Nürburgring vor Verkauf?

Gerade im Radio gehört,dass die Formel 1 wieder zum Nürburgring kommt. Dieses jahr soll dort ein Rennen ausgetragen werden.Das ist doch etwas positives,für die Region dort.:t
 
Jepp, der Termin wurde bestätigt.
Immerhin wieder ein paar Tage volle Hütte am Ring :) :-)
 
Die bisherigen Pächter Jörg Lindner und Kai Richter können ebenfalls Gebote abgeben, sie wären als Käufer zugelassen, obwohl ausstehende Pachtzahlungen an die staatliche Besitzgesellschaft erst zur Insolvenz der Nürburgring GmbH geführt hatten.
:poop:
 
Alles ist in bester Ordnung am Nürburgring. Zumindest sollte man es meinen. Politiker wie Insolvenzverwalter verbreiten beruhigende Nachrichten. Hauptsache, die Formel 1 findet statt. Und die Termine für die VLN, RCN, 24h und andere Veranstaltungen stehen doch auch. Klar, dass da jetzt von Verkauf geredet wird, ist natürlich nicht so schön. Aber da kann man sowieso nichts machen, die Dinge nehmen ihren Lauf.
So oder so ähnlich müssen wohl fast alle Motorsportler denken, denn sonst hätte ich sicher heute bei der außergewöhnlichen Mitgliederversammlung des Vereins "Ja zum Nürburgring" neben Sabine Schmitz, Christian Menzel, Marc Hennerici und Ed Nicelife wohl noch ein paar weitere FahrerInnen gesehen.

Die Wirklichkeit sieht leider anders aus. Otto Flimm, der Mann mit den wahrscheinlich größten Verdiensten um den Nürburgring, hat das heute sehr deutlich gemacht. Als Vorsitzender des Vereins "Ja zum Nürburgring" hat er in den vergangenen Jahrzehnten entscheidend zum Erhalt des Nürburgrings beigetragen, nicht zuletzt durch erhebliche finanzielle Beteiligung am Bau der GP-Strecke, aber auch der 3-fach-Leitplanken und Schutzzäune. Hinter dem Verein stehen die Schwergewichte der deutschen Autoszene, der ADAC, der AvD und viele Motorsportveranstalter. Otto Flimm hatte auch persönlich seine Finger im Spiel, als es jetzt um die F1 ging. Es waren seine Kontakte zu Bernie Ecclestone, die den Ausschlag gaben.Natürlich sollte der Vollständigkeit halber nicht vergessen werden, dass auch Kurt Beck sich einiges geleistet hat rund um den Nürburgring, allerdings bezweifle ich, dass man deshalb eine Straße dort nach ihm benennen wird, wie es bei Otto Flimm der Fall war.

Otto Flimm ist den einzig richtigen Weg gegangen in dieser verfahrenen Situation, nämlich den des Lobbyisten. Er beherrscht dieses Terrain perfekt, hat alle nötigen Connections bis direct zu Bernie Ecclestone und kennt sich mit den politischen Prozessen bestens aus. Er hat mit Politikern in Mainz gesprochen und hat mit Vertretern der EU-Kommission in Brüssel über mögliche Wege diskutiert, um das EU-Beihilfeverfahren abzubiegen. In einfachen Worten drücke ich mal aus, was ich verstanden habe: Wenn man sich auf den Motorsport konzentriert und die "Kirmesmeile", wie Otto Flimm sie nennt, außen vor läßt, lassen sich die Beihilfen der Vergangenheit rechtfertigen. Basierend auf dem Grundsatz der rheinland-pfälzischen Verfassung, dass Sport zu fördern sei, und auf der Erkenntnis, dass 90% des Betriebs der Nordschleife dem Breitensport dient, ließen sich die Gelder, die der Rennstrecke zugeflossen sind, als legale Beihilfen deklarieren, die nachträglich von der EU genehmigt werden könnten.

Nun wäre es eine gute Idee gewesen, dass sich Politiker aus Mainz, Insolvenzverwalter, Gläubigerausschuss und der Verein an einen Tisch setzen, um aus diesem Ansatz einen Plan zu machen, diesen dann in Brüssel vorzustellen, um damit das Beihilfeverfahren abzuwenden. Damit wäre dann der Weg frei gewesen für eine Neuausrichtung des Nürburgrings (hier nun nur die motorsportliche Seite der Anlage gemeint) im Sinne des Breitensports. Leider wurden alle Ansätze dieser Art abgeblockt, in der Hauptsache von den Insolvenzverwaltern. Der Motorsport wurde bewusst aus allen Gremien herausgehalten, warum auch immer. Offensichtlich verfolgen die Insolvenzverwalter das Ziel, die gesamte Anlage so schnell wie möglich irgendwie zu verkaufen. Das ist aus ihrer Sicht der einfachste und schnellste Weg, und für sie selbst wohl auch der lukrativste.

