Nürburgring vor Verkauf?

Das war es dann für Getspeed am Nürburgring:

"Neues vom #Nürburgring: Zerstrittene Gesellschafter einigen sich - Getspeed steigt aus, russische Holding übernimmt Kontrolle #nring"
https://twitter.com/fzerfass/status/689017735104311296

Jetzt sind die Russen allein in der Kontrolle. Eigentümer sind sie trotzdem noch nicht, da das Closing des Kaufvertrags noch aussteht. Das könnte durch Zahlen der 45 Mio € zwar erfolgen, damit würde der Käufer aber das Risiko übernehmen, dass bei Erfolg der Klagen beim EuG die knapp 500 Mio € an unrechtmäßigen Beihilfen zurückzuzahlen wären. Solange das Closing nicht erfolgt ist, hat der Käufer eine Ausstiegsklausel, wenn es beim EuG so ausgehen sollte.
 
Was ist eigentlich an der Aussage dran vom Herr Ecclestone? Er meinte das sein Angebot nur wenige Millionen unter dem von Capricorn lag..
Hatte mal einen Bericht dazu gelesen, er meinte dann nur wie dumm die Leute sind die das Entschieden haben. Mit ihm wäre es auf jeden Fall gesichert gewesen
das der Motorsport weiterhin (auch die F1) einen gesicherten Platz in Deutschland hätten....
 
Was ist eigentlich an der Aussage dran vom Herr Ecclestone? Er meinte das sein Angebot nur wenige Millionen unter dem von Capricorn lag..
Hatte mal einen Bericht dazu gelesen, er meinte dann nur wie dumm die Leute sind die das Entschieden haben. Mit ihm wäre es auf jeden Fall gesichert gewesen
das der Motorsport weiterhin (auch die F1) einen gesicherten Platz in Deutschland hätten....
Auch wenn er das sagt, Bernie hat nie ein verbindliches Angebot abgegeben.
 
Bei der anstehenden Landtagswahl in RLP hat in Kürze jeder Bewohner des Bundeslandes die Möglichkeit, sich die abenteuerlichen Vorgänge am Ring erneut ins Gedächtnis zu rufen, für sich zu bewerten und dann sein Kreuz an der richtigen Stelle zu machen!
 
Bei der anstehenden Landtagswahl in RLP hat in Kürze jeder Bewohner des Bundeslandes die Möglichkeit, sich die abenteuerlichen Vorgänge am Ring erneut ins Gedächtnis zu rufen, für sich zu bewerten und dann sein Kreuz an der richtigen Stelle zu machen!
wie viel kosten denn ein paar tausend plakate - quasi als gedankenstütze? :D
 
Informationen zur Klage beim Europäischen Gericht

Am 10. Juli 2015 hat der Verein „Ja zum Nürburgring“ Klage beim Europäischen Gericht eingereicht. Die Klage richtet sich gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission vom 1. Oktober 2014, mit der der Verkauf der Rennstrecken und Nebengebäude als EU-konform eingestuft wird.

Nach mehr als 9 Monaten möchten wir hier daran erinnern, dass das Verfahren nach wie vor seinen geordneten Gang geht, auch wenn in der Öffentlichkeit bisher kaum etwas davon festzustellen ist.

Bisher läuft die Bearbeitung im schriftlichen Verfahren. Es wurden mehrfach umfangreiche Schriftsätze von Seiten des Klägers (JzN) und der Beklagten (Europäische Kommission) beim Europäischen Gericht (EuG) eingereicht, um die jeweiligen Positionen darzustellen. Nach Beendigung des schriftlichen Verfahrens wird dann das EuG den nächsten Schritt festlegen.

Letztlich erwarten wir eine mündliche Verhandlung, nach der dann eine Entscheidung fallen sollte. Der Zeitpunkt für eine solche Verhandlung ist nicht absehbar, könnte aber noch in diesem Jahr liegen.

Uns ist weiterhin bekannt, dass die Klage von NeXovation ebenfalls ihren Gang geht.

Was bedeutet das für den Ring?

Bisher hat sich an der Eigentumssituation nichts geändert. Die capricοrn Nürburgring Besitzgesellschaft mbh (CNBG) hat den Kaufvertrag unterzeichnet und einen Teil des Kaufpreises entrichtet. Gleichzeitig hat sie über ihre Tochterfirma CNG die Anlage gepachtet, um den Betrieb durchführen zu können.

