, dass das Fahren wirklich Spass macht. Egal ob RFT oder nicht, selbst mit Serienfedern geht da einiges. JEDER Fahrwerksingenieur bei BMW wäre in der Lage, aus dem Stand heraus ein solches Setup nebst dem entsprechenden Fahrwerksverhalten festzulegen. JEDER BMW-Testfahrer auf dem Ring hat genau gespürt, wie sich das jetzt serienmäßige Fahrverhalten auf der Strecke anfühlt. Weder die Fahrwerksingenieure, noch die Testfahrer haben gepennt oder waren unfähig. Es muss eine bewußte Entscheidung gegeben haben, das Auto so abzustimmen. Das es auch anders geht, zeigt derzeit das Einser M-Coupé.
Also, BMW, warum?