Bezeichnend ist dabei die Flut von Presseartikeln, die am gestrigen Donnerstag wie bestellt losgelassen wurden. Die Pressevertreter wurden von den Insolvenzverwaltern informiert, durften aber nur nach einer Sperrfrist bis Donnerstag morgen die Fakten publizieren. Genau also einen Tag vor der Versammlung des Vereins "Ja zum Nürburgring". Wer da nicht an Absicht denkt, dem ist wohl nicht zu helfen.
In vier Wochen soll die offizielle Ausschreibung herausgegeben werden, dann wird der Ring verkauft, an wen auch immer. Da die EU ein bedingungsloses Ausschreiben vorschreibt, ist es unsinnig, wenn jetzt schon behauptet wird, dass Scheiche und Oligarchen nicht bieten dürfen. Es stimm auch nicht, dass der Ring kurz vor der Schließung steht, wenn nicht ausgeschrieben wird. Es stimmt nur, dass eine Panikstimmung verbreitet werden soll, damit die schnelle Ausschreibung gerechtfertigt werden kann. Warum soll man sich denn mit dem Motorsport mehr Mühe machen? Hauptsache, das Ding ist weg, und alle haben ihre Ruhe...

Die RCN-Führung war mit Kalle Breidbach, Hans-Werner Hilger und Werner Klasen sehr gut vertreten, Karl Mauer von der VLN war ebenfalls da. Sie alle waren wie auch die sicher über 100 sonstigen Anwesenden sehr bestürzt über die Art und Weise, wie die Unterstützungsaktionen von Otto Flimm abgeblockt werden.

Und damit sind wir wieder bei den Motorsportlern, die allesamt in Ruhe ihre Saison vorbereiten. Macht das Testen im Süden Spaß? Hat das neu aufgebaute Auto wieder mal viel mehr Geld verschlungen als geplant? Schon mal dran gedacht, wo man sonst noch mit dem Auto fahren könnte, wenn die Nordschleife mal zu ist? Nichts passiert über Nacht, und auch bei einem Verkauf wird nicht alles gleich dicht gemacht. Aber in fünf oder sechs Jahren sieht es dann bitter aus.

Es geht nicht mehr um einen Journalisten mit extremem Blickwinkel, es geht auch nicht um facebook-Aktivisten oder den zu Unrecht oft verurteilten Mike Frison (dem ich auch ganz gerne sage, was ich an seinen Posts nicht gut finde). Es geht nun darum, dass der Motorsport insgesamt aus diesem Prozess ausgeschlossen ist und - was noch viel schlimmer ist - bei der Entscheidungsfindung offensichtlich so gut wie nicht berücksichtigt wird. Leute mit Motorsportkenntnissen gibt es in den Entscheidungsgremien nur Wenige, wenn überhaupt.

Vielleicht denkt jeder Fahrer und Teamchef mal darüber nach, wie für ihn selbst und sein Team die Zukunft aussehen wird, wenn der Ring verkauft wird. Ob oder in welcher Form dann dort noch Motorsport betrieben wird, ist völlig offen. Touristenfahrten? Welcher private Besitzer wäre denn so blöd, dieses gigantische Risiko auf sich zu nehmen?

Aber wahrscheinlich liest das ja sowieso kein Fahrer oder Teamchef, man liegt ja jetzt unter dem Auto oder putzt an seinem Helmvisier herum. Sind ja nur noch ein paar Tage bis zum Saisonbeginn, und dann ist ja wieder alles beim Alten. Oder vielleicht doch nicht?

In diesem Sinne:


jazumring.jpg
 
Hallo Dieter,
Danke für diesen Beitrag. Da mir die Vorgehensweise dieser geldgeilen Ringzerstörer ganz und gar nicht gefällt, habe ich auf den "Gefällt mir" Button verzichtet
ich bin sehr traurig über diese Entwicklung...:crynew:
 
Danke, für einen unverhüllten Bericht der Tatsachen.

Die Ausschreibungspanik habe ich auch nicht so ganz verstanden, da ich auch davon ausgegangen bin, dass Die NS gesondert gesehen werden sollte.

Es zeigt sich wieder einmal mehr, dass selbst die Betroffenen Ihrer Wege ziehen, wenn es dann mal darauf ankommt wirklich aktiv zu werden.

Ist wie bei den "guten" Bekanntschaften im alltäglichen Leben: geht es um sie persönlich, ist das Gegacker groß, werden sie uneigennützig von anderen gebraucht, hat man plötzlich (seltendämliche) Ausreden .....