Nach wie vor könnte die CNBG durch Zahlung der 45 Mio € des Kaufpreises (Closing) auch Eigentümer des Nürburgrings und aller Nebenanlagen werden. Geschieht dies vor der Entscheidung des EuG, ist damit aber ein großes Risiko verbunden. Entscheidet das EuG in unserem Sinne, besteht für den Käufer, also die CNBG, die akute Gefahr, die Rückzahlungsforderung über knapp 500 Mio € aus dem Beihilferechtsverfahren zu erben.

Solange der Kaufpreisanteil von 45 Mio € nicht gezahlt ist, bleibt dem Käufer für den Fall der Fälle eine Ausstiegsklausel im Kaufvertrag. Nach Zahlung der 45 Mio € gibt es diese Möglichkeit nicht mehr, wenn die Klagen Erfolg haben sollten.

Es ist also weiterhin Geduld und Einsatz bei den Rechtsanwälten gefragt, bis sich die Dinge entscheiden.

http://ja-zum-nuerburgring.de/neuig...mationen-zur-klage-beim-europaeischen-gericht
(deutsch und englisch)
 
Nach dem Closing

Das ADAC Zurich 24h-Rennen 2016 steht vor der Tür, das bedeutendste Rennen des Jahres auf dem Nürburgring und besonders auf der Nordschleife. Eine gute Gelegenheit für eine Betrachtung, wie es mit dem Nürburgring nun weitergeht.

Die Capricоrn Nürburgring Besitzgesellschaft (CNBG) hatte ja am 25.4.2016 den Teil des Kaufpreises an die Verkäufer des Nürburgrings gezahlt, der zum sogenannten Closing geführt hat. Damit ist die Verfügungsmacht über die Rennstrecken des Nürburgrings und die dazugehörenden Anlagen auf die Käufer übergegangen. Die Presseagentur der Insolvenzverwalter verkündete auch gleich „Rechts- und Planungssicherheit“. Es fragt sich nur, für wen.

Nach wie vor sind beim Europäischen Gericht (EuG) zwei Klagen gegen die Entscheidung der Europäischen Kommission (KOM) anhängig, den Verkaufsprozess als EU-konform einzustufen.
Betrachten wir also die jetzige Situation nach dem Closing etwas näher.

In Kürze:
  • Eigentümer des Nürburgrings ist die CNBG über eine Tochtergesellschaft, die NBR Holding GmbH & Co KG.
  • Die Käufer haben auf ihr Rücktrittsrecht für den Fall des Erfolges der Klagen verzichtet, wenn der Kaufvertrag nicht noch abgeändert wurde.
  • Die Klage der NeXovation Inc läuft nach unserem Kenntnisstand unverändert weiter.
  • Die Klage des Vereins „Ja zum Nürburgring“ läuft definitiv unverändert weiter.
  • Das Risiko, falls die Klagen Erfolg haben, trägt jetzt die Käufergesellschaft. Sie muss dann unter Umständen knapp 500 Millionen € an unrechtmäßig erhaltenen Beihilfen zurückzahlen.

Wem gehört jetzt der Nürburgring?

Das Eigentum am Nürburgring liegt schon seit einiger Zeit bei einer NBR Holding GmbH & Co KG. Stark vereinfacht gesagt, besaß die CNBG schon vor dem Closing rund 95% an dieser Firma. Die restlichen 4,9% lagen bei einem Treuhänder. Der Treuhänder hatte das Verfügungsrecht.

Nach Zahlung der 45 Millionen (zusammengesetzt aus 39 Mio in bar und 6 Mio angerechneter Pacht für 2015) wurden dann die restlichen 4,9% ebenfalls auf die CNBG übertragen, zusammen mit voller Handlungsfreiheit. Da nur Unternehmensanteile übertragen werden, fällt die Grunderwerbsteuer nicht noch einmal an, die beim Übertrag in die Treuhandgesellschaft gezahlt werden musste.

Nun hat die CNBG also mindestens zwei Tochterfirmen, nämlich die NBR Holding GmbH & Co KG mit dem Eigentum, und die CNG mit dem Pachtvertrag. Der wird natürlich jetzt überflüssig. Es ist zu erwarten, dass jetzt schnell Vereinfachungen der Strukturen vorgenommen werden, z.B. durch Verschmelzen von Gesellschaften.

