Moin zusammen, ich bin neu hier im Forum… Ich bin aber als BMW-Fan schon
drei Mal als Beifahrer bei der Harztour dabei gewesen und das letzte Mal 2024
auch selber mit meinem Neuerwerb die Tour mitgefahren. Mich kennen deshalb
auch ein paar Leute hier, bzw. ich kenne einige von den Touren.
Ein Thema hier war die Kritik an den oftmals sehr teuren Ersatzteilpreisen bei
BMW und eine Vermutung dazu war „…weil sie es können…?“. Ich habe selber
15 Jahre alle deutschen Automobilhersteller und entsprechenden Zulieferer
besucht und versucht, unsere Produkte zu verkaufen. Das ist mir auch öfters
gelungen…
Natürlich kann BMW die Ersatzteilpreise kräftig erhöhen, wenn sie das wollen.
Der Hauptgrund, warum die Ersatzteile für ältere längst ausgelaufene Autos
so teuer sind und immer teurer werden, sind die Mengen. Wir hatten das
gleiche Problem in unserer Firma.
Für die Nichteingeweihten erkläre ich es und dann werden auch alle das
Problem verstehen und (wenn auch zähneknirschend) die Preise bezahlen
(oftmals bleibt einem ja nichts anderes übrig, wenn man ein neues und nicht
bereits gebrauchtes Teil haben möchte).
Ich verrate den Grund gleich vorab. Es sind die Mengen!
Wenn ich mit den Einkäufern der Autofirmen die Preise unserer Produkte
verhandelt habe, ging es immer darum, wie viel Autos der Automobilhersteller
vorab plant, z.B. vom Z4 einer Baureihe von SOP (Start of production) bis EOP
(End of production) in ca. rund 6-7 Jahren Bauzeit zu produzieren. Diese
geplante Stückzahl hat extremen Einfluss auf den Preis der Teile.
Wenn die Automobilfirma über diesen Lebenszyklus geplant hat, ca. 200 Z4
täglich zu bauen, benötigt BMW genau 200 Lenkräder täglich vom Hersteller
der Lenkräder, um mal ein Beispiel zu nennen. Der Preis wurde also auf
Basis 200 Lenkräder vom Zulieferer kalkuliert. Und es ist logisch und in der
Praxis oft / meistens so, dass ein Teil günstiger wird, um so höhere Stück-
zahlen man davon baut und jetzt kommt‘s: und umgekehrt! Das ist ganz
wichtig!
Um beim Thema Lenkrad zu bleiben: nehmen wir an, dass das Z4-Lenkrad
bei geplanten 200 Stück pro Tag 1.000-, € kostet. Wenn BMW im Vorfeld
verkehrt kalkuliert hat und sich das Modell schlechter verkauft, z.B. nur
100 Z4 pro Tag gebaut werden, was passiert dann?
Genau, für den Hersteller der Lenkräder bedeutet dieses Problem, dass
das Lenkrad jetzt teurer ist, zu produzieren. Die Firma müsste nun eigentlich
pro Lenkrad von BMW ca. 1.200-, € bezahlt bekommen, um kein Geld pro
geliefertem Lenkrad zu verlieren.
Wenn nun der Z4 nicht mehr produziert wird, benötigt BMW eigentlich kein
Lenkrad mehr für dieses Modell. Die Firma produziert nun vielleicht Lenk-
räder für den neuen Z4, vielleicht jetzt für Porsche, etc.
Als Zulieferer
muss man dem Automobilhersteller
garantieren, dass man,
um bei unserem Beispiel zu bleiben, Lenkräder für diese Z4-Modellreihe
auch noch mindestens bis 10 Jahre nach EOP bei BMW bekommt. Und
wenn jemand irgendwann mal nach 20 Jahren ein neues Lenkrad für seinen
BMW benötigt, erwartet er, dass er dieses von BMW auch noch erhält.
Aber eigentlich produziert der Lenkradhersteller doch diese gar nicht mehr
…

Wie bekommt er dieses Problem gelöst?
Er muss das eine Lenkrad sehr aufwändig und teuer (!) extra produzieren.
Das Lenkrad kostet dem Hersteller nun nicht mehr 1.000-, €, sondern wg.
dem hohen Aufwand 5.000-, €. Jetzt muss der Z4-Kunde, ohne dass BMW
etwas Marge draufschlägt, diesen 5x so teuren Preis bezahlen. Wenn er
den ehemaligen Preis von 1.000-‚ € kennt, sagt er „… die spinnen doch bei
BMW…“ oder eben „…weil sie es können…“.
Es ist normal, dass alle Autofirmen auf die Ersatzteilpreise dann noch Marge
draufschlagen, das bedeutet dass das neue Lenkrad des Z4-Besitzers dem
Besitzer dann sogar 6.000-, € kostet.
Ich hoffe, dass ich Euch die Problematik erklären konnte. Vielleicht hat schon
jemand ähnlich geantwortet, wie ich, ich habe es aber nicht gelesen… Ich
bin erst ein paar Tage hier im Forum angemeldet, habe noch nicht mal ein
BMW Z-Modell, aber fahre eben gerne bei der Harztour mit.
Die genannten Preise sind nur beispielhaft. Ich habe bewusst runde Summen
genommen, um die Problematik zu verdeutlichen. Ein ganz wichtiger Aspekt
kommt noch dazu und wir merken es täglich: die Inflation. Auch dadurch
werden Dinge teurer, z.T. extrem.
Wenn noch jemand Fragen dazu hat, meldet Euch bitte. Ich hoffe, dass ich
Euch mit dem Geschriebenen nicht gelangweilt habe. Ich hatte jetzt einfach
mal die Zeit und die Lust, das zu schreiben.
Seid herzlich gegrüßt und vielleicht sieht man sich ja bei der Harztour, oder
auch evtl. früher,
Jörn