Otto? Find ich gut...
Damit wäre schon das Wichtigste über die gestrige Kundgebung gesagt. Doch langsam und der Reihe nach.
Am 1. März berief Otto Flimm eine außergewöhnliche Mitgliederversammlung des Vereins "Ja zum Nürburgring" ein, auf der er sich in sehr klaren Worten darüber beschwerte, wie der Motorsport und vor allem auch er selber von allen wesentlichen Gesprächen und Entscheidungen ausgegrenzt wurde. Rund 100 Leute waren im Raum, darunter nur wenige Motorsportler, vielleicht 4 oder 5 Fahrer.
Seitdem Otto Flimm sich im letzten Jahr in das Thema eingeklinkt hatte, hatte ich darauf gehofft, dass seine bekannt guten Drähte im Hintergrund spielen und er irgendwann Fortschritte vermelden würde. Diese Hoffnung wurde am 1.3. schlagartig zerstört. Damit und mit dem generalstabsmäßig in Szene gesetzten "alternativlosen" Verkauf wurde deutlich, wie dicht der Zeiger nun an der 12 stand.
Spontan entstand die Idee, nach Mainz zu fahren. Ich glaube, es war Eddi Nicelife, der sie aufbrachte. Innerhalb kürzester Zeit griff die Idee um sich, doch die Motorsportler schienen weiterhin nur an Saisonvorbereitung oder Winterschlaf interessiert zu sein. Viele Leute haben dann die Werbetrommel gerührt, während andere heftigst an der Organisation arbeiteten. Auf einmal bewegte sich was, der Damm brach, die Lawine kam ins Rollen, wie auch immer man das bezeichnen möchte. Kritiker, STR-Kämpfer, Motorsportler, Teams, Rennserien, Verbände bis hin zum ADAC Präsidenten sammelten sich hinter dem Banner von Otto Flimm.
Am 19.3. stand ich dann vor einer US-Kaserne so um kurz vor 10 Uhr. Vielleicht 10 Autos waren da. Das große Warten, ob überhaupt jemand seine Ankündigung wahr machen würde, oder ob das alles nur das übliche Forums- und facebook-Gelaber war. Und dann kamen sie, einer nach den anderen. Dadurch, dass wir die Banner ausgaben, bekamen wir die Zahlen recht genau mit. Da ging eine Rolle Banner nach der anderen weg, jeder nur genau eines, damit wir auch genug hatten. Dann kamen Truck-Konvois durch, Teams mit Rennwagen auf Anhängern und Abschleppwagen, Oldtimer und Youngtimer auf eigener Achse. Es hörte nicht auf. Nur begeisterte Gesichter.
Ich denke, ich kenne so einige Leute aus der Touristenfahrerszene, der RCN und der VLN. Ich weiß, wie miteinander umgegangen wird. Ich weiß auch, dass nicht alle Fans des Rings untereinander Freunde sind. Und in Mainz habe ich gelernt, dass all das nebensächlich ist, wenn es wirklich um den Ring geht. Lange hat es gedauert, bis WIR ALLE den richtigen Weg gefunden haben. Aber jetzt haben wir uns in Gang gesetzt und können bereits die ersten Erfolge sehen.
Der Korso war zu lang, um ohne Unterbrechungen oder Abreißen durch die Stadt zu kommen. Die Polizei hat in freundlichster Weise einen ziemlichen Aufwand betrieben. Zum Schluss sind einige Autos rund um den Versammlungsplatz und den Landtag gefahren, darunter auch wir mit drei Autos. Was soll's, um so mehr Mainzer haben dadurch etwas von der Demo mitbekommen.
Otto Flimm auf der Bühne verdient nur größtmöglichen Respekt. Nicht nur, dass ich mich freuen würde, in seinem Alter - so ich es denn erreichen sollte - noch so fit zu sein. Nein, sein Auftreten, sein Fachwissen, seine Eloquenz gepaart mit höflichen, aber sehr bestimmten Statements in Richtung der Politiker sind einfach nur beeindruckend. So und nicht anders muss mit der Regierung geredet werden, und ich hoffe inständig, dass dies von jetzt ab auch passiert.
Es war das Pech der auftretenden Politiker, dass sie neben Otto Flimm agieren mußten. Sie konnten dagegen nur abfallen, und haben das auch mit Bravour geschafft. Filtert man die Rede des Staatssekretärs Häfner nach wenig aussagekräftigen Floskeln, dann bleibt nur das zurück, was er offensichtlich von den Insolvenzverwaltern diktiert bekam. Er rettet sich lediglich auf einen Punkt hinaus, nämlich die Zusage eines Gespräches zwischen der Ministerpräsidentin und Otto Flimm. Ein netter und wichtiger Anfang, aber auch nicht mehr.