Die CNBG hat damit jetzt volle Handlungsfreiheit und kann jederzeit einen Teil oder auch die gesamte Anlage weiterverkaufen, verschenken, umbauen usw. Ob die Namensrechte an der Marke „Nürburgring“ oder sogar das gesamte Eigentum in ein paar Monaten noch bei einem in Deutschland ansässigen Unternehmen liegen wird, ist damit nicht vorhersehbar.

Der Kaufvertrag ist gültig und vollzogen, da gibt es nun keinen Weg zurück mehr. Die russischen Investoren haben offensichtlich auf ihr Rücktrittsrecht verzichtet, dass sie bis zum Closing im Falle eines Erfolges der Klagen besaßen.

Zum Stand der Klagen

Hier schießen aktuell die Spekulationen ins Kraut. Die Fakten sind aber recht simpel.

NeXovation Inc. hat erst Mitte April nochmals einen umfangreichen Schriftsatz beim EuG eingereicht. Es ist anzunehmen, dass die russischen Investoren nun auf NeXovation zugehen werden, um über eine Rücknahme zu verhandeln. Konkrete Anzeichen für eine Rücknahme der Klage gibt es allerdings bisher nicht.

Auch die Klage des Vereins „Ja zum Nürburgring“ geht unverändert ihren Gang. Wie bereits berichtet, befinden wir uns noch im schriftlichen Verfahren. Eine mündliche Verhandlung könnte noch in diesem Jahr kommen, spätestens in 2017. Überlegungen zu einer Rücknahme dieser Klage sind noch nicht einmal ansatzweise diskutiert worden, weder innerhalb des Vereins, noch mit den Mitgliederorganisationen.

Welchen Einfluss hat das Closing auf die Klagen?

Keinen. Es hat nur eine Verlagerung des Risikos stattgefunden.
Die Klagen richten sich gegen einen Teil der Entscheidung der Europäischen Kommission, in dem sie den Verkaufsprozess trotz aller Beschwerden als EU-konform eingestuft hat. Das Ergebnis dieses Verfahrens kann nur eine von zwei Entscheidungsmöglichkeiten sein:
  • die Entscheidung der KOM bleibt gültig
  • die Entscheidung der KOM wird für nichtig erklärt oder abgeändert
Wer dann zu diesem Zeitpunkt gerade das Eigentum an der Nürburgring-Anlage hält, spielt dabei für die Klage keine Rolle.

Das Risiko der Klagen

Gewinnt eine oder beide Klagen, dann war also der Verkauf nicht EU-konform. Damit lebt sofort die Rückzahlungsforderung in Höhe von knapp 500 Millionen € wieder auf. Die russischen Investoren, oder wer immer dann Eigentümer ist, sehen sich dann mit dieser Rückzahlungsforderung konfrontiert.

In der Presse wurde berichtet, dass die neuen Eigentümer damit rechnen, dass sich die Klagen von selbst erledigen oder aber so lange dauern, dass das Ergebnis keine Rolle mehr spielt. Wir halten das für eine überaus optimistische Einschätzung, die wir nicht teilen.

Parteien in den beiden Verfahren sind ja die JzN vs. KOM einerseits, bzw. NeXovation vs. KOM andererseits. Sonst ist niemand beteiligt. Auch die insolventen Gesellschaften am Nürburgring, die noch vor wenigen Monaten als Streithelfer für die KOM in das Verfahren eingetreten waren, haben sich mittlerweile komplett aus dem Verfahren zurückgezogen. Damit ist die Liste der Parteien, die konkret juristischen Einfluss auf die Verfahren nehmen können, sehr kurz. Die neuen Eigentümer gehören nicht dazu.

Es wäre verfehlt, über die Erfolgschancen einzelner Klagen zu spekulieren. Aber ein Beispiel zeigt, dass das Verfahren sich nicht über ein Jahrzehnt erstrecken muss:

Sollte das EuG im Sinne der Kläger, also JzN oder NeXovation entscheiden, dann stellt sich die Frage, wer überhaupt noch ein großes Interesse an einem Rechtsmittel vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) haben könnte. Unterlegen wäre dann die KOM, für die aber die Einstufung des Verkaufsprozesses nur eine völlig untergeordnete Bedeutung haben dürfte in ihrem Beschluss. Viel wichtiger war die Feststellung der unrechtmäßigen Beihilfen, und daran rüttelt niemand.
Fällt das Urteil sehr deutlich im Sinne der Kläger aus, ist es durchaus möglich, dass die KOM keine Rechtsmittel anstrebt. Und außer ihr ist niemand sonst da, der dieses Rechtsmittel antreiben könnte. Käme das Rechtsmittel zum EuGH nicht, dann wäre nach dem EuG Schluss, und das wäre möglicherweise schon in 2017.
Und das wäre dann tatsächliche Rechtssicherheit, mit der der dann aktuelle Eigentümer umzugehen hätte.