Mir tut es leid um die, die sich dort aus sehr viel Enthusiasmus engagieren und somit ihre Kraft auch zum Wohl der Anderen einsetzen.
(irgendwie ein Grund, warum ich meinen guten "vorgeschoben zuverlässigen" Bekanntenkreis ausgedünnt habe)



"Ick kann janich soville fressen, wie ick kotzen möchte"
Max Liebermann



P.S. Wenn ich mal in Vegas den Pott sprenge, habt Ihr einen ganz großen Spielteppich (habe nur eine Bedingung: 1x pro Monat im Renntaxi mitfahren , alleine würde ich da nur fahren, wenn gar keiner unterwegs ist)
 
Hi Dieter!

Ich habe Dir ein "gefällt mir" gegeben aufgrund Deiner ausführlichen Schilderungen..........
die mir - wie vielen andern auch - sicherlich nicht gefallen .... um es kurz zu machen: aufgrund der (politischen) Ignoranz

Ich kotze !!!!!
 
Die Gattung Mensch wie: Otto Flimm ist leider am Aussterben.
(Dieser hat sich stets für die Sache eingesetzt und gekämpft, nicht fürs Portemonnaie).

Da können manche "Bubis" nicht mithalten, auch wenn sie ebenfalls Anzug und Schlips tragen.
 
Für mich wäre es das Ende einer Leidenschaft. Für viele andere, die rund um den Ring Ihre Existenz haben, aber das Ende dieser und ich denke da hört der Spass auf. Die Truppe, die das ganze verbrochen hat, ist schon über alle Berge und wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Wir versenken lieber Milliarden im Ausland bevor wir mal eine deutsche Region unterstützen, welche durch mitverschulden der Polititk in die Knie gezwungen wird. So werden am Ende wieder nur die bestraft, die mit viel Herzblut den Ring zu dem gemacht haben was er heute ist, die geilste Rennstrecke der Welt.
 
Für mich wäre es das Ende einer Leidenschaft. Für viele andere, die rund um den Ring Ihre Existenz haben, aber das Ende dieser und ich denke da hört der Spass auf. Die Truppe, die das ganze verbrochen hat, ist schon über alle Berge und wird nicht zur Rechenschaft gezogen. Wir versenken lieber Milliarden im Ausland bevor wir mal eine deutsche Region unterstützen, welche durch mitverschulden der Polititk in die Knie gezwungen wird. So werden am Ende wieder nur die bestraft, die mit viel Herzblut den Ring zu dem gemacht haben was er heute ist, die geilste Rennstrecke der Welt.

Stimmt!! Aber Herr Beck musste doch aus gesundheitlichen Gründen schon abtreten, sodass er dem Ring nicht mehr in seiner gewohnten Weise helfen konnte ....... (Sarkasmus aus).
 
Bitter ist es allemal, was da wieder oder immer noch abläuft am Ring. Auf die Ausschreibung, bzw. auf die Interessenten bin ich mehr als gespannt. Gerade, wenn eine Institution wie die Touris unter die Räder fallen sollte, hol ich mir nen Strick.

Man wird sehen.
 
Bitter ist es allemal, was da wieder oder immer noch abläuft am Ring. Auf die Ausschreibung, bzw. auf die Interessenten bin ich mehr als gespannt. Gerade, wenn eine Institution wie die Touris unter die Räder fallen sollte, hol ich mir nen Strick.

Man wird sehen.

..... und gehst unter als Fußnote ;) ...
 
Recht hat er. So funktioniert Politik und die meisten Medien,Jurnalisten plappern nur alles nach. Es wird immer die heile Welt geprädigt,bis zu dem Punkt,wo alles den Bach runter geht. Nur dann,kam es natürlich ganz plötzlich und war unvorhersehbar! Natürlich trifft keinen aus der Regierungsebene die Schuld,es waren wie immer die Anderen.
Ausbaden kann es wie immer die Allgemeinheit,sei es finanziell oder durch Verlust eines Stück Kulturgut,oder beides.

Es gibt hier im Forum viele,welchen der Ring am Herzen liegt. Vielleicht sollte man sich doch Gedanken machen,was wir dazu Beitragen könnten,damit der Ring erhalten bleibt,in der Form wie wir ihn lieben.
Natürlich müssten viele weitere Motorsportfans mit ins Boot kommen,denn nur zusammen kann man etwas erreichen!
 
"Unsere letzte Möglichkeit Flagge zu zeigen. 19.03.2013 in Mainz. Der Verein organisiert einen Auto-Corso durch Mainz zum Landtag. ..... Hier einmal der grobe Plan. Alle Teilnehmer treffen sich um 11:00h in Mainz, Lerchenberg vor dem ZDF. ca. 12:00h Abfahrt nach Mainz vor den Landtag. Dort, in der Großen Bleiche, findet dann, ab ca. 14:00h eine Abschlusskundgebung statt. Ende ca. 15:00h."

Das ist von Seiten "Ja zum Nürburgring" über Facebook geplant.

Quelle: https://www.facebook.com/#!/groups/JazumNuerburgring/

Das ist der Verein: http://ja-zum-nuerburgring.de/
 
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