Die Vertreter der CDU variierten in ihrer Überzeugungskraft. Es überraschte mich, dass Julia Klöckner, die nach eigener Aussage vor 3 Jahren noch nichts vom Motorsport wusste, nunmehr voller Überzeugung als diejenige auftrat, die dem Kommissar Almunia erklärt hat, wie der Motorsport auf dem Nürburgring funktioniert. Alexander Licht trat mit einiger Sachkenntnis auf, was positiv überraschte. Allerdings mussten sich die Beiden dann von Otto Flimm sagen lassen, dass man bei einer Kundgebung für den Nürburgring nicht auf Stimmenfang gehen sollte. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Mal besser.
In der Historie von Nürburgring 2009 gibt es Dinge, die gegen Recht und Gesetz verstoßen haben. Ich hoffe da auf die sehr langsam mahlenden Mühlen der Justiz, dass doch noch der eine oder andere seine Quittung bekommt. Im gleichen Zeitraum sind aber auch Dinge passiert, die legal waren, die aber insgesamt einen vielleicht noch größeren Schaden angerichtet haben am Ring. Für diese Fehlentscheidungen gibt es leider keine Richter außer den Wählern, die dann vielleicht ja doch mal bei nächster Gelegenheit auf Alternativen auf ihrem Wahlzettel schauen. Überall waren Politiker beteiligt, und nicht nur die der SPD. Manch einer hat da "Verantwortung übernommen". Und weiter? Ja nix weiter...
Doch neben dieser Verarbeitung der Vergangenheit muss den jetzt beteiligten Politikern das Hier und Jetzt deutlich vor Augen geführt werden. In diesen Tagen werden Entscheidungen gefällt und Fakten geschaffen, die ihre Auswirkungen erst in der Zukunft zeigen werden. Mit diesen Entscheidungen kann man nicht einfach eine unliebige Vergangenheit aus der Welt schaffen, sondern man handelt sich unter Umständen Probleme für die nächsten Jahrzehnte ein.
Es muss den Politikern klar sein, dass nicht die "Abwicklung" einer fehlgeplanten Immobilie diskutiert wird, sondern die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft einer ganzen Region, die vom Ring abhängt. Mit einem Verkauf verschwindet der Ring nicht aus der Landschaft, sondern er wird zum langjährigen Problem in der Region mutieren. Das läßt sich jetzt noch vermeiden. Die Rennstrecken in öffentlicher/gemeinnütziger Hand sind die Lebensversicherung für die Region. Und sie bilden die Basis des Breitensports im Motorsport. Und der ist nötig, damit wir genügend Michael Schumacher oder Sebastian Vettel bekommen, mit denen sich ein Politiker kurz vor der Wahl gerne mal in der Startaufstellung fotografieren lassen kann.
Als Außenstehender kann man in diesem Spiel um Macht, Geld und Einfluss so gut wie nichts machen. Otto Flimm hat aber die Mittel, Druck aufzubauen, und unser Auftritt in Mainz hat ihm sicher geholfen. Und wenn diese Hilfe nicht lang genug vorhält, dann fahren wir eben nochmal nach Mainz. Oder auch gerne nach Brüssel.
Lasst uns alle zusammenhalten und Otto Flimm unterstützen. Lasst uns Unstimmigkeiten begraben, wenn es um den Ring geht. Der Ring darf nicht in die falschen Hände geraten.
Viele Leute haben an der Organisation der Kundgebung mitgearbeitet. Meinen Respekt und Dank haben Werner Lenhard, Winni Berthold, Berthold Reuter, Harald Hallerbach stellvertretend für alle. In der Kürze der Zeit und bei den ständigen Änderungen die Aufgabe so gut zu meistern - Respekt.
Und wenn das alles so klappt, wie wir uns das wünschen, dann benennen wir eine Kurve auf der Nordschleife nach Otto Flimm, z.B. die Dreifach-Rechts vor Wehrseifen. Ich hätte dann vielleicht noch den Vorschlag, die Steilstreckenkurve nach Eveline Lemke zu benennen, weil das so gut passen würde. Ist ja schließlich eine 180°-Kehre...
Wie gesagt: Otto? find ich gut!