Wie gesagt, nur ein Beispiel für einen der vielen Wege, die die Verfahren nehmen können. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sich die Verhältnisse am Nürburgring alle paar Monate ändern, daher empfiehlt sich Abwarten. Währenddessen wird der Betrieb mit Rennen und Touristenfahrten sicher in irgendeiner Form weitergehen, aber es deuten viele Anzeichen auf Veränderungen hin.

Der Nürburgring steht aktuell aufgrund jahrzehntelanger Politikverfehlungen der schlimmsten Sorte nicht mehr dem Wohle der Region zur Verfügung. Wir werden unseren Weg weiter verfolgen, der sich ausschließlich am Wohle des Nürburgrings, einer der Geburtsstätten des Motorsports und eines der Zentren automobilen Kulturguts, orientieren.

Link zur Website:
http://ja-zum-nuerburgring.de/neuigkeiten/9-kommentar/78-nach-dem-closing
English version:
http://ja-zum-nuerburgring.de/attachments/article/78/160517_After_the_Closing.pdf
 
... unsere Volksvertreter haben sich, aus meiner Sicht in widerwärtigster Art, zu Lasten der Region aus der Verantwortung gestohlen.
Die 500 Millionen sind offensichtlich sowieso verloren, da der aktuelle Besitzer wohl kaum in Lage sein wird diese, im Falle einer entsprechenden Gerichtsentscheidung, aufzubringen.
Aber, was juckt das die EU? Es ist doch nicht Ihr Geld, sondern es wurde lediglich von den Europäischen Steuerzahlern aufgebracht, damit am Ende eine private Firma Besitzer des Nürburgrings ist. :mad:
Ich bin zutiefst betroffen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Am heutigen 30.01.2018 fand die mündliche Verhandlung der Klage des Bieters Nexovation vor dem Europäischen Gericht statt. Ein Urteil wurde heute nicht verkündet, die Präsidentin des Gerichts nannte auch noch keinen konkreten Termin für ein Urteil.

Ich möchte den Hergang der vierstündigen Verhandlung nicht im Detail kommentieren, und es steht uns auch nicht zu, eine Bewertung vorzunehmen. Deshalb nur einige Informationen, da außer SWR und dpa nur wenige Zuschauer im Raum waren.
Nexovation trat mit zwei Anwälten und Rob Sexton, dem Inhaber von Nexovation, an. Für die Europäische Kommission (KOM) waren es 3 Anwälte und 5 zusätzliche Kräfte. Das Gericht war mit 5 Richtern besetzt. Eine beeindruckende Situation, keine Frage. Die Verhandlung wurde mit Ausnahme von wenigen Sätzen auf Französisch auf Englisch geführt.

Wie zu erwarten, gingen die Darstellungen der Anwälte von Nexovation und der KOM weit auseinander. Aus Sicht der KOM ist die Klage von Nexovation unzulässig und sollte abgewiesen werden. Dem widersprachen die Anwälte von Nexovation natürlich vehement. Auch in der Sache selbst gab es nur harten Widerspruch. So hält die KOM nach wie vor die Finanzierungsbestätigung der Deutschen Bank für völlig ausreichend, während diese von Nexovation als "flower letter" bezeichnet wurde.

Die Richter waren exzellent vorbereitet und haben sehr exakte Sachfragen gestellt. Über etliche Details wurde lange diskutiert, z.B. über die Frage, ob und wann Nexovation im Wettbewerb zu capricоrn stand.

Was kann man vom heutigen Tag mitnehmen?
Die juristischen Details sind leider recht unverständlich, wenn man sich nicht intensiv mit der Sache und dem dort verhandelten Recht beschäftigt hat. Der Umfang der Akten dürfte mittlerweile bei mehreren Tausend Seiten liegen. Auch ich habe heute vieles hinzugelernt, insbesondere wieder, dass das eigene Rechtsempfinden nicht notwendigerweise mit einer präzisen juristischen Darstellung übereinstimmt.

