Sollte eines Tages die Bastion "Wasser" fallen, würde man dies lang-, eher sogar schon mittelfristig zu spüren bekommen. Natürlich kommt es dabei wie immer in nicht zu übersehender Weise auf die Geschwindigkeit der Preissteigerungen an.
Der geneigte Leser, der klimatisch und wahrscheinlich auch finanziell im Vergleich zum Großteil der EU und der restlichen Weltbevölkerung auf Rosen gebettet ist, wird vielleicht Preissteigerungen bei Wasser initial achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Vermutlich auch die an den Verbraucher weitergegebenen Preissteigerungen bei all den anderen Gütern, deren Inhalte bzw. Erzeugung auf Wasser basieren.
Derjenige aber, der sich in einer klimatisch extremeren Position befindet und nicht über ein dickes Portemonnaie verfügt, wird die Folgen einer privatisierten Wasserversorgung sehr viel schneller und heftiger zu spüren bekommen und nicht einfach "wegbezahlen" können.
Nun entsprechen die klimatischen Bedingungen Europas (noch) nicht denen Afrikas, allerdings sind Wetterkapriolen an den Grenzen unseres Kontinents gar nicht mehr so selten.
Das Element Wasser sollte nicht Bestandteil finanzieller Spekulationen sein.
De facto ist dies aber schon mehr als hundert Jahre der Fall. Warum wetten Rohstoffhändler auf """" oder Dürre und kaufen oder verkaufen u.a. anhand meteorologischer Prognosen? Sie halten mitunter gar tausende Tonnen vom Weltmarkt zurück, was jüngst zu tödlichen Unruhen geführt hatte ( Stichwort "Reiskrieg").
Sollte das prognostizierte Wetter oder sollte ich sagen, die Wette-auf-Wetter nicht wie erhofft eintreten, was aufgrund der heutigen klimatischen Schwankungen durchaus öfters der Fall sein kann, dann bestünde immerhin noch die Möglichkeit am Markt Einfluß über den Wasserpreis in Form von gestiegenen Produktions- und Transportkosten zu nehmen und damit das gewünschte Ergebnis zu erzielen.
Hier ist also die Politik gefragt, da ein Grundrecht auf freien Zugang zu Trinkwasser erhalten bleiben muß. Der Ruf nach der Politik stimmt mich diesbezüglich allerdings wenig optimistisch, dazu beobachte man lediglich die steigende Anzahl an Lobbyistenbüros in Brüssel. Soweit ich weiß, hat sie die Anzahl an Parlamentarierbüros längst überschritten.
Ferner blicke man auf die Entwicklung der Marktpreise bei essentiellen Gütern wie z.B. Mais, Weizen und Reis. Mit diesen, auf Wasser basierenden Gütern läßt sich seit vielen Jahren ein guter Schnitt machen. Warum also nicht auch mit Wasser direkt? Wasser, das neue/alte Investment!
Am Rande sei freilich auch Rindfleisch erwähnt, der leckere Klimakiller. (1kg Rinderfilet = 8.000 l Wasser = 40 € beim Metzger, Preis steigend)
Der Handel mit Indizes, Bonds und Futures auf o.g. Güter zeigt neben enormen Gewinnmöglichkeiten auch die Gefährlichkeit solcher Spielereien im Lebensmittelbereich auf.
Im Rahmen einer Baisse bzw. nach Platzen einer "Wasserblase" könnten die Werte für Wasser/Weizen/Mais/Reis- fast in analogem Tempo sinken wie z.B. Bankwerte unlängst. Schwer vorstellbar? Dann sei auf die "marktüblichen" Turbulenzen vor vier/fünf Jahren hingewiesen. Ein Bauer wurde plötzlich sein Produkt nicht mehr los und musste ein Jahr später festzustellen, daß er sich selbiges nicht mehr leisten konnte.
