AW: GEZ - Wir kriegen Euch Alle!
Hi Jan,
Widerspruch gegen den Widerspruch des Widerspruchs

:
Und zwar gleich mehrfach.
Erstens zur Qualität der Beiträge. Das lässt sich durchaus "belegen", wobei es natürlich wieder zu diskutieren wäre, in wieweit man folgende Punkte als "Beleg" akzeptieren möchte:
Schau Dir mal die Anzahl der Korrespondenten der Ö-R's an, wo die überall sitzen und tatsächlich selbst recherchieren, berichten und vergleiche das mit den Privaten: Du wirst schnell feststellen, dass hier ein signifikanter Unterschied besteht. Während Du bei den Ö-R's sehr viele Korrespondenten mit langjähriger Festanstellung findest (gute, aber zugegeben auch Pfeiffen), wirst Du bei den Privaten feststellen: deutlich weniger, viel Fluktuation, sehr viele Beiträge zugekauft über externe Dienstleister, die kaum einer (oder keiner) Qualitätskontrolle unterliegen. Darunter Presse-Agenturen (auch nicht nur gute) und Freiberufler, die auf eigene Rechnung arbeiten. Und hier geht dann oft Quantität vor Qualität und wer liefert schnell zum günstigsten Preis.
(Könnte Dir grad ein aktuelles Beispiel zur kommenden Winter-Oly. aus Vancouver liefern, was da grad abgeht... aber das lass ich jetzt lieber, so ein Bumerang kommt in diesem Markt schnell zurück)
Zweitens:
Nein, ich kenne mich in dieser Branche durchaus ein wenig aus. Beruflich bedingt habe ich oft mit dem Bereich "Medien" zu tun - auf deren Beschaffung-Seite (Verkaufe z.B. Spezial-Kamera-Systeme dorthin und kenne jede Menge Leute aus dieser Branche: Beschaffer, Kameraleute, Techniker - bei den Öffi's genauso wie bei den Privaten und auch jede Menge Freiberufler).
Da bekommt man schon einen gewissen Einblick. Und es gibt sehr wohl Unterschiede.
Ob Du das als Beweis anerkennen willst, ist sicher eine andere Sache.
Drittens:
das ist zwar subjektiv und bleibt auch jedem zur eigenen Beurteilung selbst überlassen: mir persönlich sind gute, auch schon mehrfach gezeigte "Klassiker" immer noch lieber, als solche flachen Sendungen a-la "Frauentausch" oder "Blödmann sucht den x-ten Superstar" oder "Big Brother" oder "Ich mach mich im Dschungel zum Affen und will wieder raus" etc. etc.
Das hat jetzt auch nichts mit dem Fortpflanzungsverhalten der gemeinen Rose zu tun ... gehör ich nun deshalb zu 60+? Und wenn schon...
Ich jedenfalls hab wenig Bock, mir einen Film mit 90 Minuten Länge wegen der x werbeunterbrechungen 180 Minuten lang anzusehen. Da hol ich mir entweder ne DVD oder ich warte etwas, bis er in der Ö-R's kommt.
Viertens:
ich behaupte nicht, dass bei den Privaten grundsätzlich alles Mist ist und nichts taugt. Klar gibt es auch da gute Beiträge, gute Filme (mit zu viel Werbung mittendrin - meine Meinung) und gut recherchierte Beiträge.
Aber unterm Strich finde ich das Verhältnis schon signifikant schlechter. Und das geht nicht nur mir so.
Fünftens:
Thema Regional-Sender: es geht nicht darum, ob ich die mag oder die Masse sie mag. Aufgabe der Ö-R's ist es per Definition, dafür zu sorgen, dass ein breites, öffentlich zugängliches Angebot an Informationen besteht. Das ganze soll in Theorie möglichst "neutral" sein.
Klar klafft auch hier Theorie und Praxis etwas auseinander und was ist schon "neutral"? Aber zumindest kann sich bei den Öffi's keine private Institution mal eben einen Beitrag oder Meinung so leicht "erkaufen", da das Finanzierungsmodell ein anderes ist.
Das meinte ich mit "Unabhängikeit".
Sechstens - "Unabhängikeit der Medien":
Dass das z.B. aktuell bei den Ö-R's auch nicht so perfekt klappt, das haben wir ja gerade beim ZDF gesehen: die Politik (in diesem Fall die CDU) nimmt massiv Einfluss und der Intendant wird zum Spielball politischer Machtkämpfe. Schade - und das hat auch zu massivem Image-Schaden geführt.
Deshalb hatte ich es zuvor auch eher vorsichtig formuliert: "eine
gewisse Unabhängigkeit
erhoffen" - weil ich mir durchaus bewusst bin, dass es bei den Öffi's schon auch Einflussnahme gibt.
Trotzdem bleibe ich dabei: während das bei den Ö-R's eher die Ausnahme ist, ist dies bei den Privaten prinzip-bedingt schon mehr die Regel. Nur regt sich da niemand auf.
Aber das war ja nicht das Thema. Das Thema war hauptsächlich, dass die GEZ in ihrer aktuellen Form ein Unding ist und hier dringend Handlungsbedarf besteht. Darin sind wir uns ja wohl grösstenteils einig hier im Forum.
Und dennoch bin ich schon der Ansicht, dass es einen möglichst unabhängigen, nicht privat-wirtschaftlich finanzierten Teil der Medien geben sollte. Und dieser Teil muss so oder so auch irgendwie finanziert werden.
Ob man es nutzt oder nicht und ob man es als "Zwangsabgabe" empfindet oder nicht: dieser Teil muss von "uns allen" finanziert werden.
Es regt sich doch auch keiner auf, dass wir Krankenhäuser finanzieren - auch die, die noch nie in einem waren, oder?
Ich sage auch nichts gegen Steuermittel für die Bundesbahn, obwohl ich fast nie damit fahre.
Es gibt einfach bestimmte Dinge, die Geld kosten und die für eine Gesellschaft als Ganzes wichtig sind - auch wenn sie nicht von jedem einzelnen Individuum genutzt werden.
Die Öffentlich-Rechtlichen Medien gehören m.M. nach dazu.
Die GEZ aber nicht!
Grüsse,
Rudi