Die heutige Verhandlung zeigt aber klar auf, dass die Aussage, aus den EU-Klagen würde nichts werden, möglicherweise verfrüht war. Es wurde auch bereits auf die Klage von JzN verwiesen, die ebenfalls einen Einfluß auf das Gesamturteil in der Sache haben wird.
Damit wird nun auch leichter verständlich, warum JzN ständig ein besonderes Augenmerk auf die Klage von Nexovation geworfen hat. Diese Klage ist real und wird nun bis zum Urteil verfolgt werden. Hat sie Erfolg, dann ist es entscheidend, dass noch eine weitere Partei an der Auseinandersetzung beteiligt ist, und das ist dann JzN.

Wie geht es nun weiter?
Das EuG wird ein Urteil verkünden oder sogar möglicherweise zusätzliche Verhandlungstage anberaumen. Wie das Urteil aussehen könnte, und wann es verkündet werden könnte, wäre reine Spekulation, die ich nicht betreiben möchte.
JzN wartet nunmehr auf die Ankündigung des eigenen Termins. Angesichts der Tatsache, dass heute die Nexovation-Verhandlung war, erscheint uns ein Termin in der ersten Jahreshälfte 2018 als realistisch. Auch in diesem Fall könnte über einen möglichen Ausgang nur spekuliert werden.
Nur soviel noch: gegen ein Urteil beim EuG kann Berufung eingelegt werden beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Das wären dann sicher noch einmal 3 Jahre.
 
Am heutigen 30.01.2018 fand die mündliche Verhandlung der Klage des Bieters Nexovation vor dem Europäischen Gericht statt. Ein Urteil wurde heute nicht verkündet, die Präsidentin des Gerichts nannte auch noch keinen konkreten Termin für ein Urteil.

Ich möchte den Hergang der vierstündigen Verhandlung nicht im Detail kommentieren, und es steht uns auch nicht zu, eine Bewertung vorzunehmen. Deshalb nur einige Informationen, da außer SWR und dpa nur wenige Zuschauer im Raum waren.
Nexovation trat mit zwei Anwälten und Rob Sexton, dem Inhaber von Nexovation, an. Für die Europäische Kommission (KOM) waren es 3 Anwälte und 5 zusätzliche Kräfte. Das Gericht war mit 5 Richtern besetzt. Eine beeindruckende Situation, keine Frage. Die Verhandlung wurde mit Ausnahme von wenigen Sätzen auf Französisch auf Englisch geführt.

Wie zu erwarten, gingen die Darstellungen der Anwälte von Nexovation und der KOM weit auseinander. Aus Sicht der KOM ist die Klage von Nexovation unzulässig und sollte abgewiesen werden. Dem widersprachen die Anwälte von Nexovation natürlich vehement. Auch in der Sache selbst gab es nur harten Widerspruch. So hält die KOM nach wie vor die Finanzierungsbestätigung der Deutschen Bank für völlig ausreichend, während diese von Nexovation als "flower letter" bezeichnet wurde.

Die Richter waren exzellent vorbereitet und haben sehr exakte Sachfragen gestellt. Über etliche Details wurde lange diskutiert, z.B. über die Frage, ob und wann Nexovation im Wettbewerb zu capricоrn stand.

Was kann man vom heutigen Tag mitnehmen?
Die juristischen Details sind leider recht unverständlich, wenn man sich nicht intensiv mit der Sache und dem dort verhandelten Recht beschäftigt hat. Der Umfang der Akten dürfte mittlerweile bei mehreren Tausend Seiten liegen. Auch ich habe heute vieles hinzugelernt, insbesondere wieder, dass das eigene Rechtsempfinden nicht notwendigerweise mit einer präzisen juristischen Darstellung übereinstimmt.

Die heutige Verhandlung zeigt aber klar auf, dass die Aussage, aus den EU-Klagen würde nichts werden, möglicherweise verfrüht war. Es wurde auch bereits auf die Klage von JzN verwiesen, die ebenfalls einen Einfluß auf das Gesamturteil in der Sache haben wird.
Damit wird nun auch leichter verständlich, warum JzN ständig ein besonderes Augenmerk auf die Klage von Nexovation geworfen hat. Diese Klage ist real und wird nun bis zum Urteil verfolgt werden. Hat sie Erfolg, dann ist es entscheidend, dass noch eine weitere Partei an der Auseinandersetzung beteiligt ist, und das ist dann JzN.