Eines Tages wird der Wert "Wasser" oder die Art und Weise, wie man es vermarktet, in gleichem Atemzug wie Öl, Dollar oder Gold genannt werden. Einige wenige Menschen werden damit sehr, sehr viel Geld "verdienen". Vorausgestzt, sie haben frühzeitig in Werte von Wasserversorgern, sowie Wiederaufbereitern und Entsalzungsanlagen investiert.
(Ganz Abgezockte veräussern natürlich rechtzeitig Wasseranteile vor Platzen einer Blase um sie anschließend wieder billig einzukaufen, da Wasser nun einmal langfristig ins Portfolio gehören sollte. )
Ich möchte hier sinngemäß die Aussagen eines Wasserbauingenieurs wiedergeben, mit dem ich mich vor ca. 10 Jahren diesbezüglich unterhalten konnte. Er war lange Zeit an Projekten u.a. im Nahen und Mittleren Osten beteiligt und betonte das "moralische" Dilemma im Bezug auf Handel mit Grundnahrungsmitteln. (Gut, daß die Deutsche Bank nicht in diesem Dilemma steckt

)
"Kein Vorstand wird für Ausgaben belohnt, es sei denn, sie sind strategischer Natur. Momentan sind die durch den deutschen Staat für teuer Geld überprüften Grenzwerte betreff Leitungswasser strenger als jene der Mineralwasser- und Softdrinkindustrie. Beworbene "Mineralien" könnten bei strenger Auslegung der deutschen Trinkwasserverordnung als Verunreinigung gelten. Trotzdem kosten 1000 Liter Sprudel im Supermarkt 300 €, drei volle Badewannen, deren Inhalt man gefahrlos trinken könnte, hingegen vielleicht 4-6 €. Da ist aus Sicht des Shareholder value also noch Optimierungspotenzial vorhanden...
Sicherlich werden (in naher Zukunft) auch bewaffnete Konflikte um Wasser ausgetragen werden. Wenn man an den Jordan und seine Anreinerstaaten denkt, bekommt man da nicht irgendwie eine Vorahnung?
Die Wasserversorgung in den Emiraten dagegen ist dank reichlich vorhandenen Petroleums ein entspannteres, weil bezahlbares Problem, mit welchem sich wiederum vortrefflich Geld verdienen lässt. Besonderes Augenmerk sollte sich generell auf Asien richten. Das chinesische Volk hat längst verstanden und betreibt mittlerweile wie alle anderen auch ein Outsourcing seiner Landwirtschaft. Es kauft Land in grossem Stil in Afrika auf, damit es seinen wachsenden Wohlstand decken kann. Der gutverdienende Durchschnittsbürger Chinas will ja baldmöglichst und am besten regelmäßig Getreide und Fleisch essen können. Ob die Afrikaner durch chinesisches Engagement selbst profitieren können, bleibt abzuwarten".
Das Problem durch Nahrung UND Wasser(verbrauch) wird einfach weitergereicht. Wir Europäer lassen seit Jahrzehnten auf diese Art und Weise im vermeintlich billigen Ausland sowie in Übersee produzieren. Die Tomate in Andalusien, die Gurke in Holland, der Apfel in Südtirol, die Kiwi in Neuseeland, der Salat aus China, die Bohne aus Ägypten und die Banane aus Zentralamerika brauchen alle Wasser."
Was also tun? Mit Wasser und ggf. Elend anderer Geld verdienen oder gegen eine Privatisierung stimmen und dafür eintreten, daß alle Menschen (zunächst einmal wenigstens in Europa) sicheren und einfachen Zugang zu Wasser erhalten können. Das bedeutet vielleicht auch, auf einen möglichen Reibach verzichten zu wollen und zu können.
Ich wünsche mir, daß mit dem flüssigen Element respektvoll umgegangen wird und dieses Gut eines Tages nicht ausschließlich von Veolia, Nestlé, Unilever, Kraft oder der Coca Cola Company "provided" wird, um an dieser Stelle den etwas hinkenden Vergleich bezüglich der Privatisierung des Telekommunikationsmarktes heranzuziehen.
Viele Grüße