Wie geht es nun weiter?
Das EuG wird ein Urteil verkünden oder sogar möglicherweise zusätzliche Verhandlungstage anberaumen. Wie das Urteil aussehen könnte, und wann es verkündet werden könnte, wäre reine Spekulation, die ich nicht betreiben möchte.
JzN wartet nunmehr auf die Ankündigung des eigenen Termins. Angesichts der Tatsache, dass heute die Nexovation-Verhandlung war, erscheint uns ein Termin in der ersten Jahreshälfte 2018 als realistisch. Auch in diesem Fall könnte über einen möglichen Ausgang nur spekuliert werden.
Nur soviel noch: gegen ein Urteil beim EuG kann Berufung eingelegt werden beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Das wären dann sicher noch einmal 3 Jahre.
Ein schön sachlicher Bericht :M
Vielen Dank dafür :t
 
Bericht zur mündlichen Verhandlung der Klage von "Ja zum Nürburgring" vor dem Europäischen Gericht

25.04.2018 - Heute fand die mündliche Verhandlung der Klage des Vereins "Ja zum Nürburgring" vor dem Europäischen Gericht statt. Wie zu erwarten war, wurde heute kein Urteil verkündet. Die weitere Vorgehensweise steht im Ermessen des Gerichts.

Die Verhandlung dauerte von 9:30 bis kurz nach 16:00 mit einer einstündigen Mittagspause. Damit war sie um Einiges länger als die Verhandlung der NeXovation-Klage am 30. Januar diesen Jahres. Ungefähr 45 Minuten der Verhandlung wurden unter Ausschluß der Öffentlichkeit abgehalten, da dort vertrauliche Details aus dem Bietverfahren diskutiert wurden.

Vor Ort waren für Ja zum Nürburgring Dr. Dieter Frey und Dr. Matthias Rudolph als vertretende Anwälte, sowie Otto Flimm und Dieter Weidenbrück als Vertreter des Vereins. Die Europäische Kommission trat mit 2 Anwälten und einem Experten der KOM an. Wie bei der ersten mündlichen Verhandlung im Januar war auch hier das Gericht mit den gleichen 5 Richtern besetzt. Die Verhandlungssprache war Deutsch. Das bedeutet, dass die Anwälte ausschließlich deutsch argumentieren dürfen, während die Richter Fragen in ihrer jeweiligen Landessprache stellen können. Die Verhandlung wurde aus diesem Grunde simultan nach Englisch, Italienisch, Französisch und Litauisch übersetzt.

Beide Parteien begannen mit einem Eingangsplädoyer von je 15 Minuten. JzN konzentrierte sich auf drei Punkte:
1. Die Rolle des Klägers für den Nürburgring
2. Sein Rechtsschutzinteresse und seine Klagebefugnis
3. Zentrale Aspekte, aus denen sich die wirtschaftliche Kontinuität und das Vorliegen einer neuen Beihilfe zugunsten der Erwerber ergeben
Das hört sich genau so kompliziert und abstrakt an, wie es auch leider ist. Die Bedeutung von JzN für den Nürburgring lässt sich natürlich recht einfach und beeindruckend darstellen. Der zweite Punkt dreht sich darum, ob die Klage überhaupt zugelassen wird, während es dann erst beim dritten Punkt um die eigentlichen Zusammenhänge und Vorgänge geht, die so vielen Menschen rund um den Nürburgring während des Verkaufs aufgestoßen sind.

Die KOM konzentrierte sich weitgehend darauf, unsere Klage als unzulässig und überflüssig darzustellen. Kurz gesagt: JzN darf aus verschiedenen Gründen gar nicht klagen, JzN kann keinen Nutzen aus dieser Klage ziehen, und die Klage ist unbegründet, weil alles rechtmäßig abgelaufen ist.

Ich muss hier die Aussagen extrem verdichten, damit man überhaupt nachvollziehen kann, wie eine solche Verhandlung abläuft. Eine Bewertung der einzelnen Aussagen kann und will ich nicht vornehmen.

Es folgten mehrere Stunden mit Fragen des Gerichts. Positiv bewerten wir, dass sich das Gericht sofort um die Sachfragen bemüht hat, und dass die Frage der Zulässigkeit unserer Klage erst am Nachmittag und da eher am Rande zur Sprache kam. Die Richter haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie sehr tief im Thema stecken, und haben im Detail sehr genau nachgefragt. Wir finden es ermutigend, dass nunmehr die Umstände des Verkaufs unter die rechtliche Lupe genommen werden. Nur so kann juristisch Ruhe einkehren am Ring.

Was hat der Tag gebracht?
Ich selbst hätte gerne eine klare Entscheidung und dann Ruhe. So geht es aber leider nicht. Juristische Streitigkeiten dieser Größenordnung ziehen sich lange hin, im Falle der beiden Klagen von NeXovation und JzN nun schon fast 3 Jahre. Ich kann nachvollziehen, dass so Mancher zweifelt, ob dieser Weg der richtige ist. Leider kann man sich aber nicht bei einem Bier zusammensetzen und eine Lösung finden, dafür ist einfach zu viel Geld im Spiel, von den Plänen einzelner Beteiligter ganz abgesehen. Das unveränderte Ziel von Ja zum Nürburgring ist und war immer, eine langfristige Perspektive für den Nürburgring zu schaffen. Otto Flimm geht da nicht von seiner lebenslangen Linie ab. Das heißt aber nicht, dass wir den aktuellen Betrieb am Ring kritisieren, im Gegenteil. Das operative Geschäft, also das, was jeder so täglich mitbekommt, scheint gut zu laufen. Die Eigentumsfrage ist es, die Otto Flimm Sorgen macht, und da geht es nicht um die kommende Saison, sondern um die kommenden 50 Jahre.

Dieser letzte Absatz hatte nicht direkt etwas mit der Verhandlung zu tun, aber es ist wichtig zu wissen, was den Verein JzN vorantreibt. Die juristische Aufarbeitung ist eine wichtige Voraussetzung, um eine langfristige Stabilität am Nürburgring zu erreichen. Es geht hier nicht um billige Effekthascherei. Nicht bei Otto Flimm.

Zurück zur Verhandlung: Wer nicht da war, darf sich gratulieren, dass er/sie die Zeit nicht geopfert hat. Für einen Außenstehenden ist es nahezu unmöglich, der Diskussion zu folgen. Vieles dreht sich um Verfahrensfragen, referenzierte EuG/EuGH- oder BGH-Urteile, Randnummern aus Dutzenden von Anlagen, die im schriftlichen Verfahren eingereicht wurden. Ich habe das Glück, Zugriff auf alle Unterlagen zu haben, so dass ich dem Ganzen folgen konnte. Aber um es klar zu sagen: das ist ein Feld für Spezialisten im EU-Recht.

Nun hat bereits die mündliche Verhandlung in der zweiten Klage stattgefunden, und das sollte jedem klarmachen, dass die Klagen real und aktuell sind. Alle Aussagen, dass da sowieso nichts draus würde, sind hinfällig. Das bedeutet nicht, dass eine oder beide Klagen erfolgreich sein müssen, aber es sind ernstzunehmende Vorgänge.

Wie geht es nun weiter?
Das Gericht hat alle Möglichkeiten von der Verkündung eines Urteils über das Stellen zusätzlicher Fragen bis hin zur Anberaumung von zusätzlichen Verhandlungstagen. Wir werden es abwarten müssen. Am Ende wird ein Urteil stehen, über das ich nicht spekulieren möchte. Gegen ein Urteil beim EuG kann Berufung eingelegt werden beim Europäischen Gerichtshof (EuGH). Das ist möglich für jede der drei noch in der juristischen Auseinandersetzung befindlichen Parteien: die KOM, JzN und NeXovation.
 
Sehr ausführlich, interessant und eindrucksvoll ge- und beschrieben.

Aber Du hast recht wenn Du sagst, dass man dem Ganzen nur dann richtig folgen kann, wenn man wirklich in der Materie drin steckt und auch mit näheren Details vertraut ist.

Auch wenn ich nur „Liebhaber“ des Rings bin und für mich wohl kaum, bzw. gar keine Vor- oder Nachteile bestehen, so finde ich die grundsätzliche Bedeutung und Antrieb des Ganzen wichtig, dass für eine langfristige „Sicherheit“ sich eingesetzt wird, die dem Ring und insbesondere der Region eine Zukunft bietet und kein kurzfristiges Erfolgsrezept.

In soweit wünsche ich weiterhin viel Erfolg.
 
.......so finde ich die grundsätzliche Bedeutung und Antrieb des Ganzen wichtig, dass für eine langfristige „Sicherheit“ sich eingesetzt wird, die dem Ring und insbesondere der Region eine Zukunft bietet und kein kurzfristiges Erfolgsrezept.

In soweit wünsche ich weiterhin viel Erfolg.

Dem kann ich mich voll und ganz anschließen.
Zusätzlich bin ich noch der Meinung, dass es hierbei auch um gerüttelt Maß an Gerechtigkeit geht und die Machenschaften der Landespolitik geahndet werden. Vielleicht hat das dann ja auch noch Folgen für die Verursacher, welche im großen Stil Steuergelder vernichtet haben.

Danke an den Verein und Dieter für das Engagement.
 
Ich dachte du willst mit deinem Auto nochmal auf die Rennstrecke bevor du ihn verkaufst..:D
 
Rennstrecken haben keine große Zukunft mehr. Die Beliebtheit der Formel 1 nimmt ab, andere Rennserien kann man doch auch vergessen. Der "Nachwuchs" an Fans ist auch bescheiden, auch dank der Autoindustrie selbst.
Welcher junge Mensch kann sich ein Auto leisten und daran basteln. Leisten kann es sich kaum wer, die Technik ist so komplex, dass auch da nicht mehr viel geht. Außerdem ist das Ganze ziemlich aus der Mode gekommen. Die paar Leute die "Autofans" sind, sind die "Poser" bei Mäcces und co. . Die fahren zu keiner Rennstrecke und zelten. Die neuen Mitbürger die vorzugsweise BMW M Modelle oder AMG usw. fahren haben für Motorsport auch nichts über.

Vielleicht kann eine gut organisierte kleine Strecke "überleben" wenn sie geschickt vermarktet wird. (Testfahten von Herstellen, ADAC, usw. ) Aber eine Rennstrecke wie der Nürburgring wird sich nie wieder selbst tragen können. Vielleicht hat man Glück und irgendwer der viel Geld hat, verprasst es dort, dann wird sopwas noch eine Zeit lang leben.
Alles andere ist doch Illusion.
 
Rennstrecken haben keine große Zukunft mehr. Die Beliebtheit der Formel 1 nimmt ab, andere Rennserien kann man doch auch vergessen. Der "Nachwuchs" an Fans ist auch bescheiden, auch dank der Autoindustrie selbst.
Welcher junge Mensch kann sich ein Auto leisten und daran basteln. Leisten kann es sich kaum wer, die Technik ist so komplex, dass auch da nicht mehr viel geht. Außerdem ist das Ganze ziemlich aus der Mode gekommen. Die paar Leute die "Autofans" sind, sind die "Poser" bei Mäcces und co. . Die fahren zu keiner Rennstrecke und zelten. Die neuen Mitbürger die vorzugsweise BMW M Modelle oder AMG usw. fahren haben für Motorsport auch nichts über.

Vielleicht kann eine gut organisierte kleine Strecke "überleben" wenn sie geschickt vermarktet wird. (Testfahten von Herstellen, ADAC, usw. ) Aber eine Rennstrecke wie der Nürburgring wird sich nie wieder selbst tragen können. Vielleicht hat man Glück und irgendwer der viel Geld hat, verprasst es dort, dann wird sopwas noch eine Zeit lang leben.
Alles andere ist doch Illusion.
Ich denke, Du solltest Dich mal auf den neuesten Stand bringen, was den Motorsport am Nürburgring angeht. In der Langstreckenmeisterschaft gibt es 9 Läufe pro Jahr mit ca. 160 Rennwagen, hinzu kommt die RCN (8x pro Jahr) mit 160 bis 180 Teilnehmern pro Lauf, die GLP in ähnlicher Höhe. Und dann kommen erst die Großveranstaltungen wie 24h-Rennen, Truck-Grand Prix und noch etliche andere. Der Ring ist komplett ausgebucht. Und gerade die BMW M- und AMG-Kunden fahren zu hauf mit, weil die zu der Klientel gehören, die sich das leisten kann.
 
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